Ausbildungsvergütung: Das gibt’s als Azubi

Für viele Schulabgänger ist die Ausbildungsvergütung ein entscheidendes Kriterium, warum sie sich für eine Ausbildung entscheiden: Endlich eigenes Geld verdienen, Geld für tolle Sachen ausgeben können, unabhängig sein und vielleicht sogar von zu Hause ausziehen – das ist der Traum vieler. Wer allerdings erstmals mit sämtlichen laufenden Kosten konfrontiert wird, kommt schnell auf den Boden der Tatsachen, denn Miete ist nur einer von vielen Posten. Lesen Sie nachfolgend, was eine Ausbildungsvergütung ist, wer sie bekommt, wie hoch sie ausfällt und welche Finanzierungsmöglichkeiten Sie außerdem haben…

Ausbildungsvergütung: Das gibt's als Azubi

Definition: Was ist eine Ausbildungsvergütung?

Ausbildungsvergütung DefinitionWenn Schulabgänger eine Ausbildung machen, ist häufig vom Gehalt die Rede – das liegt daran, dass Auszubildende, obwohl sie noch lernen, bereits arbeiten gehen und somit oft kein sprachlicher Unterschied zwischen Arbeitnehmern und Auszubildenden gemacht wird.

Auch wenn noch viel neues Wissen erworben werden muss: Ein Auszubildender arbeitet meist 40 Stunden die Woche; die Zeit in der Berufsschule ist schließlich keine Freizeit und Prüfungsstress kein Vergnügen. Trotzdem ist – wenn man es ganz genau betrachtet – das Geld, dass Azubis am Ende des Monats gezahlt wird, kein Gehalt.

Genau genommen muss dreierlei unterschieden werden:

  • Lohn

    Lohn ist zumeist das, was für tatsächlich geleistete Arbeit gezahlt wird, daher ist häufig auch von einem Stundenlohn die Rede. Für Lohnempfänger nachteilig: Die Anzahl der Werktage im Monat schwankt, beispielsweise durch die unterschiedlich langen Wochen (Februar ist der kürzeste Monat) und Feiertage. Außerdem stellt ein Arbeitgeber bei schlechter Auftragslage seine Mitarbeiter frei – so beispielsweise bei saisonaler Arbeit, wenn das Wetter schlecht ist und Kunden in der Gastronomie ausbleiben.

  • Gehalt

    Im Gegensatz dazu ist ein Gehalt ein monatlicher Fixbetrag. Ganz gleich, wie viele Werktage Sie arbeiten und ob Sie an Feiertagen, die auf einen Wochentag fallen, frei haben: Sie erhalten am Ende des Monats immer denselben Betrag (ausgenommen Monate, in denen gegebenenfalls Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld gezahlt wird. Da fällt das Gehalt höher aus).

  • Ausbildungsvergütung

    Auszubildende erhalten für Ihre Arbeit eine Vergütung. Dieser sprachliche Unterschied wird für Personen gewählt, die sich in einem Bildungsverhältnis befinden. Wie hoch die Ausbildungsvergütung liegt (dazu weiter unten), hängt von verschiedenen Kriterien ab.

Geld in der Ausbildung für jeden?

Auf zwei Besonderheiten muss außerdem hingewiesen werden:

  1. Nicht jeder erhält eine Ausbildungsvergütung.

    Das erste eigene Geld während der Ausbildung verdienen? Klingt reizvoll, ist aber keine Selbstverständlichkeit: Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) regelt, wer eine duale Ausbildung macht, erhält spätestens am letzten Arbeitstag des Monats eine Ausbildungsvergütung.

    Zwar ist die Mehrheit der Ausbildungen dual geregelt, aber eben nicht alle. Schulische Ausbildungen wie Kosmetiker, Logopäde, Physiotherapeut oder Erzieher fallen nicht darunter und werden nicht vergütet. Im Gegenteil, diese Ausbildungen laufen oft über Privatschulen und müssen sogar noch selbst finanziert werden, weshalb manche Auszubildenden neben einer 40-Stunden-Woche noch zusätzlich einen Nebenjob haben.

    Manche schulischen Ausbildungen sind von dieser Regelung ausgenommen und werden dennoch vergütet, beispielsweise die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, zum Altenpfleger oder auch Game Designer.

  2. Der Mindestlohn gilt nicht.

    Der 2014 eingeführte Mindestlohn beträgt derzeit 9,19 Euro. Bei einer mittleren monatlichen Stundenzahl von 173,33 Stunden pro Monat betrüge das Mindestgehalt eines Auszubildenden 1.592,90 Euro. Diese Summe entspricht allerdings nicht den real gezahlten Ausbildungsvergütungen, schon gar nicht im ersten Ausbildungsjahr.

    Denn: Der Mindestlohn hat diverse Ausnahmen, von denen neben Praktikanten und Langzeitarbeitslosen auch Azubis betroffen sind.

Wonach richtet sich die Höhe der Ausbildungsvergütung?

Ausbildungsvergütung HöheWer eine Ausbildung beginnen möchte, schließt nach erfolgreicher Bewerbung einen Ausbildungsvertrag mit dem ausbildenden Unternehmen ab.

In diesem ist neben den Rahmenbedingungen für das Ausbildungsverhältnis die Höhe der Ausbildungsvergütung festgehalten. Diese richtet sich zum einen nach der Branche, in welcher Sie tätig werden. Zum anderen ist entscheidend, ob für die Branche ein Tarifvertrag von den Gewerkschaften ausgehandelt wurde und ob das Unternehmen die tariflichen Bestimmungen übernommen hat.

Meist sind die Konditionen von Tarifverträgen besser als von Arbeitsverträgen ohne tarifliche Bindung. In jedem Fall ist der Arbeitgeber verpflichtet, eine angemessene Ausbildungsvergütung zu zahlen, das heißt, sie darf nicht weniger als 80 Prozent der tariflichen Vergütung betragen.

Weiterhin kann sich auf die Ausbildungsvergütung auswirken, ob Sie im Osten oder Westen eine Ausbildung beginnen, denn ebensowenig wie die Gehälter sind die Vergütungen für Auszubildende bisher vollständig angeglichen. Begründet wird dies oft mit den geringeren Mieten in Ostdeutschland.

Allerdings gibt es bereits Ausbildungen, in denen 2018 kein Ost-West-Gefälle mehr bei den tariflichen Ausbildungsvergütungen bestand, beispielsweise:

  • Kaufmann für Versicherungen und Finanzen
  • Verwaltungsfachangestellter
  • Medientechnologe Druck
  • Medizinischer Fachangestellter
  • Maler und Lackierer
  • Bäcker
  • Schornsteinfeger

Unterschied zwischen Brutto- und Nettogehalt

Viele, die ihre erste Abrechnung in den Händen halten, werden feststellen, dass es einen Unterschied gibt zwischen dem, was einerseits auf dem Gehaltszettel draufsteht und andererseits tatsächlich ausgezahlt wird. Das Bruttogehalt ist der Teil der Ausbildungsvergütung, den Sie erwirtschaftet haben, ohne dass Steuern oder Sozialversicherungsbeiträge abgezogen worden wären.

Andersherum bezeichnet das Nettogehalt das, was exakt nach Abzug von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen übrig bleibt. Der Arbeitgeber ist dazu verpflichtet, diese direkt von Ihrem Gehalt abzuführen. Was verbirgt sich hinter diesen Abzügen?

  • Steuern

    Jeder Bürger dieses Landes ist Steuerzahler, selbst nicht Berufstätige zahlen diverse Steuern. Sie gewährleisten einen funktionierenden Staat, mit denen die Infrastruktur, Verwaltung und Verteidigung finanziert werden. Diese Abgaben kommen allen Bürgern zugute. Von Ihrem Bruttogehalt gehen Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer ab. Sind Sie kein Mitglied in einer Kirche, entfällt der Abzug für Sie. Die Höhe der Steuersätze richtet sich nach Höhe der Ausbildungsvergütung und Ihrer Steuerklasse. Die vergleichsweise höchsten Abzüge erfolgen bei ledigen, kinderlosen Arbeitnehmern in Steuerklasse I. Die haben in der Regel geringere Belastungen als beispielsweise Arbeitnehmer mit kleinen Kindern.

  • Sozialversicherungsbeiträge

    Zu diesen Abzügen gehören die Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung. Im Gegensatz zu den Steuern kommen die Ausgaben aus den Sozialversicherungsbeiträgen Ihnen im Ernstfall unmittelbar zugute. Bedeutet: Wer arbeitslos, krank oder sogar pflegebedürftig wird, muss keine Angst vor unmittelbaren finanziellen Engpässen haben. Stattdessen gibt es dann Arbeitslosengeld, Entgeltfortzahlung oder Krankengeld.

Allerdings gilt hier eine sogenannte Geringverdienergrenze von 325 Euro im Monat: Wer diese Grenze nicht überschreitet, zahlt weder Steuern noch Sozialversicherungsbeiträge. Diese müssen dann komplett (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) vom Ausbildungsbetrieb übernommen werden.

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Was verdienen Auszubildende im Schnitt?

Laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) lagen die die tariflichen Ausbildungsvergütungen 2018 im Gesamtdurchschnitt in Deutschland bei monatlich 908 Euro. Allerdings gibt es auch mit tariflichen Regelungen je nach Branche und Region erhebliche Abweichungen.

Demnach erhielten von den Auszubildenden…

  • 22 Prozent eine Ausbildungsvergütung von 1.050 Euro und mehr,
  • 53 Prozent eine Ausbildungsvergütung zwischen 800 und 1.050 Euro und
  • 25 Prozent eine Ausbildungsvergütung unter 800 Euro.

Höchste Ausbildungsvergütung

Handwerk hat goldenen Boden – das vergessen viele Schulabgänger, die mit Blick auf ein hohes Gehalt mit einem Studium liebäugeln. Tatsächlich werden einige Handwerksberufe außerordentlich gut vergütet. Beispiele für Berufe mit hoher Ausbildungsvergütung sind:

  • Maurer: 1.159 Euro
  • Mechatroniker: 1.091 Euro
  • Industriemechaniker: 1.086 Euro

Niedrigste Ausbildungsvergütung

Allerdings gibt es auch Ausbildungsberufe im Handwerk, die weniger lukrativ sind. Zu diesen gehören folgende:

  • Florist: 622 Euro
  • Friseur: 606 Euro
  • Schornsteinfeger: 518 Euro

Zusätzlich kann Ihr Einkommen neben dem Azubigehalt noch durch diese Zahlungen beeinflusst werden:

  • Zuschläge

    Für Arbeit an Sonntagen, Feiertagen oder in der Nacht fallen zusätzliche Zuschläge an, die das Bruttogehalt erhöhen.

  • Kindergeld

    Wer noch unter 25 Jahre alt ist, dessen Eltern erhalten vom Staat noch Kindergeld. Sofern Sie bereits von zu Hause ausgezogen sind, sind Ihre Eltern verpflichtet, Ihnen das Geld zukommen zu lassen.

  • Urlaubsgeld

    Ihnen steht ein gesetzlicher Urlaubsanspruch zu, der besagt, dass Sie während Ihres Erholungsurlaubs weiterhin Ihr Azubigehalt beziehen. Einige Arbeitgeber zahlen außerdem ihren Angestellten einmal jährlich ein Urlaubsgeld.

  • Weihnachtsgeld

    Ebenfalls eine freiwillige Leistung ist das Weihnachtsgeld, dass meist im Monat vor Weihnachten erfolgt.

  • Vermögenswirksame Leistungen

    Bis zu 40 Euro monatlich können Sie von Ihrem Arbeitgeber erhalten, um damit ein Vermögen aufzubauen. Dazu wird – sofern Ihr Arbeitgeber sich an dieser Leistung beteiligt – ein gemeinsamer Vertrag abgeschlossen. Für die Dauer von sieben Jahren zahlt Ihr Arbeitgeber beispielsweise für einen Bausparvertrag ein.

  • Geldwerte Vorteile

    Fahrtkostenzuschüsse für den Weg zur Ausbildungsstätte, Essensgutscheine und dergleichen mehr sind als geldwerte Vorteile bekannt und bedeuten für Sie ein zusätzliches Einkommen.

Ausbildungsgeld: Wenn das Gehalt nicht reicht

Ausbildungsvergütung BerufsausbildungsbeihilfeWer übrigens eine schulische Ausbildung ohne Ausbildungsvergütung plant oder nur eine geringe Ausbildungsvergütung erhält, sollte prüfen lassen, ob er Ausbildungsgeld beispielsweise in Form von Berufsausbildungsbeihilfe beantragen kann. Das ist üblicherweise davon abhängig, ob Sie noch bei Ihren Eltern wohnen und wie hoch das Einkommen Ihrer Eltern ist.

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3. September 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Taralej widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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