Kurzarbeit: Wie viel Geld bekomme ich?

Kurzarbeit wird dann notwendig, wenn Arbeitnehmer nicht mehr genug Arbeit im Betrieb haben. Der Arbeitgeber hat dann zwei Möglichkeiten: Er verringert die Arbeitszeit der Belegschaft (oder eines Teils der Belegschaft) oder sagt den Arbeitnehmern, dass sie gleich ganz Zuhause bleiben können. Klingt zunächst erfreulich für Arbeitnehmer, jedoch bedeutet Kurzarbeit in der Regel auch, dass sie weniger Geld bekommen. Das Kurzarbeitergeld, das in dieser Phase gezahlt wird, ist meist nicht so hoch wie der durchschnittliche Lohn…

Kurzarbeit: Wie viel Geld bekomme ich?

Kurzarbeit: Was versteht man darunter?

Kurzarbeit Definition Schule KurzarbeitergeldUnter Kurzarbeit versteht man die Verkürzung der gewöhnlichen betrieblichen Arbeitszeit. Die Arbeitnehmer arbeiten während der Kurzarbeit weniger, in manchen Fällen auch gar nicht mehr. Grundsätzlich arbeiten Arbeitnehmer während der Kurzarbeit weniger Stunden als im Arbeitsvertrag vereinbart sind.

Kurzarbeit kann zum Beispiel dann notwendig werden, wenn sich wirtschaftliche Probleme im Unternehmen zeigen. Das kann durch

  • einen Mangel an Aufträgen oder
  • fehlenden Rohstoffen/Halbfertigwaren, um Produkte zu fertigen
  • Änderungen in den betrieblichen Strukturen (Änderungen in der Produktion oder im Sortiment.

liegen.

Daneben kommen auch behördliche Maßnahmen wie eine Stromsperre oder sogenannte unabwendbare Ereignisse wie

  • Hochwasser
  • Schneekatastrophe
  • Sturmgefahr

infrage.

Kurzarbeit kann aber in manchen Branchen auch saisonbedingt notwendig werden. Das kann zum Beispiel in der Baubranche der Fall sein, wenn aufgrund der Witterungsverhältnisse nicht gearbeitet werden kann oder es an Aufträgen fehlt.

Der finanzielle Ausgleich, der dabei von der Agentur für Arbeit gezahlt wird, nennt sich Saison-Kurzarbeitergeld.

Es kann auch vorkommen, dass während der Kurzarbeit nicht nur weniger, sondern gar nicht gearbeitet wird. Dann spricht man von Kurzarbeit Null.

Von der Kurzarbeit im Unternehmen kann die gesamte Belegschaft betroffen sein, sie kann aber auch so geregelt werden, dass sie nur einen Teil der Mitarbeiter betrifft.

Der Arbeitgeber muss sich an bestimmte gesetzliche Vorschriften und Regelungen halten, wenn er Kurzarbeit anordnen will. Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, muss dieser befragt werden, bevor Kurzarbeit angeordnet werden kann.

Die Voraussetzungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld

Die Voraussetzungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld sind in Paragraph § 95 des Dritten Sozialgesetzbuchs (SGB III) geregelt. Dazu gehören die folgenden:

  • Die Kurzarbeit liegt nicht in dem Verantwortungsbereich des Unternehmens ist also durch „höhere Gewalt“ (unvorhersehbare Ereignisse wie Hochwasser) oder einen konjunkturellen Einbruch (Auftragsflaute) entstanden.
  • Der Arbeitgeber hat zahlreiche Anstrengungen unternommen, die Kurzarbeit zu vermeiden oder wenigstens zu verkürzen.
  • Die Kurzarbeit wird nur für einen begrenzten Zeitraum stattfinden. Nach der Auftragsflaute oder dem sonstigen Ereignis, das für die Kurzarbeit verantwortlich ist, rechnet der Arbeitgeber damit, dass die Arbeitnehmer wieder in vollem Umfang beschäftigt werden können (Paragraph § 96 Abs. 1 Nr. 2 SGB III).

    Eine Ausnahme von dieser Vorschrift existiert aber: Das sogenannte Transfer-Kurzarbeitergeld. Diese Leistung wird bei größeren Entlassungswellen oder gar einer Betriebsschließung von der Agentur für Arbeit gezahlt. Damit soll die Wiedereingliederung der Mitarbeiter in den ersten Arbeitsmarkt erleichtert werden. Die entsprechenden Vorschriften zu dieser Ausnahme sind in Paragraph § 111 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 SGB III geregelt.

  • Die Arbeitnehmer wurden nicht entlassen, sondern sind weiterhin sozialversicherungspflichtig beschäftigt.
  • Der Arbeitnehmer hat die Kurzarbeit der zuständigen Agentur für Arbeit gemeldet.
  • Im Kalendermonat, für den Kurzarbeitergeld beantragt wurde, ist mindestens ein Drittel der Belegschaft von der Kurzarbeit betroffen.
  • Der Verdienstausfall der Arbeitnehmer in Kurzarbeit beträgt mehr als zehn Prozent ihres durchschnittlichen Bruttoentgelts.

Der Antrag auf Kurzarbeitergeld muss vom Arbeitgeber gestellt werden. Die Arbeitnehmer selbst können in dieser Hinsicht nichts unternehmen. Meist zahlt die Agentur für Arbeit relativ zügig. Wenn alle Unterlagen komplett vorliegen, es also keine Nachfragen in Bezug auf den Antrag gibt, wird in der Regel innerhalb von 15 Arbeitstagen das Kurzarbeitergeld ausbezahlt.

Kurzarbeit: Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

Wenn Arbeitnehmer die Nachricht erhalten, dass in Ihrem Betrieb über Kurzarbeit nachgedacht wird, stellt sich häufig die Frage nach der Bezahlung. Denn eins ist klar: In den meisten Fällen bedeutet Kurzarbeit, dass die Arbeitnehmer weniger Entgelt erhalten. Einen Ausgleich muss der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern aber trotzdem für den fehlenden Lohn zahlen.

Häufig können jedoch Arbeitgeber bei der Agentur für Arbeit eine Erstattung für diese Zahlungen beantragen. Die Agentur für Arbeit springt bei Kurzarbeit ein, wenn der Arbeitgeber innerhalb von drei Monaten das sogenannte Kurzarbeitergeld bei der Agentur für Arbeit beantragt – und zwar bei derjenigen Agentur, die in dem Bezirk liegt, in dem sich die Lohnabrechnungsstelle des Unternehmens befindet. Die Arbeitnehmer können also in München arbeiten, wenn die Lohnabrechnung in Hamburg gemacht wird, muss der Arbeitgeber dort Kurzarbeitergeld beantragen.

Das Kurzarbeitergeld wird aus der Arbeitslosenversicherung gezahlt und soll nicht nur dazu dienen, den Verdienstausfall der Mitarbeiter abzufedern, sondern auch Kündigungen zu verhindern.

Die Höhe des Kurzarbeitergeldes hängt davon ab, wie viel Entgelt dem Arbeitnehmer nach Steuern fehlt. In der Regel werden ungefähr 60 Prozent des Nettogehalts übernommen. Lebt mindestens ein Kind im Haushalt des Empfängers von Kurzarbeitergeld, erhält er ungefähr 67 Prozent seines fehlenden Nettogehalts. Wie hoch das Kurzarbeitergeld für jeden Arbeitnehmer ist, hängt also vom Einzelfall ab. Die gesetzlichen Regelungen dazu finden sich in Paragraph § 105 Drittes Buch Sozialgesetzbuch (SGB III).

Übrigens: Das Kurzarbeitergeld wird nur bis zur sogenannten Beitragsbemessungsgrenze gezahlt. Damit haben gerade die besser verdienenden Arbeitnehmer einen Nachteil: Wenn sie mehr als 6.700 Euro (Westdeutschland) oder mehr als 6.150 Euro (Ostdeutschland) brutto verdienen, wird ihnen nicht ihr Lohn bis zu 60 oder 67 Prozent (mit Kindern) erstattet. Der Ausgleich erfolgt dann nur bis zur Bemessungsgrenze. Jeglicher Verdienst, der darüber liegt, fließt nicht mehr in die Berechnung mit ein.

Unser Tipp: Gerade gut verdienende Arbeitnehmer sollten sich überlegen, ob es für sie sinnvoll ist, mehrere Monate derartige Abstriche beim Gehalt hinzunehmen. Unter Umständen kann der schnelle Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber sich mehr lohnen.

Höhe des Kurzarbeitergeldes

Kurzarbeit Kurzarbeitergeld Höhe Bezahlung VerdienstausfallEine Übersicht über die voraussichtliche Höhe Ihres Kurzarbeitergeldes finden Sie hier:

  • Tabelle zur Berechnung des Kurzarbeitergeldes der Agentur für Arbeit
  • Tabelle zur Berechnung des Kurzarbeitergeldes für Geringverdiener der Agentur für Arbeit

Die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes

Das Kurzarbeitergeld kann im Höchstfall zwölf Kalendermonate lang von der Agentur für Arbeit bezogen werden ( Paragraph § 104 Abs. 1 Satz 1 SGB III). Es ist jedoch denkbar, dass der Bezug unterbrochen wird. Beispielsweise dadurch, dass der Arbeitgeber plötzlich einen großen Auftrag bekommt oder die Rohstoffe wieder geliefert werden können, die er zur Produktion benötigt.

Können die Arbeitnehmer wieder beschäftigt werden, gilt die Kurzarbeit als unterbrochen. Wird es nach dem Auftrag jedoch wieder notwendig, in Kurzarbeit zu gehen, kann der Bezug des Kurzarbeitergeldes für die Arbeitnehmer wieder aufgenommen werden. Die Bezugsdauer verlängert sich natürlich dann um den Zeitraum, den die Arbeitnehmer kein Kurzarbeitergeld bekommen haben.

Wer hat einen Anspruch auf Lohnzuschuss infolge von Kurzarbeit?

In der Regel kann der Arbeitgeber für alle regulär sozialversicherungsrechtlich Beschäftigten einen Antrag auf Kurzarbeitergeld stellen.

Keinen Anspruch haben dagegen die folgenden Personengruppen:

  • Arbeitnehmer, die einen Minijob ausüben
  • Arbeitnehmer, die im Bezug von Krankengeld sind
  • Auszubildende
  • Rentner

Hat die Kurzarbeit Auswirkungen auf das Urlaubsgeld?

Das Urlaubsgeld berechnet sich gemäß Paragraph § 11 Abs. 1 Satz 1 Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) aus dem durchschnittlichen Lohn während der letzten 13 Wochen vor dem Urlaub. Geleistete Überstunden werden allerdings nicht in die Berechnung mit einbezogen.

Im Gegenzug bedeutet das aber auch, dass sich der Bezug des Kurzarbeitergeldes nicht negativ auf die Höhe des Urlaubsgeldes auswirkt. Mitarbeiter, die kurz vor ihrem Urlaubsantritt Kurzarbeitergeld bekommen haben, bekommen Urlaubsgeld auf der Grundlage ihres regelmäßigen Lohn oder Gehalts (Paragraph § 11 Abs. 1 Satz 3 BUrlG).

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25. Februar 2019 Julia Sima Autorin Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.



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