Gehaltserhöhung nach Probezeit: Was und wie viel geht?

Maximal sechs Monate – so lange dauert die Probezeit. Spätestens danach und beim sogenannten Übernahmegespräch steht fest, ob man festangestellt übernommen wird oder sich nach einem neuen Job umsehen muss. Für viele Berufseinsteiger ist das Ende der Probezeit auch noch mal eine wichtige Zäsur, um das Gehalt nachzuverhandeln. Offenbar hat man seinen Job ja gut gemacht, der Ritterschlag der Festanstellung könnte also ein gutes Argument für eine Gehaltserhöhung nach der Probezeit sein. Aber stimmt das auch – und wie viel lässt sich dabei fordern beziehungsweise heraushandeln? Hier die Antworten…

Gehaltserhöhung nach Probezeit: Was und wie viel geht?

Mehr Gehalt nach der Probezeit: Geht das schon jetzt?

Zunächst einmal die Fakten: Das Gehalt nachzuverhandeln ist nie verboten, sondern Ihr gutes Recht. Wer es hierbei allerdings übertreibt, belastet das Arbeitsverhältnis und wirkt schnell opportunistisch und gierig.

Fakt ist auch: Mit dem Unterzeichnen des Arbeitsvertrags VOR Beginn der Probezeit haben Sie bereits ein Gehalt ausgehandelt – in der Regel ein Jahresgehalt -, das ein wesentlicher Teil jedes Arbeitsvertrages ist (ebenso wie die Probezeit, Arbeitszeiten, Arbeitsort und Urlaubsregelungen). An diese Vereinbarung sind Sie zunächst gebunden, Sie haben Ihr schließlich auch per Unterschrift so zugestimmt.

Da die Probezeit gesetzlich maximal nur ein halbes Jahr dauern darf, ändert sich an dem Jahresgehalt erst einmal gar nichts.

Oder anders formuliert: Wenn Sie nach der Probezeit eine Gehaltserhöhung verhandeln wollen, brauchen Sie im Übernahmegespräch ein paar handfeste Argumente dafür. Das Ende der Probezeit ist aber keines. Die war schließlich schon mit dem bestehenden Arbeitsvertrag verhandelt, eine finanzielle Huldigungen darf man danach also nicht erwarten.

Wurde eine Gehaltserhöhung nach der Probezeit vereinbart?

Gehaltserhöhung nach Probezeit bereits vereinbartAuch das kommt vor: Um die Einstiegs- und Einarbeitungskosten gering zu halten, bieten Arbeitgeber für die Probezeit ein geringeres Einstiegsgehalt an – legen dafür aber im Arbeitsvertrag eine Lohnerhöhung bei erfolgreichem Abschluss der Probephase fest. Zuweilen mit einem Aufschlag von bis zu 10 Prozent.

Ob Sie sich darauf einlassen, hängt natürlich von Ihnen ab. In dem Fall aber können Sie nach der Probezeit keine noch höhere Gehaltserhöhung durchsetzen. Das gelingt Ihnen höchstens noch bei den sogenannten Lohnnebenleistungen, wie etwa vermögenswirksamen Leistungen (falls die noch nicht gezahlt wurden), der betrieblichen Altersvorsorge oder Zusatzversicherungen. Letztere werden oft erst nach der überstandenen Probezeit angeboten, weil es sonst für die Personalabteilungen viel zu umständlich und teuer wäre, diese Policen wieder vorzeitig zu kündigen.

Gute Argumente für eine Gehaltserhöhung nach der Probezeit

Gute Argumente für eine Gehaltserhöhung nach der ProbezeitDer wichtigste Tipp vor jeder Gehaltsverhandlung ist: seinen Marktwert zu kennen.

Das ist leichter gesagt als getan: Nicht nur, weil es innerhalb eines Unternehmens unterschiedliche Gehaltsvereinbarungen gibt, die einen Gehaltsvergleich intransparent machen, sondern auch branchenspezifische Lohnunterschiede und eine starke regionale Differenzen. All das erschwert den Überblick und Gehaltscheck.

Deshalb haben wir für Sie einen neuen kostenlosen Service gestartet: Ihren persönlichen Gehaltsreport. Geordnet nach Branchen, Regionen und Berufserfahrungen bietet Ihnen der Gehaltsreport eine individuelle Orientierung und zeigt Ihnen zugleich die Durchschnittsgehälter je nach Branche, Bundesland oder akademischem Abschluss – alles auf Sie und Ihre Angaben zugeschnitten. Und alles natürlich ganz anonym und kostenlos!

Was die Gehaltsaussichten nach der Probezeit anbelangt und um es kurz zu machen: Erfolgreich werden Sie Ihr Gehalt nur nachverhandeln können, wenn sich an den Rahmenbedingungen, zu denen Ihr Arbeitsvertrag geschlossen wurde, etwas Grundlegendes geändert hat.

Das bedeutet konkret:

  • Arbeitsleistung

    Sie leisten inzwischen wesentlich mehr als seinerzeit besprochen war. Die mit dem Job verbundene Verantwortung ist inzwischen deutlich gestiegen. Ebenso die Anforderungen des Arbeitgebers, Ihre Arbeitszeiten und Überstunden. Leistung, Verantwortung und Mehrarbeit sind die stärksten Argumente für jede Gehaltsverhandlung.

  • Berufsprofil

    Nicht nur Ihre Leistungen sind gestiegen. Auch das jetzige Jobprofil geht weit über den seinerzeit vereinbarten Umfang hinaus. Vielleicht haben Sie als Account Manager vor sechs Monaten begonnen, üben aber inzwischen de facto die Funktion eines Senior Account Managers aus. Im Extrem machen Sie gar einen ganz anderen Job als beim Berufseinstieg. In dem Fall können Sie sogar einen neuen Arbeitsvertrag aushandeln – und natürlich auch eine Gehaltserhöhung.

  • Mehrwert

    Ein weiteres starkes Argument ist der messbare (!) Mehrwert, den Sie schaffen. Insbesondere wenn Sie es geschafft haben, während der Probezeit die vereinbarten Leistungen und Ziele zu übertreffen. Wenn Sie zum Beispiel außergewöhnliche Erfolge, Kosteneinsparungen oder Umsatzsteigerungen nachweisen können, an denen Sie maßgeblich Anteil hatten, bieten Sie dem Arbeitgeber mehr als ursprünglich verhandelt. Wer sich also übertrifft und das dauerhaft sowie einen messbaren Nutzen zum Betriebsergebnis liefert, darf auch mehr verlangen. Umgekehrt: Wer sich gerade mal in die Betriebsabläufe eingefügt und kaum nennenswert Akzente gesetzt hat, wird kaum eine finanzielle Steigerung realisieren können.

Kein gutes Argument hingegen ist, dass man seinen Job bisher gut und erfolgreich gemacht hat. Das darf der Arbeitgeber erwarten. Dafür werden Sie nunmal bezahlt.

Ebenso irrelevant ist, dass man festgestellt hat, sich eingangs unter Wert verkauft zu haben. Letzteres ist schlicht eigenes Verschulden. Wer seine Hausaufgaben beim Einstellungsgespräch nicht gemacht hat, offenbart sich nicht unbedingt als versierter Leistungsträger.

Selbst wenn Sie einem solchen Irrtum erlegen sind, sollten Sie unbedingt und immer ein anderes Argument wählen. Es lässt sie sonst einfach nicht gut aussehen.

Gehaltsverhandlungstipps Psychologie Tricks Mehr Geld

Gehaltserhöhung nach Probezeit: Wie viel kann ich verlangen?

Die Frage nach der Höhe der Gehaltsforderung lässt sich pauschal kaum beantworten. Schließlich ist das abhängig von der tatsächlichen Leistung und dem genauen Jobprofil.

Aufgrund Ihres recherchierten Marktwertes (und unseres Gratis-Gehaltsreports) sollten Sie aber zumindest in der Lage sein, grob einzuschätzen, was Sie maximal verlangen dürfen, ohne überheblich zu wirken und den Bogen zu überspannen.

Als Faustregel und bei wirklich guten Argumenten können das zwischen fünf und zehn Prozent mehr sein. Wobei Sie am Ende Probezeit eher bei fünf als bei zehn Prozent liegen werden.

Größere Gehaltssprünge sind realistisch erst nach zwei bis drei Jahren im Job zu erwarten – oder bei einem Jobwechsel.

Achten Sie bei jeder Nachverhandlung auch darauf, dass Sie weder vorwurfsvoll noch anklagend klingen. Auch Vergleiche mit Kollegen oder gar utopische Forderungen sind tabu. Genauso wie den Eindruck zu vermitteln, Sie hätten die Stelle unterschätzt… Wirkt alles sehr naiv.

Viel entscheidender ist, dass Sie…

  • Ihre bisherigen Leistungen genau auflisten,
  • geschaffenen Mehrwert exakt beziffern,
  • gestiegene Anforderungen belegen können.

Mit Letzterem ist vor allem gemeint, dass es sich dabei nicht nur um freiwillige Mehrarbeit handelt, sondern um ausdrückliche Anweisungen des Chefs oder zwingende Erfordernisse aus dem Job selbst. Ansonsten verpufft das Argument, Motto: „Es zwingt Sie ja keiner dazu.“

Was ebenfalls hilft: Legen Sie schon mit Beginn der Probezeit eine sogenannte Leistungsmappe an. Das folgende Video fasst hierzu alle wichtigen Punkte zusammen:

PS: Noch mehr Ratgeber und Tipps auf Video finden Sie auf Taralej TV. Schauen Sie doch mal rein!

[Bildnachweis: igorstevanovic by Shutterstock.com]
27. April 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Taralej. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



Mehr von der Redaktion und aus dem Netz


Weiter zur Startseite
Нашел в интернете нужный блог на тематику http://plasticsurgery.com.ua.
www.steroid-pharm.com/oxandrolone.html

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Details

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close