Arbeitskleidung: Was darf der Chef vorschreiben?

Darf der Chef verlangen, Arbeitskleidung zu tragen? Wenn Sie in einem Beruf wie Polizist, Feuerwehrmann, Arzt, Soldat, Pilot, Steward oder Koch arbeiten, ist die Antwort einfach: Ja. In den meisten dieser Jobs sind die Arbeitnehmer verpflichtet, Berufskleidung zu tragen, weil es dafür ein Gesetz, einen Tarifvertrag, eine Betriebsanweisung oder eben einen entsprechenden Passus im Arbeitsvertrag gibt. Was bedeutet das für Arbeitnehmer und wer trägt die Kosten für die Arbeitskleidung? Die Antworten…

Arbeitskleidung: Was darf der Chef vorschreiben?

Arbeitskleidung: Was versteht man darunter?

Arbeitskleidung: Was versteht man darunter?Wenn man von Arbeitskleidung spricht, können alltagssprachlich unterschiedliche Dinge gemeint sind. Arbeitskleidung ist generell jegliche Kleidung, die während der Arbeit getragen wird. Viele Arbeitnehmer, besonders solche, die im Homeoffice arbeiten, können als Arbeitskleidung das tragen, was ihnen gefällt. Damit gibt es keinen Unterschied zwischen Arbeits- und Freizeitkleidung.

Das muss aber nicht immer so sein. Es gibt auch bestimmte Berufe, in denen bestimmte Bekleidung vorgeschrieben ist.
Das können folgende Arten sein:

  • Arbeitskleidung
  • Dienstkleidung
  • Arbeitsschutzkleidung

Die Begriffe Berufs- und Dienstkleidung meinen dabei die gleiche Sache: Der Arbeitgeber sagt seinem Mitarbeiter dabei, welche Art von Bekleidung während der Arbeitszeit zu tragen ist. Der Arbeitgeber möchte damit unter Umständen ein einheitliches Erscheinungsbild seiner Mitarbeiter nach Außen transportieren.

Für das Tragen von Arbeitsschutzkleidung dagegen gibt es ganz klare Anweisungen im Arbeitsschutzgesetz und in der in der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstung bei der Arbeit (PSA-Benutzungsverordnung).

Diese Art der Kleidung soll den Arbeitnehmer vor Gefahren schützen und seine körperliche Unversehrtheit garantieren. Arbeitet ein Arbeitnehmer in einem Beruf, in dem eine persönliche Schutzausrüstung vorgeschrieben ist, ist er dazu verpflichtet, diese zu tragen. Tut er das nicht, kann er zu einem Bußgeld verdonnert werden. Auch andere Konsequenzen wie eine Abmahnung oder sogar Kündigung können drohen.

Der Arbeitgeber hat umgekehrt dafür Sorge zu tragen, dass der Arbeitnehmer die Arbeitsschutzkleidung tragen kann und muss dies auch auf Nachfrage der zuständigen Behörde nachweisen.

Arbeitgeber darf Erscheinungsbild bestimmen

Arbeitnehmer, die sich fragen, was der Chef in Bezug auf die Arbeitskleidung vorschreiben darf, sein gesagt: Zunächst einmal hat jeder Arbeitnehmer das Recht, sich seinem persönlichen Geschmack entsprechend zu kleiden, zu schminken und sonst wie zu verzieren.

Der Arbeitgeber hat seinerseits das sogenannte Direktionsrecht. Damit kann er die Leistung des Arbeitnehmers hinsichtlich des Inhalts, Ortes und Zeit der Arbeit bestimmen.

Dazu gehört allerdings auch das Recht, über das Erscheinungsbild des Arbeitnehmers – insbesondere bei Kundenkontakt – bestimmen zu dürfen. Arbeitskleidung in diesem Sinne wird auch als Berufskleidung bezeichnet. In der Regel wird diese Form der Bekleidung, die meist dazu dient, ein einheitliches Erscheinungsbild der Angestellten zu gewährleisten, in Tarif- oder Arbeitsverträgen oder in einer Betriebsvereinbarung geregelt. Wird die Berufskleidung in einer Betriebsvereinbarung geregelt, hat gemäß Paragraph § 87 Abs. 1 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht.

Aus der Forschung ist inzwischen bekannt, dass einheitliche Arbeits- und Berufskleidung durchaus das Verhalten der Mitarbeiter tiefgreifend prägen und verändern kann – zum Beispiel, indem damit die spezifische Unternehmenskultur, die Wertvorstellungen und Verhaltensnormen noch einmal sichtbar verankert werden. Es sind visuelle Codes, die die ansonsten nur schwer fassbaren Aspekte einer Unternehmenskultur visualisieren und stabilisieren sollen.

Vereinfacht gesagt endet das Recht des Arbeitnehmers auf einen eigenen Stil immer dort, wo der Arbeitgeber ein begründetes Interesse daran hat, auf diesen Einfluss zu nehmen.

  • Werden zum Beispiel durch schlecht sitzende (und sichtbare) Unterwäsche die Kollegen, das Arbeitsergebnis oder womöglich Außenstehende belästigt, darf der Arbeitgeber das Tragen von anderer Unterwäsche bestimmen. Die Farbe jedoch nicht.
  • Aus Gründen des Arbeitsschutzes dürfen Kfz-Mechaniker am Arbeitsplatz keine Ketten oder Ringe oder Piercings tragen. Zu gefährlich – sie könnten irgendwo hängen bleiben.
  • Vor einiger Zeit wiederum bekam ein Lufthansa-Pilot buchstäblich eins auf die Mütze, weil der sich geweigert hatte, im öffentlich zugänglichen Bereich des Flughafens ständig eine Schirmmütze zur Uniform zu tragen. Seine Kolleginnen mussten das nicht, er fühlte sich daher diskriminiert. Das Landesarbeitsgericht Köln sah die Sache aber anders: Die Richter verneinten eine Diskriminierung und wiesen seine Klage ab: Man könne die Mütze nicht isoliert sehen, sondern als Teil der gesamten Dienstbekleidung, die für Männer und Frauen nun einmal unterschiedlich sei. Frauen hätten die Wahl, ob sie Rock oder Hose tragen, Männer hingegen müssten zwingend eine Hose anhaben. Das wäre auch keine Benachteiligung der Männer, andernfalls wäre jede unterschiedliche Dienstkleidung für Männer und Frauen unzulässig. Immerhin: Im Cockpit dürfe er die Mütze absetzen.

Für Arbeitnehmer heißt das im Umkehrschluss: Solange die Arbeitskleidung die eigene Leistung und das Arbeitsumfeld nicht oder nur unerheblich beeinflusst, kann der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer auch nicht an die Wäsche gehen.

Anders ist das natürlich in Berufen, in denen es um die Sicherheit am Arbeitsplatz für Arbeitnehmer geht. In diesen Berufen ist eine bestimmte Bekleidung vorgeschrieben.

Typische Berufe, in denen Arbeitsschutzkleidung getragen wird

Es gibt eine ganze Reihe von Berufen, in denen typischerweise mit Verletzungen gerechnet werden muss oder in denen bestimmte Hygienevorschriften eingehalten werden müssen. Arbeitnehmer in diesen Berufen müssen Arbeitsschutzkleidung tragen. Dazu gehören:

  • Berufe im Bauwesen

    Arbeitnehmer, die auf einer Baustelle arbeiten, sind vielen Gefahren ausgesetzt. Aus diesem Grund sind sie dazu verpflichtet, bestimmte Arbeitsschutzkleidung zu tragen. Dazu gehört zum Beispiel:

    • Atemschutz
    • Handschuhe
    • Schutzhelm
    • Sicherheitsschuhe
  • Berufe bei der Feuerwehr/Katastrophenschutz

    Arbeitnehmer, die bei der Feuerwehr und vor allem beim Katastrophenschutz arbeiten, leben gefährlich. Arbeitsschutzkleidung ist daher bei diesen Berufen Pflicht.

    Dazu zählt zum Beispiel:

    • Atemschutz
    • Feuerwehrschutzanzug
    • Gummistiefel
    • Kontaminationsschutzkleidung
    • Schutzhandschuhe
    • Sicherheitsschuhe
    • Sicherheitshelm mit Nackenschutz
  • Berufe im Gesundheitsbereich

    Wer in einem medizinischen Beruf arbeitet und mit kranken Patienten zu tun hat, muss nicht nur die Patienten, sondern auch sich selbst während der Arbeit schützen. Dazu gehört das Tragen von Kleidung, die sich besonders leicht keimfrei halten lässt. Zusätzlich dazu sind in bestimmten Bereichen auch Handschuhe und Atemmasken vorgeschrieben.

    Typische Kleidungsstücke, die im Gesundheitsbereich getragen werden, sind unter anderem:

    • Augenschild
    • Dienstschuhe
    • Handschuhe
    • Kasack
    • Kopfhaube
    • Mund- und Nasenschutz
  • Berufe im Handwerk

    In bestimmten handwerklichen Berufen wird der sogenannte Blaumann nicht nur als Mittel der Corporate Identity getragen. Er ist schwer entflammbar und schützt daher Monteure, KFZ-Mechaniker und andere Handwerker vor Verletzungen.

    Typische Schutzkleidung, die getragen wird, ist beispielsweise:

    • Atemschutz
    • Gummistiefel
    • Gehörschutz
    • Handschuhe
    • Schutzanzug
    • Schutzbrille
    • Sicherheitsschuhe

Arbeitskleidung FAQs: Häufige Fragen zum Thema

Einige Fragen tauchen immer wieder auf, wenn sich Arbeitnehmer mit dem Thema Arbeitskleidung beschäftigen. Dazu gehören die Folgenden:

  • Wann muss ich Arbeitskleidung tragen?

    Berufsbekleidung müssen Sie dann tragen, wenn Ihr Arbeitgeber es Ihnen vorschreibt. Entsprechend seinem Weisungs- und Direktionsrecht kann er Arbeitnehmer dazu verpflichten.

    Arbeitsschutzkleidung ist immer dann zu tragen, wenn das Gefahrenpotenzial am Arbeitsplatz dies vorschreibt.

  • Bezahlt der Arbeitgeber die Arbeitskleidung?

    Ob der Arbeitgeber sich an den Kosten für die Arbeitskleidung beteiligen muss, hängt davon ab, von welcher Art von Arbeitskleidung wir sprechen.

    Wenn die Arbeitskleidung die Funktion von Arbeitsschutzkleidung erfüllt, die vom Gesetzgeber für die jeweilige Tätigkeit vorgeschrieben ist, muss sie der Arbeitgeber stellen. Der Arbeitnehmer darf damit nicht an den Kosten beteiligt werden.

    Etwas anderes ist es, wenn der Arbeitnehmer auf eigenen Wunsch spezielle Schutzkleidung am Arbeitsplatz tragen möchte. Dann ist er selbst für den Kauf verantwortlich.

  • Muss der Arbeitgeber die Arbeitskleidung waschen?

    Wer eine besonders gefährliche Tätigkeit ausübt und sich dabei leicht verletzen kann – ein Schweißer zum Beispiel –, muss regelmäßig eine sogenannte Schutzkleidung tragen.

    Müssen dagegen gewisse Hygienevorschriften eingehalten werden – etwa im Bereich der Lebensmittelverarbeitung oder im Krankenhaus –, müssen Arbeitgeber ihren Angestellten Hygienekleidung zur Verfügung stellen (vgl. § 5 der Lebensmittelhygiene-Verordnung in Verbindung mit der hierzu gehörenden Anlage 2).

    In beiden Fällen hat der Arbeitgeber natürlich ein ureigenes Interesse daran, die gesetzlichen Vorgaben zum Tragen von Arbeitskleidung einzuhalten. Er könnte sonst Probleme bekommen – etwa, wenn sich ein Angestellter verletzt, weil er keine Schutzkleidung getragen hat, oder wenn Lebensmittel reklamiert werden, weil darin Haare oder Schuppen gefunden wurden.

    Entsprechend wichtig ist daher nicht nur das Tragen der Arbeitskleidung, sondern auch deren regelmäßige Reinigung. Die erfolgt meist ebenfalls im Interesse des Arbeitgebers. „Daher ist es nur angemessen, dass der auch die Kosten hierfür tragen muss“, sagt zum Beispiel Sandra Voigt, Anwältin und Redakteurin bei anwalt.de.

  • Kann ich Kosten von der Steuer absetzen?

    Wenn Arbeitnehmer die Kleidung ausschließlich beruflich nutzen, können sie diese von der Steuer als sogenannte Werbungskosten absetzen. Als Arbeitskleidung in diesem Sinn gilt beispielsweise ein Arztkittel oder auch eine Richterrobe.

    Bei ausschließlich beruflich genutzter Kleidung können Arbeitnehmer auch die Reinigungskosten von der Steuer absetzen. Allerdings gibt es dazu keine Rechtsvorschrift. Das bedeutet, dass letzten Endes das Finanzamt darüber entscheidet, ob es die Reinigungskosten anerkennt oder nicht.

    Achtung: Übernimmt Ihr Arbeitgeber die Kosten für Arbeitskleidung, die nicht berufstypisch ist (und die Sie daher auch in Ihrer Freizeit tragen könnten), könnte es sich um einen geldwerten Vorteil handeln, den Sie zusätzlich versteuern müssen. Sprechen Sie bei Fragen Ihren Arbeitgeber darauf an.


Kosten für die Reinigung von der Steuer absetzen

So setzen Sie die Kosten für Arbeitskleidung von der Steuer abUnter Umständen können Sie die Reinigungskosten für Ihre Arbeitskleidung von der Steuer absetzen. Je detaillierter Sie die Kosten in Ihrer Steuererklärung angeben können, umso besser sind Ihre Chancen, dass das Finanzamt diese anerkennt.

Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Sie bringen die Arbeitskleidung in eine Reinigung: Dieser Fall ist relativ einfach. Wenn Sie Ihre Kleidung in eine öffentliche Reinigung bringen, sollten Sie alle Belege sorgfältig aufbewahren. Diese reichen Sie bei Ihrer nächsten Steuererklärung als Werbungskosten mit ein. Übrigens zählen dazu nicht nur die Kosten für die eigentliche Reinigung des Kleidungsstücks, sondern mit etwas Glück auch die Kosten für bügeln und trocknen. Achten Sie darauf, dass die Posten einzeln ausgewiesen werden.
  2. Sie waschen die Arbeitskleidung zu Hause: Dieser Fall ist schon etwas komplizierter. Eine Rechnung bekommen Sie nämlich nicht, wenn Sie die Kleidung selbst waschen. Die gute Nachricht: In diesem Fall dürfen Sie die Kosten schätzen.

    Einige Angaben brauchen Sie dazu:

    • Wie viel wiegt die Wäsche?
    • Wie wird die Arbeitskleidung gewaschen?
    • Wie trocknen Sie die Wäsche?
    • Bügeln Sie die Arbeitskleidung?
    • Wie viele Personen leben insgesamt in Ihrem Haushalt?

    Wenn Sie alle Angaben zusammengetragen haben, können Sie in der Tabelle der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ablesen, wie viele Kosten Sie für die Reinigung ansetzen können.

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[Bildnachweis: Phovoir by Shutterstock.com]
12. September 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Taralej. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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