Floskeln in der Bewerbung: Phrasen kosten den Job

Langweiliger kann man die Bewerbung nicht beginnen: „Hiermit bewerbe ich mich für die Stelle als…“ Bei derlei Sätzen und hohlen Phrasen im Bewerbungsschreiben zählen Personalverantwortliche nur noch die Tage bis zur Rente. Akute Wachkoma-Gefahr! Tatsächlich sind Floskeln in der Bewerbung der schnellste Weg auf den Absage-Stapel. Die Bewerbungsmappe wird dann kaum noch gelesen. Chance vertan – den Job bekommt ein anderer. Verzichten Sie daher bei der Formulierung der Bewerbungsunterlagen unbedingt auf die schlimmsten Phrasen und Top-Floskeln…

Floskeln in der Bewerbung: Phrasen kosten den Job

Definition: Was sind Floskeln in der Bewerbung?

Definition: Was sind Floskeln in der Bewerbung?Unter Floskeln (Synonym: Phrasen, Worthülsen) in einem Bewerbungsschreiben werden allgemeine und wiederkehrende Formulierungen und Redewendungen verstanden, die von zahlreichen Bewerbern auch verwendet werden. Der Informationsgehalt dieser Allgemeinplätze ist entsprechend gering oder völlig austauschbar. Zu den klassischen Vertretern dieser Füllwörter beziehungsweise Füllsätze gehören zum Beispiel:

  • „hiermit bewerbe ich mich auf Ihre Stelle als…“
  • „mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen…“
  • „bezugnehmend auf Ihre Anzeige in…“
  • „Mit mir gewinnt Ihr Unternehmen eine(n)…“
  • „Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch würde ich mich freuen.“

Formulierungen wie „Ich freue mich auf die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch“ oder „…werde ich meine Kompetenzen voll in Ihr Unternehmen einbringen“ sind mit Phrasen dreschen explizit nicht gemeint. Solche Sätze sind zwar nicht neu oder kreativ, haben aber im Anschreiben ihre Berechtigung.

Gemeint sind eher Sätze, die zwar im ersten Augenblick gut klingen, jedoch keine konkrete Aussage haben oder einfach nur leere Worthülsen darstellen, ohne die das Anschreiben kein Stück ärmer wäre. Geschliffene und formal saubere Formulierungen sollten nie auf Kosten der Aussage und des Informationsgehalts gehen.

Haben Sie primär solche Phrasen und Floskeln in der Bewerbung, ist die Aussage- und Überzeugungskraft gleich null – genau wie Ihre Chancen auf den Job.

Bewerbungsschreiben Sätze: „Ich bin teamfähig“

Die gefährliche Illusion vieler Bewerber ist, der Personaler hätte nur auf ihre Bewerbung gewartet und würde auch nur diese eine lesen. Tatsächlich aber gibt es auf eine Stellenanzeige regelmäßig mehrere Bewerbungsbriefe – bei beliebten Arbeitgebern sogar mehrere hundert, per E-Mail und per Post.

Und nun stellen Sie sich bitte vor: Jede zweite Bewerbung beginnt mit…

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige auf Taralej.info gelesen und möchte mich hiermit bei Ihnen als ________________ bewerben…

Na, Danke!

Umfragen haben ergeben, dass sich Personalverantwortliche im Schnitt kaum mehr als fünf Minuten Zeit nehmen, um Anschreiben, tabellarischen Lebenslauf und Zeugnisse zu studieren. Eigentlich ist das eher nur ein Überfliegen und Vorsortieren.

Personaler Tabellarischer Lebenslauf Checkliste

Typische 08/15 Bewerbungen haben dabei kaum eine Chance und landen sofort im Aus. Es ist ja auch nachvollziehbar: Wenn überall dieselben abgedroschenen deutschen Phrasen und Adjektive drinstehen, wie „teamfähig“, „dynamisch“, „innovativ“, hebt sich keiner mehr ab. Stattdessen: Langeweile, Austauschbarkeit und Gleichförmigkeit pur.

Besonders deutlich wird das bei der Floskel „innovativ“: Wer sie – wie viele andere auch – benutzt, beweist damit letztlich das genaue Gegenteil. Von eigener Originalität und Innovation in der Formulierung keine Spur. Was sich der Personalleiter stattdessen denkt, ist: Wenn das schon in der Bewerbung so aussieht, wie soll das dann erst im Job werden?

Zum Vorstellungsgespräch oder Assessment Center wird dieser Kandidat eher nicht eingeladen.

Aktive oder passive Bewerbung?

Aktive oder passive Bewerbung?Die hier geächtete Verwendung von Floskeln und abgedroschenen Phrasen gilt vor allem für die Formulierung im Anschreiben. Also bei der sogenannten aktiven Jobsuche – zum Beispiel bei einer Initiativbewerbung. Bei der passiven Jobsuche sieht die Sache ein bisschen anders aus.

Hierbei schreiben und verschicken Sie keine Bewerbungsmappe, sondern optimieren Ihr Profil auf Xing oder Linkedin oder publizieren ein Bewerberblog, um gefunden zu werden. In dem Fall ist es natürlich sinnvoll, gezielt Schlüsselbegriffe zu verwenden, nach denen ein potenzieller Arbeitgeber oder Personalentscheider suchen könnte.

Die suchen allerdings auch nicht unbedingt explizit nach Begriffen wie „Teamplayer“, „Innovation“ oder „Erfolg“, sondern eher nach Qualifikationen und spezifischen Fachkompetenzen sowie bisherigen beruflichen Erfahrungen, die für die vakante Stelle nützlich sind.

Schlüsselwörter in der Bewerbung: Nie Selbstverständliches betonen!

Wenn Bewerber Floskeln in der Bewerbung nutzen, dann geschieht dies ganz oft aus Unsicherheit. Es fehlt die Routine beim Schreiben und Formulieren. Und die Versuchung ist groß, kostenlose Bewerbungsmuster (wie wir sie auch anbieten) einfach 1:1 abzuschreiben. Machen Sie das bitte nicht!

Bewährtes ist zwar gut – aber deswegen nicht individuell und originell.

Obendrein wirkt es latent faul und bequem. Abschreiben erfordert schließlich weniger Eigeninitiative und weniger Zeitaufwand als sich selbst ein paar knackige Sätze zu überlegen.

Und so werden immer wieder die am häufigsten verwendeten Floskeln in der Bewerbung statistisch untersucht. Entsprechende Studien finden sich im Netz zuhauf. Ganz oben auf der Liste stehen allerdings regelmäßig die Adjektive innovativ, dynamisch, teamfähig und kreativ. Fürchterlich abgenutzt und daher inflationär entwertet. Zumal solche Behauptungen nicht unbedingt glaubwürdiger werden, indem man sie häufiger einbaut.

Wenn Sie also Ihre Soft Skills und Kompetenzen beschreiben, verzichten Sie bitte auf die folgenden Buzzwords und oftmals hohlen Phrasen:

  • Ich arbeite effektiv und effizient
  • Ich bin ein Teamplayer
  • Ich bin dynamisch
  • Ich verhalte mich proaktiv
  • Ich bin erfahren
  • Ich bin (hoch)motiviert
  • Ich denke unternehmerisch
  • Ich war erfolgreich
  • Ich denke ergebnisorientiert
  • Ich plane zielorientiert
  • Ich bin innovativ
  • Meine Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen
  • Ich arbeite gerne mit Menschen
  • Ich liefere Mehrwert
  • Mein Wissen ist auf dem neuesten Stand
  • Ich möchte mich weiterentwickeln
  • Ich verstehe mich als Problemlöser
  • Ich arbeite selbstständig
  • Ich bin hochqualifiziert
  • Ich besitze hohe Teamfähigkeit
  • Ich bin ein strategischer Denker
  • Ich bin ein Schnellllerner
  • Ich bin ein Querdenker
  • Ich bin ein erfahrener Profi

Diese Begriffe können je nach Land in der Top Ten der Floskeln geringfügig variieren, aber auch bei einer Bewerbung auf Englisch sollte darauf verzichtet werden.

Für all das Blabla gilt: Das Gegenteil wäre die Nachricht (wenn freilich auch keine förderliche für die Bewerbung). Jeder Personaler darf erwarten, dass Kandidaten diese Eigenschaften mitbringen – eben weil sie selbstverständlich sind.

Wer aber das Selbstverständliche derart betont, nährt am Ende nur den Zweifel, dass da sonst nichts ist.

Oder anders formuliert: Wer sich mit dem bewirbt, was jeder hat (und haben sollte), dokumentiert nur, das er oder sie Durchschnitt ist. Gewöhnlich im Wortsinn. Jedenfalls kein herausragendes Top-Talent.

Bullshit-Bingo: Alles außer teamfähig

Bullshit-Bingo: Alles außer TeamfähigEs ist nur allzu verführerisch: Wenn einem beim Bewerbungsschreiben nichts einfällt, kommen eben die typischen Phrasen und Formulierungen zum Einsatz – insbesondere die zur Teamfähigkeit, zum Teamplayer oder generell zur Teamarbeit.

Heraus kommt dabei aber leider keine originelle Bewerbung, sondern ein einziges Wörterlego aus Textbausteinen, mit dem Personaler auch wunderbar Bullshit-Bingo spielen könnten. Wer mitspielen mag: Wir hätten da schon eine passende Vorlage…

Bewerbung Bullshit Bingo Grafik

Das Bullshit-Bingo können Sie sich selbstverständlich hier auch gleich als kostenloses PDF herunterladen, ausdrucken und beim nächsten Bewerbungsmarathon ankreuzen…

Diese 11 Fehler führen zu Floskeln

Die folgenden elf Fehler sind klassische Beispiele des Formulierung-vor-Inhalt-Syndroms, mit dem Sie Ihre Bewerbungs- und Jobchancen selbst sabotieren können.

  • Unspezifischer Einstieg

    Formulierungen wie „Ihre Stelle hat mich sofort angesprochen“ oder „ich wusste sofort, dass diese Stelle zu mir passt“ sind grundsätzlich kein Problem – wenn Sie danach erklären, warum es so war oder ist. Leider führen viele Bewerber diesen Gedanken nicht aus, sondern gehen nach so einem Einleitungssatz einfach weiter im Text. Ohne Gründe und Argumente dafür zu nennen, wirkt der Satz jedoch beliebig und wenig überzeugend. Entweder sie unterfüttern diesen Einstieg mit konkreten Punkten oder Sie verzichten darauf.

  • Pauschale Aussagen

    Ähnliches gilt für Sätze wie „Ihr Unternehmen bietet mir hervorragende Chancen“ oder „Ihre Stelle ist für mich optimal“. Solche Aussagen klingen gut, wirken aber nur echt, wenn Sie davor oder danach erklären, warum das der Fall ist und was genau das Unternehmen für Sie so attraktiv macht. Die genannten Punkte sollten wirklich zum jeweiligen Unternehmen passen und sich ganz konkret in der Stellenausschreibung oder dem Internetauftritt des Unternehmens wiederfinden lassen. Weitere allgemeine und austauschbare Formulierungen machen Ihr Anschreiben nicht glaubhaft.

  • Vergleichende Ausdrücke

    Gezielt eingesetzte Beispiele sind sinnvoll und wichtig, Vorsicht jedoch mit Vergleichen. Formulierungen wie „im Gegensatz zu meinen Kollegen“ oder „als einer der wenigen Mitarbeiter“ sind manchmal sehr verlockend und einfach, um eigene Kompetenzen zu präsentieren. Doch solche vergleichenden Formulierungen werfen ein schlechtes Licht auf Sie und lassen Sie alles andere als kollegial wirken. Verkneifen Sie sich solche Phrasen unbedingt.

  • Irreführende Formulierungen

    Der Spruch: „Ich bin nur für das verantwortlich, was ich sage, nicht dafür, was andere verstehen“ gilt bei Anschreiben definitiv nicht. Daher ist die Strategie mancher Bewerber, bewusst viel Interpretationsspielraum im Anschreiben zu lassen, aus unserer Sicht kein sinnvoller Ansatz. Wer bewusst unsauber oder zweideutig formuliert, könnte übertriebene und unrealistische Erwartungen wecken. Diese führen spätestens im Vorstellungsgespräch zu einer herben Enttäuschung – und kosten Sie damit alle Chancen auf den Job.

  • Implizite Kritik

    „Gerne bringe ich meine Kompetenz in Ihrem Unternehmen ein, um die notwendigen Verbesserungen und Fortschritte voranzubringen.“ Dieser Satz stammt aus einem realen Anschreiben und spiegelt einen Ansatz wider, der recht häufig vorkommt. Sicher können Sie Ihrem künftigen Arbeitgeber zeigen, dass Sie sich mit dem Unternehmen befasst haben und bereits Ideen mitbringen. Doch implizite Kritik – und nichts anderes ist der gerade erwähnte Satz – sollten Sie unbedingt vermeiden. Es ist kein guter Start, wenn Sie erst mal durch die Blume sagen, dass die bisher geleistete Arbeit im Unternehmen mangelhaft ist.

  • Superlative und Übertreibungen

    Formulierungen wie „der beste Mitarbeiter“ oder „hervorragende Leistungen“ sind im Anschreiben durchaus kritisch. Selbst wenn Sie diese belegen können, schwingt immer eine Spur Arroganz und Überheblichkeit mit. Außerdem lassen solche Aussagen Zweifel an Ihrer Kritikfähigkeit und Selbstreflexion aufkommen oder – noch schlimmer – wecken viel zu hohe Erwartungen. In jedem Fall sind die potenziellen Konsequenzen nicht positiv für Sie und schmälern Ihre Chancen. Schalten Sie lieber einen Gang runter.

  • Ausschweifende Erklärungen

    Beispiele sind eine gute Möglichkeit, um Ihre Kompetenzen und Stärken darzustellen, ohne diese explizit nennen zu müssen. Das funktioniert nur, wenn Sie Ihre Beispiele kurz und knackig halten und Ihre Kompetenzen daraus eindeutig hervorgehen. Verlieren Sie sich dagegen in ausschweifenden Erklärungen, schläft dem Personaler dabei nicht nur das Gesicht ein, Sie haben auch keinen Platz mehr für andere wichtige Aspekte. Kommen Sie im Anschreiben daher zügig auf den Punkt.

  • Rhetorische Fragen

    Dieser Punkt bedarf wohl keiner Erklärung, oder? Diese rhetorische Frage macht deutlich, wie unangenehm das Stilmittel wirken kann. Denn die implizite Botschaft der rhetorischen Frage ist fast immer: Das ist jetzt so klar und eindeutig, dass wirklich jeder es wissen und verstehen müsste. Doch was, wenn dem Personaler nicht sofort klar ist, worauf Sie hinauswollen? Genau, dann vermitteln Sie ihm mit Ihrer rhetorischen Frage das Gefühl, etwas beschränkt oder unwissend zu sein. Wollen Sie das wirklich sagen?

  • Unbelegtes Eigenlob

    Ihr Anschreiben und Ihre gesamte Bewerbung sind natürlich die Gelegenheit, um sich optimal in Szene zu setzen und sich selbst auch ein wenig zu loben. Achten Sie jedoch unbedingt darauf, jegliches Eigenlob erstens mit konkreten Beispiele zu verbinden und es zweitens auch durch Zeugnisse und andere Referenzen zu belegen. Anderenfalls wirken Sie wenig authentisch.

  • Selbstverständliche Allgemeinplätze

    Nahezu jeder Arbeitsplatz erfordert Kommunikationsfähigkeit, Belastbarkeit, engagiertes und eigenverantwortliches Arbeiten – schließlich werden Sie dafür bezahlt, sich und Ihr Wissen einzubringen und nicht nur die Zeit abzusitzen. Formulierungen wie „ich bin eigenverantwortliches Arbeiten gewohnt“, „ich bin kommunikativ und belastbar“ oder auch „mit mir gewinnen Sie einen engagierten Mitarbeiter“ sind Allgemeinplätze, die vorausgesetzt werden. Belegen Sie diese Eigenschaften – etwa so: „Während der Umbauphase organisierte ich in Absprache mit dem Vorgesetzten Ausweichmöglichkeiten für das gesamte Team“.

  • Abschwächende Formulierungen

    Ein Klassiker unter den Floskeln ist diese Formulierung: „Ich würde mich über ein Vorstellungsgespräch freuen.“ Der Sinn dahinter ist klar, im Deutschen wird mit Konjunktivformulierungen Höflichkeit signalisiert. Und der Bewerber möchte natürlich nicht als vermessen, sondern als höflich wahrgenommen werden. Leider bergen Konjunktive immer die Gefahr, dass Sie wenig selbstbewusst wirken, denn er nimmt die Stärke und Bestimmtheit aus einer Formulierung. Dabei ist doch klar: Wenn Sie eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhalten, dann freuen Sie sich ganz bestimmt sogar! Eine ganz ähnliche Wirkung haben daher auch Adverbien und Formulierungen wie eigentlich, eventuell, möglicherweise, vielleicht, unter Umständen, ziemlich.

Fakten statt Floskeln: Belegen Sie Kompetenzen durch Beispiele!

Bullshit-Bingo: Alles außer TeamfähigWährend der Lebenslauf eine sachlich-nüchterne Dokumentation Ihres bisherigen Werdegangs darstellt, haben Sie im Anschreiben die Chance, mit hoher Motivation und Ihrer Persönlichkeit zu glänzen.

Das kann unmöglich gelingen, indem Sie nur Worthülsen verschießen und leere Aussagen über sich treffen. Der wesentliche Trick für ein gelungenes Anschreiben ist, die jeweiligen Attribute, Kompetenzen und Fähigkeiten durch plastische Beispiele (indirekt) zu belegen.

Ein paar Anregungen:

  • Statt zu schreiben…

    Wie Sie meinem Lebenslauf entnehmen können, zeichne ich mich durch hohe Teamfähigkeit und Zielorientierung aus…

    Wählen Sie eine Formulierung wie…

    Als Projektverantwortlicher konnte ich mein Team dazu motivieren, das Ergebnis fünf Tage vor dem Abgabetermin zu erreichen. Dafür wurden wir sogar ausgezeichnet.

  • Statt zu schreiben…

    Aufgrund meiner Flexibilität bin ich in der Lage, mich optimal in Ihre Firmenkultur zu integrieren.

    Wählen Sie eine Formulierung wie…

    Als ich in der Stellenanzeige las, dass Sie jemanden mit Flexibilität suchen, erinnerte ich mich sofort an die Situation, als mir mein Chef zehn Minuten vor Beginn eines Kundenmeetings eine SMS schickte, mit der Bitte, eine kurze Präsentation zu meinem Projekt XY zu halten…

Sie merken natürlich, worauf das hinausläuft: Statt einfach nur Soft Skills und angebliche Fähigkeiten langweilig aufzulisten, erzählen Sie – reflektorisch oder episodisch – eine Mini-Geschichte oder Anekdote. So wird aus der bloßen Behauptung ein konkreter und erlebter Fakt.

Ziel des Anschreibens ist es, sich durch eigene und gerne auch ungewöhnliche Formulierungen von den Mitbewerbern abzuheben. Seien Sie dabei ruhig mutig. Das fällt sofort ins Auge und wird (fast) immer belohnt – eben weil sich Personaler bei der üblichen Lektüre so oft langweilen.

Je persönlicher Sie den Bewerbungstext schreiben, je konkreter Sie formulieren und je relevanter die enthaltenen Informationen sind, desto höher die Aussagekraft der Bewerbung – und desto besser Ihre Chancen auf den Job.

Floskeln in der Bewerbung machen eben nie neugierig auf den Kandidaten – Kreativität und Abwechslung schon.

Ohne Floskeln: Vier Tipps für eine bessere Bewerbung

Aufmerksame Leser oder Zuhörer werden inhaltsleere Aussagen immer als das entlarven, was sie sind: Blabla. Personaler sind darin geübt, Worthülsen zu erkennen.

Um eine Topbewerbung zu verfassen, sollten Sie inhaltlich diese Punkte beachten:

  • Individualität

    Überzeugen Sie den Arbeitgeber von Ihrer Persönlichkeit. Werden Sie kreativ und trauen Sie sich, selbstbewusst zu formulieren, ein wenig aufpolieren ist immer erlaubt, solange Sie bei der Wahrheit bleiben. Wer seine Stärken und Schwächen gut analysiert hat, kann umso überzeugender den eigenen Beitrag für das Unternehmen herausstellen. Denn darum geht es: Ihre Bewerbung muss auf das Unternehmen zugeschnitten sein.

  • Recherche

    Individualität gilt bitte nicht nur für das maßgeschneiderte Anschreiben, sondern auch im Hinblick auf den Adressaten. Vermeiden Sie unbedingt ein unpersönliches Anschreiben mit „sehr geehrte Damen und Herren“. Sollte der Ansprechpartner nicht direkt in der Stellenanzeige genannt sein, sollten Sie recherchieren – erst recht, wenn Sie eine Initiativbewerbung verfassen. Hier empfiehlt es sich, die Bewerbung nicht einfach an die Personalabteilung zu schicken. Finden Sie stattdessen lieber den potenziellen Vorgesetzten des Fachbereichs heraus.

  • Synonyme

    Um Floskeln in der Bewerbung zu vermeiden, sollten Sie Ihre Ausdrucksweise stärker variieren. Viele lieb gewonnenen Wörter haben Synonyme, mit denen Sie das Gleiche aussagen können ohne in typische Sprachmuster zu verfallen. Statt Teamfähigkeit könnten Sie beispielsweise Kooperationswillen, statt Engagement Einsatzbereitschaft sagen.

  • Arbeitgeberperspektive

    Unvorteilhaft sind Formulierungen, die eine egozentrische Perspektive haben: „Ich möchte mich gerne weiterentwickeln“ – das ist schön für Sie, aber was hat der Arbeitgeber davon? Ihr Ziel muss es sein, das Anschreiben so zu formulieren, dass der Arbeitgeber den Eindruck einer Win-win-Situation hat.

Formulierungshilfe und Lebenslauf-Service

Bewerbung Formulierung BewerbungsschreibenKonkrete Tipps und Beispiele, wie Sie Ihre Bewerbung schreiben und formulieren können, finden Sie speziell in diesen Dossiers:

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Personaler-Floskeln: Denken Sie an das Employer Branding!

Schon oft haben wir darüber geschrieben, was Bewerber im Vorstellungsgespräch alles beachten sollten. Denn leider kommt es regelmäßig vor, dass Kandidaten unvorbereitet zum Jobinterview erscheinen und weder durch Ihre Selbstpräsentation punkten, noch durch clevere Rückfragen.

Umgekehrt sieht das aber nicht immer besser aus: Der Personaler kommt zu spät, kennt nicht mal den Lebenslauf und bombardiert den Kandidaten obendrein mit abgedroschenen Floskeln. Das hinterlässt nicht nur einen schlechten Eindruck, sondern auch den schalen Beigeschmack eines öden Arbeitgebers.

Sicher, eine Floskel hier und da rutscht jedem mal über die Lippen. Das ist noch kein Beinbruch. Eine massive Häufung aber regt zu Rückschlüssen an, insbesondere wenn auch sonst im Umgang mit Bewerbern Wertschätzung und Respekt fehlen.

Daher schadet es nicht, sich ab und an selbstkritisch zu hinterfragen, ob man nicht nach zwoundtröflzighundert geführten Bewerbungsgesprächen so routiniert ist, dass man nur noch ein Phrasenprogramm abspult.

Bewerber bemerken das durchaus – und tragen diese Erfahrungen womöglich ins Internet, wo sie Teil des Employer Brandings werden. Unnötig.

Weil Floskeln im Vorstellungsgespräch auch sonst die Atmosphäre mitprägen, hier ein paar Anregungen, welche verzichtbar sein könnten und sollten…

19 fiese Floskeln, die Personaler vermeiden sollten

  1. Wie Sie bereits wissen… Warum fragen Sie nicht nach, ob der Bewerber sich informiert hat? Und wenn es Allgemeinwissen ist, warum fragen Sie dann indirekt nach?
  2. Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen… Was Sie aber vermutlich im nächsten Atemzug tun werden. Wenn Ihnen das klar ist, warum verzichten Sie dann nicht einfach darauf?
  3. Das ist jetzt nicht persönlich gemeint, aber… Doch, genau das ist es, sonst würde man es nicht so einleiten. Muss so etwas im Vorstellungsgespräch wirklich sein?
  4. Auch wenn die Frage vielleicht etwas zu weit geht… Vielleicht? Wenn Sie diese so einleiten, wissen Sie das doch. Dann sollte man die Frage aber auch nicht stellen.
  5. Ohne Ihren Lebenslauf zu kennen… Und worauf basiert das Bewerbungsgespräch dann? Es ist grob unhöflich und respektlos, sich selbst nicht vorzubereiten.
  6. Ich sehe gerade in Ihrer Bewerbung, das… Jetzt erst? Oha, da ist wohl jemand auf das Gespräch vorbereitet?!
  7. Ehrlich gesagt, bezweifle ich… Danke für Ihre Ehrlichkeit. Die Anmoderation nährt natürlich den Zweifel, ob das bisher Gesagte weniger ehrlich war.
  8. Offen gestanden… Endlich: Raus damit! Also war der Rest des Gespräch alles andere als offen? Schade, um die Zeit…
  9. Ich persönlich glaube ja… Gilt das auch für das Unternehmen oder ist das nur persönliche Meinung? Ist letztere für das Vorstellungsgespräch tatsächlich relevant oder nur Eitelkeit?
  10. Auch wenn es für Sie vermutlich kein Problem ist… Eine rein rhetorische Frage. Was, wenn es doch ein Problem ist? Höflicher wäre, danach zu fragen?
  11. Wer bei uns arbeiten will, muss natürlich… Klingt empathisch, ist es aber nicht. Denn dahinter steckt der Zweifel, ob der Bewerber bei Ihnen arbeiten will.
  12. Es versteht sich wohl von selbst, dass… Wenn es so ist, muss man es nicht betonen. Ansonsten ist das eine Belehrung – und damit kein Gespräch auf Augenhöhe.
  13. Sie wissen ja, wie das ist… Nein, weiß der Bewerber nicht. Er ist ja kein Personaler und kennt das Unternehmen auch noch nicht. Aber es wäre nett, wenn Sie ihm dazu alles erzählen.
  14. Unsere Geschäftsführung legt Wert darauf… Klingt ein bisschen nach Distanzierung und einer Das-ist-nicht-meine-Entscheidung-Haltung. Das wirft kein gutes Licht auf die Unternehmenskultur.
  15. Vielleicht können Sie sich vorstellen… Vielleicht – vielleicht auch nicht. Die Frage lässt sich doch auch ganz einfach stellen: Können Sie sich vorstellen…?
  16. Eigentlich passen Sie sehr gut zu uns… Und uneigentlich? Wo bleibt das große Aber?
  17. Persönlich kann ich Sie mir gut für die Stelle vorstellen… Klingt toll. Aber ist diese Meinung nun relevant oder nicht? Für sich genommen, ist das eine nutzlose Information.
  18. Wenn ich mir die Frage erlauben darf… Wenn Sie schon selbst Zweifel an deren Rechtmäßigkeit haben und um Erlaubnis bitten müssen, ist es vermutlich keine kluge Frage.
  19. Lassen Sie mich Ihnen zuerst sagen… So beginnt in der Regel eine sogenannte Sandwich-Kritik: Erst loben, dann kommt die Schelte. Kein guter Umgang.
[Bildnachweis: Taralej.info]

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29. August 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Taralej. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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