Kindergeld: Antrag, Anspruch, Höhe

Das Kindergeld ist eine der wichtigsten Leistungen in Deutschland und sorgt für eine finanzielle Unterstützung von Familien. Es soll die Grundversorgung des Kindes sicherstellen, solange dieses von den Eltern versorgt wird. Anspruch haben Eltern in Deutschland ab dem Tag der Geburt des Kindes, müssen aber einen schriftlichen Antrag stellen. Hier erfahren Sie, unter welchen Bedingungen Anspruch auf Kindergeld besteht, wie und wo Sie den Antrag stellen müssen und wie hoch das Kindergeld 2019 ist…

Kindergeld: Antrag, Anspruch, Höhe

Definition: Was ist Kindergeld überhaupt?

Kindergeld Definition Anspruch Höhe Antrag Auszahlung 2019Anders als oftmals angenommen, handelt es sich beim Kindergeld nicht um eine Sozialleistung. Die Auszahlung des Kindergelds kommt zwar von der Familienkasse, doch ist es eigentlich ein steuerlicher Ausgleich. Das Kindergeld ist somit eine finanzielle Unterstützung für Familien, die das Ziel verfolgt, die Grundversorgung des Kindes zu sichern.

Nicht zu verwechseln ist das Kindergeld mit dem Kinderfreibetrag. Zwar verfolgen beide das Ziel, das Existenzminimum des Kindes zu gewährleisten, doch während das Kindergeld als monatlicher Betrag an die Eltern überwiesen wird, reduziert der Kinderfreibetrag das zu versteuernde Einkommen in der jährlichen Steuererklärung.

Dabei gilt: Kindergeld und Kinderfreibetrag können nicht gleichzeitig genutzt werden. Das zuständige Finanzamt ermittelt bei der jährlichen Berechnung der Einkommenssteuer, welche Variante für Eltern den größten Vorteil bringt. Für diese sogenannte Günstigerprüfung müssen Sie nicht selbst aktiv werden. Auch müssen Sie den Kinderfreibetrag nicht beantragen – anders als das Kindergeld.

In jedem Fall sollten Sie direkt mit der Geburt einen Antrag auf Kindergeld stellen. Sollte die Günstigerprüfung ergeben, dass der Freibetrag die bessere Option ist, sind Sie trotzdem auf der sicheren Seite.

Anspruch: Voraussetzungen für Kindergeld

Kindergeld erhalten Eltern, die minderjährige Kinder im eigenen Haushalt versorgen. Der Anspruch ist dabei nicht nur auf die eigenen, leiblichen Kinder beschränkt. Auch Enkelkinder, Stiefkinder oder Pflegekinder zählen dazu.

Voraussetzung, um Anspruch auf Kindergeld zu haben, ist zudem, dass der Wohnsitz oder der gewöhnliche Aufenthalt in Deutschland, einem anderen Land der EU, in Norwegen, Liechtenstein, Island oder der Schweiz liegt.

Zu beachten ist, dass jeweils nur ein Elternteil, also entweder Mutter oder Vater Kindergeld erhält. (Ehe-)Paare sollten deshalb vorab klären, auf wessen Namen und Konto das Kindergeld überwiesen werden soll. Ein Anspruch auf Kindergeld besteht bei Erfüllung der Voraussetzungen ab der Geburt des Kindes. Wie lange dieser Anspruch bestehen bleibt, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Grundsätzlich gibt es Kindergeld für…

  • alle Kinder bis zum 18. Lebensjahr
  • Kinder in Ausbildung bis zum 25. Lebensjahr
  • arbeitslose Kinder bis zum 21. Lebensjahr
  • Kinder mit Behinderung über das 25. Lebensjahr hinaus ohne Altersbegrenzung.
  • Kinder bis zum 25. Lebensjahr, die ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst absolvieren

Auch bei volljährigen Kindern haben Eltern also möglicherweise noch Anspruch auf Kindergeld. Und ja: Anspruchsberechtigt für Kindergeld sind die Eltern, nicht das Kind selbst. Jedoch kann unter Umständen das Kindergeld direkt an das Kind selbst ausgezahlt werden. Voraussetzung dafür ist, dass das Kind einen eigenständigen Haushalt führt und sich selbstständig versorgt.

Höhe: So viel Kindergeld bekommen Sie

Kindergeld ist nicht vom Einkommen der Eltern abhängig, sondern für alle gleich. Eine unterschiedliche Höhe des Kindergelds kann sich jedoch durch die Anzahl der Kinder ergeben.

Ab dem ersten Juli 2019 wurde das Kindergeld um zehn Euro angehoben. Seit diesem Tag gibt es für Eltern:

  • 204 Euro monatlich für das erste und zweite Kind
  • 210 Euro monatlich für das dritte Kind
  • 235 Euro monatlich für das vierte und jedes weitere Kind

Eine weitere Erhöhung des Kindergelds um 15 Euro pro Monat ist für den Beginn des Jahres 2021 angesetzt.

Die Staffelung gilt im Übrigen auch dann, wenn Sie mehrere Kinder haben, aber nicht alle bei Ihnen leben. Beispiel: Sie haben drei Kinder, aber die beiden älteren wohnen beim anderen Elternteil. Auch dann stehen Ihnen für Kind Nummer drei 210 Euro monatlich zu.

In der Fachsprache nennt man das die sogenannten Zählkinder. Diese Kinder wohnen nicht bei Ihnen, werden aber in die Berechnung für weitere Kinder mit einbezogen. Auch wenn Sie für diese Kinder kein Kindergeld erhalten, erhöht sich dadurch Ihr Anspruch bei jedem weiteren Kind.

Antrag: So beantragen Sie Kindergeld

Vorweg: Eine formlose Mail oder ein kurzer Telefonanruf reichen nicht aus. Sie müssen Kindergeld schriftlich per Post oder Fax beantragen.

Alle Anträge zum Kindergeld finden Sie auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit. Für jedes Kind, für das Sie Kindergeld beantragen wollen, fügen Sie eine „Anlage Kind“ bei.

So geht’s:

  • Sie laden den Antrag auf Kindergeld herunter
  • …und füllen ihn vollständig am Rechner aus
  • Dann drucken sie das Dokument aus
  • unterschreiben es handschriftlich
  • …und versenden es per Post an die für Sie zuständige Familienkasse der Bundesagentur für Arbeit

Welche Familienkasse für Sie zuständig ist, richtet sich nach Ihrem Wohnort. Eine Übersicht finden Sie hier. Eine andere Familienkasse kann zuständig sein, wenn Sie Beamter sind oder in einem anderen EU-Land wohnen.

Sobald Ihr Antrag einmal bewilligt wurde, zahlt die Familienkasse weiter. Sie müssen also nicht regelmäßig einen neuen Antrag stellen. Was Sie aber tun müssen: Mögliche Änderungen durchgeben, zum Beispiel eine neue Anschrift.

Und: Auf dem Antrag müssen Sie Ihre Steueridentifikationsnummer eintragen. Falls Sie Ihre Nummer gar nicht kennen oder verlegt haben, lassen Sie sie sich einfach vom Bundeszentralamt für Steuern erneut zusenden. Das entsprechende Online-Formular finden Sie hier.

FAQ: Weitere häufig gestellte Fragen zum Kindergeld

Weitere häufig gestellten FragenRund um das Kindergeld gibt es immer wieder Fragen und Unsicherheiten. Selbst wenn Anspruch und Höhe des Kindergelds geklärt sind, ist für Eltern bei einem solch komplexen Thema noch lange nicht alles selbsterklärend und verständlich. Deshalb haben wir in einem kleinen FAQ besonders häufige Fragen zum Kindergeld gesammelt und für Sie beantwortet:

  • Kann ich Kindergeld rückwirkend beantragen?

    Grundsätzlich ja. Die Frist hat der Gesetzgeber allerdings zum 1. Januar 2018 stark verkürzt.

    Die Familienkasse zahlt Eltern seitdem nur noch rückwirkend für sechs Monate Kindergeld. Vorher waren es beachtliche vier Jahre. Unser Tipp: Stellen Sie den Antrag daher so früh wie möglich.

  • Muss ich Kindergeld zurückzahlen?

    Unter bestimmten Umständen kann es sein, dass Eltern oder das Kind Leistungen erhalten, die

    • für das Kind im Ausland gezahlt werden und ähnlich dem Kindergeld sind.
    • von einer anderen staatlichen, überstaatlichen oder zwischenstaatlichen Institution gezahlt werden und dem Kindergeld ähnlich sind.

    Das kann ein Grund dafür sein, dass kein Kindergeld mehr gezahlt wird.

    Dieser Ausschluss gilt übrigens auch dann, wenn die im Ausland bezogenen Leistungen geringer sind als das Kindergeld, das in Deutschland gezahlt wird. Ausgenommen sind Leistungen für Familien, die von einem anderen Mitgliedsstaat der EU gezahlt werden. In diesem Fall könnten die Eltern einen Anspruch auf Ausgleich der Differenz haben.

    Diese Fälle müssen individuell entschieden werden. Daher sollten Sie in einem derartigen Fall mit der Familienkasse oder der Arbeitsagentur Kontakt aufnehmen und Ihren Fall besprechen.

  • Was versteht man unter dem Kinderzuschlag?

    Im Gegensatz zum Kindergeld ist der Kinderzuschlag eine Sozialleistung. Anspruch haben Eltern, die

    • Kindergeld für ihr Kind oder ihre Kinder bekommen.
    • deren monatliches Einkommen die Mindesteinkommensgrenze übersteigt.
    • keinen Anspruch auf andere Sozialleistungen wie Sozialgeld oder Arbeitslosengeld I haben.

    Der Kinderzuschlag ist dazu da, Familien mit kleinen Einkommen finanziell zu unterstützen. Ob ein Anspruch besteht, ist meist nicht ganz einfach zu ermitteln, da die Lebenshaltungskosten der Eltern exakt berechnet werden müssen.

    Eine Daumenregel gibt es aber trotzdem: Wenn Einkommen Kindergeld über dem Gesamtbedarf liegen, kann kein Kinderzuschlag gezahlt werden.

    Auch in diesem Fall empfiehlt sich der Gang zur Arbeitsagentur, um die individuellen Ansprüche abzuklären.

    Besteht ein Anspruch, kann für Kinder, die unverheiratet sind, im Haushalt der Eltern wohnen und unter 25 Jahre sindder Kinderzuschlag beantragt werden.

    Die Höhe des Kinderzuschlags kann dabei variieren. Im günstigsten Fall erhalten Eltern pro Kind bis zu 170 Euro im Monat. Die tatsächliche Höhe hängt aber von den individuellen Einkünften und der Lebenssituation ab.

  • Wird mein Anspruch auf Kindergeld überprüft?

    Ja, die Familienkasse lässt sich regelmäßig bestätigen, ob Ihr Anspruch auf Kindergeld noch besteht. In der Regel werden dazu Fragebögen verschickt, die ausgefüllt werden müssen.

    Darin müssen Sie beantworten, ob

    • Ihr Kind noch bei Ihnen im gemeinsamen Haushalt wohnt.
    • Ihr Kind weiterhin in einer Schul- oder Berufsausbildung ist.
    • Sie selbst noch in Deutschland wohnen.
  • Ich bin mit dem Bescheid zum Kindergeld nicht einverstanden. Was nun?

    Wie bei den meisten anderen Bescheiden, haben Sie auch beim Kindergeld die Möglichkeit, Einspruch zu erheben. Gemäß Paragraph §355 Abgabenordnung (AO) haben Sie dazu einen Monat Zeit.

    Sollte die Familienkasse eine Email auf dem Bescheid angegeben haben, reicht auch ein Einspruch per Email, um die Frist zu wahren. Grundsätzlich empfiehlt es sich aber, zusätzlich zu Email einen Widerspruch per Einwurfeinschreiben an die zuständige Stelle zu richten.

[Bildnachweis: Syda Productions by Shutterstock.com]
2. Oktober 2019 Taralej Autoren Logo Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.



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