Managereigenschaften: Was zählt beim Aufstieg?

Die Anforderungen an Führungspersonal sind hoch. Neben meist langjähriger Erfahrung und Erfolgen sind es vor allem Managereigenschaften, die erwartet und gezielt gesucht werden. Stellt sich jedoch die Frage, was sich hinter den oft thematisierten Managereigenschaften verbirgt. Oder anders gefragt: Wie werden Sie ein guter Manager und auf welche Eigenschaften und Kompetenzen sollten Sie sich besonders konzentrieren, um für die Aufgaben und Herausforderungen einer gehobenen Position gewappnet zu sein? Unternehmen legen die Gewichtung dabei teils individuell, dennoch gibt es grundsätzliche Managereigenschaften, mit denen angehende Führungskräfte überall punkten können. Auf diese Managereigenschaften kommt es an…

Managereigenschaften: Was zählt beim Aufstieg?

Managereigenschaften: Hohe Position, andere Prioritäten

Tatsächlich verändern sich nicht nur die Anforderungen an Führungskräfte im Verlauf der Karriere. Auch die Gewichtung der Eigenschaften, die die Manager letztlich reüssieren lassen, verschiebt sich beim Aufstieg. Eine Rolle spielt dabei nicht nur der Grad der (personellen) Verantwortung, sondern auch die konzeptionell-strategischen Herausforderungen des Führens.

Das folgende Schema stellt dies – zugegebenermaßen stark vereinfacht – dar:

Managereigenschaften Fuehrungskraft Liste Studie Faehigkeiten Aufgaben

So zeigt sich daran etwa, wie die interpersonellen Kompetenzen (zum Beispiel Teamfähigkeit, Kritikfähigkeit, Motivation, emotionale Intelligenz) auf allen Ebenen mehr oder weniger gleich stark gefragt sind. Was sich aber verschiebt ist der Grad der erforderlichen Spezialisierung, beziehungsweise der Umfang konzeptioneller Arbeit: Je weiter ein Mitarbeiter aufsteigt, desto konzeptioneller und generalistischer wird sein Job.

Managereigenschaften: Liste wichtiger Fähigkeiten

Zum Manager müssen Sie nicht zwangsläufig geboren sein. Natürlich hilft es, wenn Sie die richtige Persönlichkeit mitbringen und bereits über eigene Kompetenzen und Fähigkeiten verfügen, doch zahlreiche Managereigenschaften lassen sich lernen oder mit der Zeit trainieren und stärken.

In der folgenden Liste haben wir 15 wichtige Managereigenschaften zusammengefasst, die Sie benötigen und an denen Sie arbeiten sollten, wenn Sie auf der Karriereleiter ganz nach oben wollen:

  • Verantwortungsbewusstsein

    Die Leitung eines Projekts, eines Teams, einer Abteilung oder eines ganzen Unternehmens. Je höher die Position, desto wichtiger das Verantwortungsbewusstsein. Vorgesetzte tragen nicht nur die Verantwortung für gute Ergebnisse, sondern müssen ebenso für Fehler gerade stehen. Auf einem solchen Posten dürfen Sie sich nicht verstecken oder hoffen, dass Sie unauffällig bleiben.

  • Empathie

    Vorgesetzte führen und leiten Mitarbeiter – dazu braucht es ein hohes Maß an Empathie. Nur wer in der Lage ist, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, deren Situation versteht und bereit ist, auf individuelle Probleme und Bedürfnisse einzugehen, kann verschiedene Persönlichkeiten erfolgreich führen. Gerade in jungen und modernen Unternehmen wird diese menschliche Seite der Managereigenschaften als besonders wichtig erachtet.

  • Organisationstalent

    Manager müssen alle Baustellen im Blick haben, sollten wissen, was gerade überall vor sich geht und wie der aktuelle Stand der Dinge aussieht. Ohne ein ausgeprägtes Organisationstalent ist das kaum möglich. Chaos und Durcheinander sind Garanten für Fehler und vergessene Aufgaben. Dabei gilt die Fähigkeit zur Organisation unter starkem Druck und bei großem Stress als besondere Managereigenschaft.

  • Entscheidungsfreude

    Mit der Führungsposition kommt die Aufgabe, wichtige Entscheidungen zu treffen. Wo liegen die Prioritäten? Welchen Kurs schlägt die Abteilung oder das Unternehmen ein? Wozu sagen Sie Ja? Wo bleibt es bei einem Nein? Mangelt es Managern an Entscheidungsfreude, geraten Projekte, Abläufe und Entwicklungen ins Stocken. Statt zum Erfolg kommt es dann zum Stillstand.

  • Flexibilität

    Planung und Organisation sind der eine Teil, doch lässt sich nicht alles im Vorfeld planen, festlegen und vorhersagen. Um auf unerwartete Entwicklungen oder kurzfristige Änderungen reagieren zu können, ist Flexibilität eine grundlegende Managereigenschaft. Schnelle Anpassungsfähigkeit ist unerlässlich, um in einem wirtschaftlichen Umfeld, dass sich jederzeit verändern kann, erfolgreich zu bleiben.

  • Analytisches Denken

    Situationen einschätzen, Probleme erfassen, alle Faktoren berücksichtigen, die richtigen Schlüsse ziehen und Lösungswege entwickeln – analytisches Denken ist eine der Hauptaufgaben in der Managementebene. Dies gilt im kleinen Rahmen, wenn tägliche Prozesse verbessert werden sollen, aber ebenso im großen Kontext bei der Strategiefindung für Unternehmen und Konzerne.

  • Kreativität

    Zahlreiche Chancen und Potenziale können erst entdeckt werden, wenn nicht nur die bekannten Wege genutzt, sondern neue, innovative und kreative Optionen in Betracht gezogen werden. Ein gewisses Maß an Kreativität sowie der Mut und die Bereitschaft, dieser zu folgen, sind deshalb gefragte Managereigenschaften.

  • Vertrauen

    Diese Managereigenschaft wird gleich doppelt benötigt. Zum einen brauchen Sie das nötige Selbstvertrauen, um sich den Herausforderungen zu stellen und daran zu glauben, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Gleichermaßen müssen Sie Ihren Mitarbeitern vertrauen und sich darauf verlassen, dass diese motiviert und engagiert arbeiten, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Fehlt das Vertrauen, wird aus einer Führungsposition eine reine Kontrollinstanz.

  • Delegieren

    Eng damit verbunden ist die Fähigkeit zum Delegieren. Sie können nicht jede Aufgabe selbst erledigen oder sich vom Mitarbeiter im Detail aufzeigen lassen, wie dieser seiner Arbeit nachkommt. Manager müssen delegieren können, um Fähigkeiten und Ressourcen optimal einzusetzen. Wer dazu nicht in der Lage ist, sorgt für Probleme, anstatt Lösungen zu bringen.

  • Durchsetzungsvermögen

    Die Arbeit und Aufgaben einer Führungskraft sind nicht immer leicht und angenehm. Es gehört auch dazu, sich durchzusetzen oder unliebsame Entscheidungen zu treffen, die der Belegschaft gegenüber vertreten werden müssen. Das gelingt mit dem nötigen Durchsetzungsvermögen, um bei Widerworten oder Gegenwind nicht gleich einzuknicken und die Richtung zu ändern.

  • Eigeninitiative

    Als Chef können Sie nicht darauf warten, dass Ihnen jemand sagt, was zu tun ist. Sie müssen mit der nötigen Eigeninitiative voran gehen, Ideen entwickeln, Projekte entwerfen und Innovationen entwickeln. Gleichzeitig werden Sie so zum Vorbild für Mitarbeiter und leben vor, was Sie von diesen ebenfalls erwarten.

  • Belastbarkeit

    Druck und Stress sind in hohen Führungspositionen ständige Begleiter. Die Erwartungen sind enorm, anhaltende Fehler oder schlechte Entwicklungen werden nur selten toleriert. Um in einem solchen Umfeld erfolgreich arbeiten zu können, braucht es ein dickes Fell und große Belastbarkeit. Ohne diese Managereigenschaft droht das Risiko, dass Sie dem Stress schutzlos ausgeliefert sind und zunehmend darunter leiden.

  • Frustrationstoleranz

    Bei den heute schnell wechselnden Wettbewerbern, Konjunkturlagen und Medieneinschätzungen müssen Top-Manager mit einer guten Portion Frustrationstoleranz ausgestattet sein. Unzählige Dinge können schief gehen, Krisen können das Unternehmen erschüttern und Fehltritte werden zum Teil öffentlich breitgetreten. Zusätzlich zur Belastbarkeit müssen Sie mit solchem Frust umgehen können.

  • Ehrgeiz

    Manche Mitarbeiter werden aufgrund von guten Leistungen befördert, bringen aber nicht den Ehrgeiz und Wunsch mit, in einer solch hohen Position zu arbeiten. Stattdessen werden sie unglücklich und suchen sich irgendwann einen anderen Job. Eine wichtige Managereigenschaft ist deshalb der nötige Ehrgeiz, um es weit nach oben zu bringen – aber natürlich auch das Verständnis, wie sich die eigene Arbeit dadurch verändern kann.

  • Kommunikationsfähigkeit

    Als eine der wichtigsten Managereigenschaften gilt die Kommunikationsfähigkeit, die im Grunde mehrere Kompetenzen vereint: Rhetorische Fähigkeiten, aktives Zuhören, offener Austausch sowie den Willen, die Kommunikation zu stärken und in den Fokus zu rücken. Ein Vorgesetzter, der offen und regelmäßig kommuniziert, ist langfristig erfolgreicher, sorgt für mehr Zufriedenheit beim Team und wird gleichzeitig eher respektiert und für seine Arbeit geschätzt.

An diesen sechs Anzeichen erkennen Mitarbeiter, dass der Boss Sie schätzt

Managereigenschaften Fähigkeiten Führungskräfte KompetenzenZur Kommunikationsfähigkeit als Managereigenschaft zählen ebenfalls Lob, Anerkennung und Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern. Ob und wie sehr ein Vorgesetzter seine Mitarbeiter schätzt, ist für diese nämlich gar nicht so leicht nachzuvollziehen, wenn die Kommunikation fehlt.

Leider nutzen zu wenige Chefs die vielen Gelegenheiten, um ihrem Team für gute Leistungen und Ergebnisse zu danken und zu betonen, dass sie die Mühen nicht für selbstverständlich halten, sondern sehr zu schätzen wissen, wie sich jeder einzelne ins Zeug gelegt hat. Doch auch wenn Ihr Chef seine Wertschätzung nicht mit direkten Worten zum Ausdruck bringt, gibt es einige Anzeichen, an denen Sie erkennen können, dass Ihr Boss Sie schätzt:

  1. Sie erhalten regelmäßiges Feedback

    Kaum etwas ist im Job so frustrierend, wie vom Chef ignoriert zu werden und kein Feedback zu den eigenen Leistungen zu erhalten. Schnell entsteht der Eindruck, die eigene Arbeit wäre vollkommen unsinnig, die Motivation geht verloren und auch der Spaß an der eigenen Tätigkeit bleibt auf der Strecke.

    Erhalten Sie hingegen regelmäßiges und auch fundiertes Feedback, ist dies ein deutliches Zeichen, dass Ihr Boss Sie schätzt. Er sieht Ihre Leistungen, erkennt die Erfolge an und will, dass Sie davon erfahren. Dazu gehören aber auch Kritik und negative Rückmeldungen. Auch diese zeigen, dass der Chef Sie schätzt und dass er will, dass Sie noch besser werden, anstatt sich auf dem bereits erreichten Status auszuruhen.

  2. Sie werden nach Ihrer Meinung gefragt

    Vorgesetzte müssen viele und auch wichtige Entscheidungen treffen, die teilweise über Erfolg und Misserfolg von Projekten entscheiden können. Einige davon werden hinter verschlossenen Türen im Büro getroffen, doch für andere benötigt es zunächst den Input von wichtigen Mitarbeitern, die sich auskennen, die über Möglichkeiten und Chancen Bescheid wissen und eine Einschätzung abgeben können.

    Kommt der Chef in diesen Momenten zu Ihnen und fragt danach, wie Sie die Situation beurteilen, ist es ein Zeichen von großer Wertschätzung. Er vertraut nicht nur Ihren fachlichen Kompetenzen, sondern glaubt auch daran, dass Sie einen guten und verlässlichen Rat geben können, der ihm in einer schwierigen Situation helfen kann.

  3. Ihnen wird Verantwortung übertragen

    Die Betreuung eines wichtigen Kunden, ein großes Projekt, dass unbedingt ein Erfolg werden muss oder auch die Verantwortung für die Arbeit eines kleinen Teams – je wichtiger die Aufgaben werden, die Sie übernehmen und je größer die damit verbundene Verantwortung ist, desto mehr zeigt sich, dass Ihr Boss Sie als wichtigen Mitarbeiter schätzt, dem er eine Menge zutraut.

    An die Verantwortung sind allerdings immer auch gewisse Anforderungen und Erwartungen geknüpft, die durchaus zu mehr Stress und Druck am Arbeitsplatz führen können. Sind Sie aber mit der Ihnen übertragenden Rolle erfolgreich und überzeugen den Chef noch weiter, stehen Ihnen viele berufliche Türen offen.

  4. Die Kollegen sollen sich an Sie wenden

    In den meisten Fällen geht man mit Fragen oder Problemen zum Chef, um sich Rat zu holen oder die eigenen Entscheidungen durchzusprechen. So erhält man nicht nur eine zweite Meinung, sondern sichert sein Handeln auch bereits im Vorfeld ab. Der Chef weiß, wie man auf ein Problem reagieren möchte und hat das Vorgehen abgesegnet, was den Druck von den Schultern nimmt.

    Schickt der Chef die Kollegen mit solchen Anliegen zu Ihnen, schätzt er Sie sehr. Er verlässt sich voll und ganz auf Ihr Urteil und weiß, dass Sie den Kollegen genauso gut helfen können, wie er selbst. Vielleicht bereitet er Sie so auch schon auf eine höhere Position vor, damit Sie sich an die damit verbundenen Aufgaben gewöhnen können.

  5. Sie werden vor Herausforderungen gestellt

    Manchmal wirkt es eher wie eine Schikane, wenn man im Job immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt wird, tatsächlich kann es aber auch ein Zeichen der Wertschätzung Ihres Chefs sein. Er glaubt daran, dass Sie die Hürden überwinden können, daran wachsen und so noch besser werden, als Sie ohnehin schon sind. Vielleicht sind Sie auch der einzige im Team, dem der Chef zutraut, eine Lösung für das Problem zu finden.

    Solche Herausforderungen können kräftezehrend sein, doch lohnt es sich, durchzuhalten. Mit jedem Stein, den Sie aus dem Weg räumen, lernen Sie etwas Neues dazu, werden stärker und können besser mit Hindernissen und Rückschlägen umgehen.

  6. Der Chef erkundigt sich nach Ihnen

    Ein Hallo, wie geht’s Ihnen? gehört im Beruf ohnehin zum guten Ton – sowohl unter Kollegen als auch vom Chef. Geht der Vorgesetzte aber darüber hinaus und erkundigt sich, ob Sie zufrieden sind oder ob es Probleme gibt, bei denen er Ihnen behilflich sein kann, kann dies ein Zeichen sein, dass er Sie als Mitarbeiter und auch als Person besonders schätzt.

    Viele Führungskräfte erkennen ihre wichtigsten Mitarbeiter und wollen diese aus guten Gründen ans Unternehmen binden. Schließlich sind gerade diese Arbeitnehmer maßgeblich am Erfolg beteiligt. Wer zufrieden ist und sich gut behandelt fühlt, entwickelt mehr Loyalität zu seinem Arbeitgeber und bringt auch bessere Leistungen.

Interview: Vorstand mit gerade einmal 19 Jahren

Beim Vorstand denkt man zunächst nicht unbedingt an einen 19-Jährigen, sondern eher an eine ältere Generation. Dass es trotzdem funktionieren kann, zeigt Jan Thurau, der bereits im Alter von 16 Jahren einen Online-Lieferdienst aufbaute und mit 19 zum Chief Technology Officer (CTO) der Schweizer Knip AG mit Sitz in Zürich berufen wurde. Wir haben mit Jan Thurau gesprochen und gefragt, wie er es in diesem jungen Alter bis in diese Position geschafft hat.

Herr Thurau, Sie haben schon mit 16 Jahren als Hauptentwickler den Online-Versand Delinero mitaufgebaut. Wie sind Sie damals zu der Stelle gekommen?

 
Ich habe bereits früh angefangen, mit Programmiersprachen zu experimentieren. Mit elf Jahren trat ich der Webdesign-AG meiner Realschule in Neu-Wulmstorf bei Hamburg bei. Dort habe ich gemerkt, was alles möglich ist. Seitdem hat mich das Programmieren nicht mehr losgelassen. Zu Delinero kam ich über Umwege: Ich hatte eine Ausbildung als Wirtschaftsinformatiker begonnen, was leider nicht so spannend war, weil ich ja vieles bereits gelernt hatte. Dann entdeckte ich eine Stelle, die mich interessierte: Der Hamburger Investor TruVenturo suchte einen Auszubildenden für den Beruf des Fachinformatikers für Anwendungsentwicklung. Ich habe mich beworben und bekam den Job. Von einem Tag auf den anderen wechselte ich zu TruVenturo. Die haben zu der Zeit am Onlineportal Delinero gearbeitet, sodass ich dort direkt eingestiegen bin.
 

Danach sind Sie von der Knip AG direkt als Head of IT angeheuert worden oder wie lief das?

Bei Knip war ich eigentlich von Anfang an über Ecken an Entwicklungsprojekten beteiligt. Als ich dann mit der Ausbildung fertig war, machte mir Dennis Just, der Gründer und CEO der Knip AG, das Angebot, nach Berlin zu kommen und mich ganz einzubinden. Bei uns stimmte die Chemie von Anfang an und die Entwicklungsmöglichkeiten waren vielversprechend, sodass es für mich eine schnelle Entscheidung war.

Haben Sie eigentlich Abitur machen können, wenn Sie mit 16 schon Vollzeit gearbeitet haben?

 
Ich habe das Fachabitur nebenbei gemacht. Kurz nach meinem Wechsel als Head of IT zu Knip hatte ich die Abschlussprüfungen. Dadurch hatte ich etwas weniger Freizeit, aber, wie gesagt, ich interessiere mich ja sehr für die Materie und es war mir wichtig, die Möglichkeit zu haben, später eine Universität besuchen zu können.

Und warum bietet ein Unternehmen einem 19-Jährigen so schnell einen Platz im Vorstand an?

 
Ich verbringe viel Zeit mit dem Thema Technologien. Ich probiere viel aus und bin wahrscheinlich ein typischer Digital Native. Deshalb fällt es mir leicht, mich in technische Probleme reinzudenken und eine Lösungen zu erarbeiten. Das ist natürlich von Vorteil, weil ich sehr eins bin mit meinem Beruf. Zweiter Faktor ist sicher, dass ich das Produkt sehr genau kenne, weil ich quasi alles mit entwickelt habe.

Gibt es wirklich gar keine Akzeptanzprobleme wegen Ihres Alters – nach innen oder nach außen?

Nein. Bei Knip, aber auch bei Startups im Allgemeinen, kommt es sehr auf die Performance einer Person an – nicht auf das Alter oder den Abschluss. Ich bin ja schon vergleichsweise lange im Beruf und durfte bei Knip wachsen, genauso, wie auch das Unternehmen gewachsen ist und der Markt. Bei Bewerbern achte ich logischerweise selbst wenig auf das Alter oder Abschlüsse, die mit Noten auf einem Papier stehen. Lieber gebe ich den Kandidaten eine Testaufgabe, erwähne ein paar Probleme und lasse mir Lösungen vorstellen. Daran sehe ich, wie jemand denkt und handelt.

Nun sind Sie also Vorstand. Was erwarten Sie sich persönlich denn von Ihrer neuen Tätigkeit?

 
Knip ist Marktführer und unser Ziel ist es, unsere Position auszubauen. Dafür brauchen wir Wachstum in zwei Dimensionen: Quantitativ und qualitativ. Also mehr Kunden, die noch mehr Interaktion mit der Marke Knip haben. Wie können wir auf diese Ziele technologisch einzahlen? Wir werden weitere neue Features für die Knip-App entwickeln. Gerade haben wir den Release für den Policen-Upload und die Schadensmeldung per App präsentiert. Das ist etwas völlig Neues in der Versicherungswelt. Denn damit können die User ihre Versicherungen digitalisieren und im mobilen Versicherungsordner hochladen. Auch kann man mit Knip nun einen Schaden per Foto an seine Versicherung melden. Im Ergebnis verbessern wir damit prozessual auch den Automatisierungsgrad und ermöglichen dem Kunden mit den Features, mehr mit der App selbst zu erledigen. Denn das ist eine der wichtigsten Aufgaben: Als technologiebasiertes FinTech-Unternehmen musst du einen so individuellen Service wie möglich bei denkbar größter Automatisierung ermöglichen. Die Lösung liegt in der Kombination aus der von uns entwickelten Technologie und der persönlichen Beratung. Denn hier arbeiten Versicherungsexperten, mit denen die Verbraucher persönlich chatten oder telefonieren können. Stärken wir beide Facetten, dann wird Knip noch unverwechselbarer und das Ergebnis heißt Kundenbegeisterung.

Und wie stellen Sie sich Ihre persönliche Zukunft vor? Anders gefragt: Welche beruflichen Ziele hat man noch, wenn man mit 19 schon Vorstandsmitglied ist?

Bei Knip fühle ich mich sehr wohl. Es ist technologisch unglaublich spannend und der ganze Markt ist in Bewegung. In den nächsten Jahren wird sich der Markt vervielfachen, immer mehr Menschen werden Versicherungen digital verwalten. Völlig zu Recht ist daher das Thema FinTech so aktuell: Die Versicherungswelt ist eine der letzten Bastionen der Dienstleistungsgesellschaft, die noch nicht digitalisiert ist. Und genau dort greifen wir an. Mein Ziel ist, dabei meinen Beitrag zu leisten.
 

Träumen Sie nicht auch manchmal vom Studentenleben?

Es wäre schon cool, das mal auszuprobieren. Aber da ich unglaublich viel Spaß an meiner Arbeit habe, denke ich nicht, dass ich etwas verpasse. Klar, in meinem Leben ging vielleicht alles etwas schneller als bei Gleichaltrigen. Mit 13 Jahren habe ich Telefonkonferenzen auf Englisch geführt. Meine Mutter stand an der Treppe und hat gelauscht und sich Sorgen gemacht, ob ich das alles so richtig ist. Heute weiß sie: Mir hat nichts gefehlt, ich habe einfach gemacht, wofür ich brenne.

Herr Thurau, danke für das Gespräch.
[Bildnachweis: imtmphoto by Shutterstock.com]
10. Januar 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Taralej. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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