Jobangebote beurteilen: Worauf Sie achten sollten

Ein Jobangebot ist das Happy End jeder Bewerbungsphase und Jobsuche. Die Strapazen und der Stress gehören der Vergangenheit an. Was bleibt ist die Freude, einen Personaler und ein Unternehmen überzeugt zu haben. Vor lauter Euphorie sollten Sie aber nicht vergessen, das Jobangebot zu beurteilen. So manche Stelle hat sich im Nachhinein schon als Mogelpackung erwiesen. Drum prüfe, wer sich – zumindest für ein paar Jahre – bindet… – lautet nicht nur ein Bonmot im Ehe-Kontext. Dasselbe gilt auch für Beruf und Karriere. Schauen Sie sich das Jobangebot also genau an, bevor Sie zusagen und einen Arbeitsvertrag unterschreiben. Wir sagen Ihnen, worauf Sie achten sollten…

Jobangebote beurteilen: Worauf Sie achten sollten

Bitte keine vorschnellen Zusagen machen

Je länger und anstrengender der Bewerbungsprozess währt, desto größer die Erleichterung, wenn man eine Zusage bekommt. Diese Erleichterung und Euphorie verleiten aber auch zu Kurzschlusshandlungen.

Bevor Sie irgendetwas unterschreiben: Lesen Sie sich den Arbeitsvertrag bitte genau durch und achten Sie vor allem auf Details, wie…

  • Probezeit: Gibt es eine, wie lange dauert sie?
  • Gehalt: Wofür werden Sie bezahlt, wofür nicht?
  • Arbeitszeiten: Gibt es auch eine Überstunden-Regelung, Freizeitausgleich, Arbeitszeitkonten, Gleitzeit?
  • Arbeitsort: Wo ist Ihr Firmensitz – und ist der ohne Ihre Zustimmung verlegbar?
  • Urlaub: Wie viele Tage haben Sie?

Auch wenn Sie vielleicht einen gewissen Einkommensdruck haben, weil Sie schon längere Zeit arbeitslos sind und das Geld brauchen: Handeln Sie nicht vorschnell und nehmen Sie nicht blind den nächstbesten Job an. Das kann auch nach hinten losgehen.

Zum Beispiel:

  • Wenn Sie merken, dass die Stelle murks ist und Sie vielleicht noch in der Probezeit wieder kündigen, sieht das nicht wirklich gut aus im Lebenslauf. Schon gar nicht, wenn es bereits das zweite Mal war.
  • Oder aber Sie registrieren, dass Sie ausgebeutet werden, zu viel Arbeit haben, die auch noch schlecht bezahlt wird. Klar, auch hier können Sie kündigen (siehe erster Punkt), oder aber weiterleiden und sich neu bewerben – und das kostet wieder nur neue Zeit.

Nicht zuletzt denken Sie daran: Sich aus einer schlechten Stelle und Position heraus zu bewerben ist deutlich schwieriger, weil im Zweifel das bisherige Gehalt als Referenz genommen wird, ebenso wie die bisherige Tätigkeit und Verantwortung.

Oder anders formuliert:

Ein Jobangebot ist erst dann eine Chance und ein Karriereschritt, wenn die Rahmenbedingungen zu Ihren Plänen passen.

Kurzum: Eine zweitklassige Stelle kann den weiteren Aufstieg blockieren oder zumindest bremsen. Eine vorschnelle (blinde) Entscheidung kann also durchaus langfristige Folgen haben.

Ein Jobangebot ist eben nur das: ein Angebot. Das sollten Sie daher genau prüfen, beurteilen – und bei berechtigtem Zweifel auch ablehnen.

Jobangebot beurteilen: Diese Punkte sollten Sie beachten

So wie Unternehmen sich genau überlegen, welche Bewerber eingeladen und eingestellt werden, so sollten auch Arbeitnehmer ein Jobangebot auf den Prüfstand stellen. Sie sind schließlich kein Bittsteller.

Dabei können Ihnen folgende Fragen eine gute Orientierungshilfe bieten:

  1. Ist das wirklich der Job, den Sie sich wünschen?

    Je länger die Jobsuche dauert, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass man den Radius der Suche erweitert und sich auch auf Stellen bewirbt, die nicht mehr zu 100 Prozent den eigenen Vorstellungen entsprechen.

    Am Ende werden (faule) Kompromisse geschlossen und die Anforderungen heruntergeschraubt. Fragen Sie sich deshalb ehrlich, ob das Jobangebot noch das bietet, was Sie brauchen, um in dem Beruf glücklich zu werden. Wird Sie die Stelle in den nächsten Jahren weiter- und Ihren persönlichen (Karriere-)Zielen näherbringen? Oder ist es am Ende eine gefährliche Sackgasse?

  2. Was sagt Ihnen Ihr Bauchgefühl über die Stelle?

    Manchmal hat man ein ungutes Bauchgefühl. Gehen Sie nicht leichtfertig darüber hinweg. Ihr Bauch hat öfter Recht, als Sie glauben.

    Selbst wenn Vieles für den Job spricht, hat Ihr Unterbewusstsein vielleicht etwas bemerkt, das Ihnen bisher entgangen ist. Horchen Sie deshalb genau in sich hinein und finden Sie heraus, was die Zweifel auslöst.

  3. Welche Faktoren spielen eine Rolle?

    Die Entscheidung für oder gegen einen Job hängt von vielen persönlichen Faktoren ab. Neben dem Gehalt (das durchaus wesentlich ist) spielen zum Beispiel auch das Betriebsklima, Internationalität, die Entwicklungs- und Aufstiegschancen eine Rolle.

    Hinzu kommen Aspekte der eigenen Lebensplanung: Ist für den Job ein Umzug in eine andere Stadt erforderlich? Zieht der Partner mit? Ist das Leben dort womöglich teurer, sodass das Realeinkommen de facto sinkt?

    Bewerten Sie den Job ebenso langfristig: Welche Optionen schafft Ihnen die Position in fünf Jahren, in zehn Jahren, und so weiter? Gerade die Bewertung der Stelle auf Basis der eigenen Entwicklungsperspektiven wird oft vergessen. Die sogenannte 10-10-10-Methode bewahrt davor:

    10 10 10 Methode Bessere Entscheidungen Zeitreise Szenarien

Verstehen Sie uns aber bitte nicht falsch: Wir wollen Sie damit auch nicht verunsichern. Wenn Sie den Job klasse finden und sich darauf freuen, dann sagen Sie zu. Jede berufliche Entscheidung lässt sich korrigieren. Es macht vielleicht nur (unnötige) Arbeit. Und neuerliche Reflexion.

Sie kennen vielleicht das Bonmot Love it, leave it or change it. Auf den ersten Blick klingt das nach typischem Zen-Geschwurbel, nach einem Simplify-your-brain-Tipp aus dem Abreißkalender vom Donnerstag. Aber 1988. Doch es stimmt: Egal, was einem stinkt – im Beruf, im Privatleben – es bleiben nur diese drei Alternativen.

  • Ändern Sie die Ursachen (oder Sie sich selbst).
  • Lernen Sie die Sache zu lieben.
  • Oder ziehen Sie weiter.

So oder so: Treffen Sie stets eine bewusste (!) Entscheidung.

Love it - Leave it - Change it

[Bildnachweis: ASDF_MEDIA by Shutterstock.com]
12. Dezember 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Taralej. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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