Lebenslanges Lernen: Warum Sie nie aufhören sollten

Schule, Studium oder Ausbildung und das ein oder andere Praktikum – dann ist es endlich geschafft: Sie haben alles gelernt, was Sie brauchen. Diese ironische Darstellung stimmt natürlich ganz und gar nicht. Im Gegenteil: Wer sich daran hält, wird es im späteren Berufsleben schwer haben, sich durchzusetzen. Lebenslanges Lernen ist keine Urteil, sondern eine wichtige Einstellung, die große Chancen bringt. Nicht nur beruflich, sondern auch privat in der Persönlickeitsentwicklung. Wir zeigen, warum lebenslanges Lernen so wichtig ist und welche guten Gründe es gibt, dass Sie nie aufhören, Ihr Wissen zu erweitern…

Lebenslanges Lernen: Warum Sie nie aufhören sollten

Lebenslanges Lernen: Man lernt nie aus

Lebenslanges Lernen Definition Gründe Kritik im Beruf wichtigUnter dem Begriff Lebenslanges Lernen wird ein umfangreiches Konzept der Erziehungswissenschaften verstanden. Der Kerngedanke dabei: Es soll Menschen dabei geholfen werden, über ihr gesamtes Leben hinweg zu lernen. Ganz getreu dem Motto: Man lernt nie aus.

Wie dieses lebenslange Lernen allerdings im Detail aussieht, welchen Zweck es haben soll, darüber existieren verschiedene Ansätze parallel. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass verschiedene Begrifflichkeiten für ein und dieselbe Sache existieren, die meist aus dem Englischen stammen:

  • lifelong learning
  • lifelong education
  • recurrent education
  • permanente Erziehung

Nach und nach hat sich zumindest im deutschsprachigen Raum vor allem der Begriff „lebenslanges Lernen“ (LLL) herausgebildet; in der österreichischen Bildungspolitik wird auch vom lebensbegleitenden Lernen gesprochen – was angesichts der häufig negativen Konnotation von „lebenslang“ die positiver besetzte Formulierung ist.

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Lebenslanges Lernen ist keine Strafe

Zugegeben: Lebenslänglich klingt eher bedrohlich als spaßig, aber das liegt in erster Linie an den negativen Assoziationen mit dem Wort und daran, was wir mit dem Begriff Lernen verbinden: Anstrengung, Ausdauer und teilweise auch Langeweile. Wenn überhaupt, ist das aber nur eine Seite der Medaille. Meist gerät in Vergessenheit, was Lernen auch sein kann:

Darum ist lebenslanges lernen notwendig

Lern- und Entwicklungsprozesse sollten nicht auf Schule, Studium oder Ausbildung begrenzt sein. Es gibt unzählige Wissensgebiete und Fähigkeiten, die Sie sich aneignen können. Lebenslanges Lernen lohnt sich nicht nur, es ist an vielen Stellen sogar notwendig.

Dies zeigt sich gerade im Berufsleben. Globalisierung und Digitalisierung führen dazu, dass die Entwicklungen und Veränderungen über alle Branchen hinweg in kürzester Zeit passieren. Technischer Fortschritt kann innerhalb eines Jahres bisheriges Wissen ersetzen und unbrauchbar machen. Wer hier nicht bereit ist, dazuzulernen, wird von der Konkurrenz abgehängt.

Auch Unternehmen haben die Bedeutung des lebenslangen Lernens längst erkannt und investieren zunehmend in die Fortbildung ihrer Mitarbeiter. Natürlich nicht ohne ein gesundes Maß an Eigennutz. Schließlich fließen die hinzugewonnenen Fähigkeiten eins zu eins ins Unternehmen ein und kurbeln den Umsatz an.

Sie profitieren von lebenslangen Lernen, indem Ihr Wissen auf dem aktuellen Stand bleibt und Sie – im besten Fall – den Kollegen etwas voraus haben. Gerade Spezialwissen, das Sie zum Experten auf Ihrem Gebiet macht, steigert den Marktwert enorm und lässt Sie zum wichtigen Mitarbeiter werden.

Es gibt aber noch mehr schlagende Argumente, warum es sich lohnt, vorhandene Wissenslücken zu schließen, oder Wissensgebiete neu zu erschließen:

  • Wissen macht glücklich

    Lernen kann auch mal hart und frustrierend sein, das wissen wir alle. Insbesondere gilt das für Inhalte, mit denen wir an die Kapazitätsgrenzen unseres Gehirns stoßen. Wer erinnert sich nicht an Themen aus Schule oder Studium, die so kompliziert und umfangreich waren, dass sich einfach kein Verständnis einstellen wollte?

    Umso größer ist allerdings das Glücksgefühl, wenn das Ziel erreicht ist. Lernerfolg wirkt wie eine natürliche Droge.

    Bis dahin sorgen auch die einzelnen Etappensiege für ausreichend Freude und Motivation. Studien bestätigen das: Das Erreichen der besonders ehrgeizigen Ziele macht uns umso glücklicher. Es liegt also nahe, sich den anspruchsvollen Aufgaben im Leben zu stellen und ihnen nicht auszuweichen.

    Aber diese Rechnung geht wohlgemerkt nur auf, wenn Sie sich To Do’s zuwenden, die auch wirklich erreichbar sind. Sonst ist der Frust groß.

  • Wissen lehrt Demut

    An dieser Stelle muss mal kurz Sokrates herhalten, der bekanntlich wusste, dass er nichts wusste. Sprich: Die Ahnung von dem, was wir noch nicht verstanden haben, wächst mit jeder neuen Erkenntnis. Umso mehr Fragen kommen in den Sinn. Genauso wird es Ihnen auch gehen.

    Haben Sie einen Sachverhalt verstanden, begreifen Sie, welche neue Wissenspritze als nächstes auf Ihrer persönlichen Bildungs-Agenda stehen sollte.

    Das klingt für Sie jetzt vielleicht ein wenig frustrierend. Aber es hat auch sein Gutes. Überlegen Sie doch einmal, was das mit Ihrer Persönlichkeit macht: Sobald Sie wissen, was Sie nicht wissen, ist es unwahrscheinlich, dass Sie als arroganter Gockel herumstolzieren und mit Ihrem Know-How prahlen.

    Im Gegenteil: Sie haben Respekt vor dem Wissen anderer und strahlen diesen aus. Das macht Sie im beruflichen Umfeld zu einem smarten Typen, mit dem man überdies auch gut auskommen kann.

  • Wissen hält frisch

    Haben Sie mal davon gehört, dass Lehrer auch als „Berufsjugendliche“ bezeichnet werden? Tatsächlich ist es so, dass Menschen bis ins hohe Alter lernen können und auch sollten – so beugen Sie Demenz vor. Lehrer sind von berufswegen dazu gezwungen, sich ständig mit neuen Inhalten auseinanderzusetzen.

    Neue Methoden, neue Techniken der Präsentation und Wissensvermittlung. Nicht zuletzt der ständige Umgang mit jungen Menschen, die aus vielen unterschiedlichen Bereichen Impulse aufnehmen und in der Schule wiedergeben, trägt dazu bei, dass Lehrer geistig flexibel sein müssen.

    Sicherlich gibt es auch da einige, die Dienst nach Vorschrift machen, und dennoch sind sie viel näher dran am Puls der Zeit als beispielsweise Arbeitnehmer, deren eigenen Kinder längst erwachsen sind und die vornehmlich in ein und derselben Altersgruppe verkehren.

Kritik am Konzept des lebenslangen Lernens

Lebenslanges Lernen KritikZum einen sind die unklaren Begrifflichkeiten in der Kritik, da teilweise unterschiedliche Begriffe synonym verwendet werden und auch die Konzepte davon, was darunter verstanden wird, abweichen. Im Rahmen der Bildungspolitik und in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen wurde herausgearbeitet, dass es vor allem darum geht, Menschen zu selbstbewussten, intelligenten und kreativen Handeln zu befähigen.

Lebenslanges Lernen ist demnach nicht profit- oder leistungsorientiert. Es geht also nicht darum, sich nach irgendwelchen kurzfristigen Moden zu richten, sondern die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten über das gesamte Leben hinweg zu festigen und zu vertiefen.

Auch das Erasmus-Programm ist wie viele Bildungsprogramme Teil eines Aktionsprogramms der Europäischen Union, für das insgesamt von 2007 bis 2013 sieben Milliarden Euro zur Verfügung gestellt wurden.

Gleichzeitig sind die Veränderungen in der Arbeitswelt nicht zu übersehen. Kritiker kommen zu dem Ergebnis, dass eine Umdeutung des lebenslangen Lernens stattgefunden hat. Lebenslanges Lernen wird nun ökonomisch interpretiert, aus lifelong learning sei nun lifelong (l)earning geworden.

Das heißt: Lebenslanges Lernen bedeutet längst nicht mehr zu lernen, weil Sie Ihren persönlichen Horizont etwa erweitern wollen, sondern weil Sie konkrete berufliche Interessen damit verknüpfen. Im Idealfall fällt beides zusammen. Das heißt aber auch, dass Weiterbildungen fester Bestandteil des heutigen Berufslebens sind.

Bedeuteten sie in der Vergangenheit noch, dass ein Arbeitnehmer so seine Defizite aus Schulzeiten ausbügelt, sind sie nun fester Bestandteil des Arbeitslebens. Wer das nicht erkennt, wird allerdings langfristig abgehängt.

Tipps: Wie kann lebenslanges Lernen umgesetzt werden?

Lebenslanges Lernen wird viel diskutiert und klingt nach einer Menge Theorie sowie großem Aufwand. Das muss aber gar nicht sein! Wir haben ein paar einfache Tipps zusammengestellt, die Ihnen helfen können, lebenslanges Lernen umzusetzen und sich über die Jahre hinweg immer neues Wissen anzueignen.

  • Nehmen Sie an Kursen Teil

    Der vielleicht einfachste Weg für lebenslanges Lernen: Nutzen Sie das schier unendliche Angebot an Kursen und Fortbildungen. Egal ob online oder als Veranstaltung beispielsweise an der Volkshochschule. Zu jedem Thema und für jede Fähigkeit gibt es den passenden Kurs. Dabei müssen Sie nicht gleich alles auf einmal machen und sich überfordern. Widmen Sie sich lieber einem Gebiet nach dem anderen und wählen Sie aus, wo gerade Ihre Prioritäten liegen.

  • Lesen Sie viel

    Lesen bildet über das gesamte Leben. Schnappen Sie sich ein Buch, ziehen Sie sich in eine ruhige Ecke zurück und vertiefen Sie sich in den Inhalt. Neben Romanen können Sie sich auch der Fachliteratur zuwenden, um gezielt Wissen aufzubauen.

  • Lernen Sie von Kollegen

    Teamwork wird in den meisten Jobs groß geschrieben, in der Praxis arbeiten die Kollegen aber oftmals nebeneinander her. Dabei vergeben Sie die Chance, von anderen zu lernen. Wenn ein Kollege etwas besser kann oder weiß, als Sie selbst, dann lassen Sie es sich erklären. Fragen Sie ganz direkt nach oder bieten Sie bei Aufgaben und Projekten Ihre Hilfe an. So lernen Sie aus erster Hand und erweitern die eigenen Fähigkeiten.

  • Probieren Sie möglichst viel aus

    Lebenslanges Lernen bedeutet nicht, dass immer alles gelingen muss. Wichtiger ist, dass Sie sich trauen, so viel wie möglich auszuprobieren. Folgen Sie Ihren Interessen, informieren Sie sich über Ihren Tellerrand hinaus, wagen Sie Experimente. Mit jeder Erfahrung, die Sie machen, lernen Sie etwas – nicht immer nur neues Wissen, sondern eine Menge über sich selbst.

[Bildnachweis: Taralej.info]
11. Juni 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Taralej widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.



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