Mutterschutz: Ihre Rechte als Arbeitnehmerin

Die Phase der Schwangerschaft ist für Frauen eine besondere Zeit, die oft ein besonderes Maß an Umsicht erfordert. Mit dem Mutterschutz existiert ein umfassendes Regelwerk, das dem Schutz von Arbeitnehmerinnen und ihrem Kind vor und nach der Geburt dient. Ziel dieser Vorschriften ist, die Gesundheit von Mutter und Kind bestmöglich zu achten, weshalb alle Aspekte des Arbeitslebens berücksichtigt werden. Gleichzeitig wird auf finanzielle Absicherung geachtet, so dass durch die Regelungen keinerlei Nachteile entstehen. Was Frauen über den Mutterschutz wissen sollten…

Mutterschutz: Ihre Rechte als Arbeitnehmerin

Was bedeutet Mutterschutz und für wen gilt er?

Der Mutterschutz soll abhängig beschäftigte Frauen vor, während und nach der Schwangerschaft schützen. Der Schutzaspekt umfasst verschiedene Bereiche:

  • Gesundheit

    Der Arbeitsplatz beziehungsweise die Tätigkeiten müssen so gestaltet werden, dass keinerlei gesundheitliche Risiken daraus für die werdende Mutter oder das ungeborene Kind erwachsen.

  • Arbeitsverhältnis

    Es gilt ein besonderer Kündigungsschutz für Schwangere und ein Beschäftigungsverbot in der Zeit unmittelbar vor und nach der Geburt.

  • Finanzen

    Für die Zeit während des Arbeitsausfalls ist das Einkommen gesichert.

Der Schutz von Frauen während oder unmittelbar nach der Schwangerschaft, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, ist keine Selbstverständlichkeit. Vielmehr gehört der Mutterschutz zu den modernen Errungenschaften des Sozialstaates.

Dessen heutige Fassung geht auf das Mutterschutzgesetz (MuSchG) zurück, das 1952 erstmals bundeseinheitlich definiert wurde.

Gültig ist der Mutterschutz für folgende Arbeitnehmerinnen:

  • Teilzeitbeschäftigte,
  • Auszubildende,
  • geringfügig Beschäftigte,
  • Hausangestellte,
  • Praktikantinnen,
  • Freiwilligendienst Leistende,
  • Angehörige einer geistlichen Genossenschaft,
  • Behinderte Arbeitnehmerinnen in Werkstätten.

Mit Einschränkungen gilt der Mutterschutz auch für Schülerinnen und Studentinnen, in Heimarbeit beschäftigte Frauen, Entwicklungshelferinnen, arbeitnehmerähnliche Personen und Beamtinnen.

Keine Rolle spielen Ihr Familienstand und Ihre Staatsangehörigkeit. Voraussetzung für den Mutterschutz ist lediglich, dass Sie in Deutschland arbeiten beziehungsweise einen deutschen Arbeitsvertrag haben.

Vom Mutterschutz ausgenommen sind folgende Personengruppen:

  • Hausfrauen
  • Selbstständige
  • Adoptivmütter
  • Geschäftsführerinnen einer Gesellschaft

Wie sieht der Mutterschutz konkret aus?

Was bedeutet der Mutterschutz im Detail?

  • Kündigungsschutz

    Mit Kenntnis Ihrer Schwangerschaft und bis zum Ende der Schutzfrist nach der Geburt (mindestens bis zum Ablauf von vier Monaten nach der Geburt) ist eine Kündigung unzulässig. Der gleiche Kündigungsschutz von vier Monaten gilt im Falle einer Fehlgeburt nach der 12. Schwangerschaftswoche. Voraussetzung ist, dass Ihr Arbeitgeber über die Schwangerschaft informiert ist. Sollten Sie eine Kündigung erhalten, ohne ihn zuvor informiert zu haben, haben Sie zwei Wochen Zeit, diese Information bekannt zu geben. Dieser besondere Kündigungsschutz gilt allerdings nur im Falle eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses – ein befristeter Arbeitsvertrag wird nicht aufgrund einer Schwangerschaft zum unbefristeten Arbeitsvertrag. Das gilt für Zeitbefristungen ebenso wie für Zweckbefristungen.


    Wichtig zu wissen bei Befristungen

    Mutterschutz BeschäftigungsverbotAchten Sie darauf, ob Ihr Arbeitgeber während Ihrer Schwangerschaft alle gleich liegenden befristeten Arbeitsverträge von Kolleginnen und Kollegen in unbefristete verwandelt oder verlängert. Macht er lediglich bei Ihnen den Fristablauf geltend, liegt hier höchstwahrscheinlich ein Fall von Diskriminierung vor, somit wäre diese Befristung ungültig.

  • Mutterschutzfrist

    Es gibt eine Frist von mehreren Wochen vor und nach der Geburt und in dieser Zeit unterliegen schwangere Arbeitnehmerinnen einem Beschäftigungsverbot. Diese Mutterschutzfrist beginnt sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin und endet acht Wochen nach der Geburt. Der errechnete Termin bleibt maßgeblich für das Ende der Frist, auch wenn das Kind wenige Tage früher geboren wird. Die Mutterschutzfrist erhöht sich auf 12 Wochen nach der Geburt, wenn es sich medizinisch betrachtet um eine Frühgeburt handelt, Sie Zwillinge, Drillinge oder weitere Mehrlinge zur Welt bringen oder das Kind eine Behinderung hat. In diesen Fällen können Sie bei der Krankenkasse eine Verlängerung der Mutterschutzfrist beantragen. Die Frist kann vor der Geburt auf eigenen Wunsch ausgesetzt werden. Für Arbeitnehmerinnen gilt nach der Geburt absolutes Beschäftigungsverbot, für Schülerinnen und Studentinnen nicht – sie können theoretisch auf eigenen Wunsch wieder arbeiten. Ein Widerruf ist jederzeit möglich.

  • Arbeitszeiten

    Bis 2018 durften Schwangere zwischen 20 Uhr abends und 6 Uhr morgens und an Sonn- und Feiertagen nicht arbeiten. Seit der Neufassung des Gesetzes gilt für den Mutterschutz: Wenn die werdende Mutter es ausdrücklich wünscht, kann sie von 20 bis 22 Uhr und auch an Sonntagen eingeteilt werden. Allerdings dafür eine Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde erforderlich. Nach wie vor gilt für werdende und frisch gebackene Mütter gilt ein Verbot von Nachtschichten. Nicht mehr als maximal achteinhalb Stunden täglich oder 90 Stunden pro Doppelwoche sind für schwangere Arbeitnehmerinnen erlaubt – sind sie minderjährig, sind sogar nur acht Stunden beziehungsweise 80 Stunden in der Doppelwoche erlaubt.


    Urlaubsanspruch bleibt bestehen

    Mutterschutz UrlaubEine Schwangerschaft ändert nichts am Urlaubsanspruch. Ganz gleich, ob Sie bereits im Rahmen der Mutterschutzfrist nicht mehr arbeiten oder ob ein individuelles Beschäftigungsverbot gilt: Diese Zeit wird genauso gewertet wie wenn Sie arbeiten würden. Sofern Sie noch über Resturlaub verfügen, können Sie den nach der Schutzfrist oder sogar nach der Elternzeit nehmen.

  • Arbeitsplatzgestaltung

    Als Schwangere haben Sie einen Anspruch auf ein persönliches Gespräch. Erhält der Arbeitgeber Kenntnis von Ihrer Schwangerschaft, muss er den Arbeitsplatz gegebenenfalls umgestalten. Beispielsweise dürfen werdende Mütter nicht länger als vier Stunden stehenden Tätigkeiten nachgehen, ohne Gelegenheit zum Sitzen zu haben. Ziel ist es, Situationen, Gefahrstoffe oder Gegenstände, die die Gesundheit von Mutter und Kind gefährden könnten, zu vermeiden – der Arbeitgeber muss daher eine Gefährdungsbeurteilung erstellen. Die Anpassung des Arbeitsplatzes an den Mutterschutz geht daher immer einem Beschäftigungsverbot voraus.

  • Beschäftigungsverbote

    Es gibt außerhalb der Mutterschutzfristen kein generelles Beschäftigungsverbot. Vielmehr wird abhängig vom individuellen Gesundheitszustand der Schwangeren und mit Blick auf den Arbeitsplatz und die zu verrichtenden Tätigkeiten geschaut, was im Einklang mit dem Mutterschutz ist. Sobald eine Gefährdung Ihrer Person oder Ihres Kindes besteht, wird ein ärztliches Beschäftigungsverbot ausgesprochen. Lässt sich der Arbeitsplatz und die Tätigkeit nicht an die Erfordernisse einer schwangeren Arbeitgeberin anpassen, wird ein betriebliches Beschäftigungsverbot durch den Arbeitgeber, oder ein behördliches Beschäftigungsverbot durch die Aufsichtsbehörde ausgesprochen.

Wann muss der Arbeitgeber von Ihrer Schwangerschaft erfahren?

Chef unterrichtenIm Falle eines bestehenden Arbeitsverhältnisses bleibt es Ihnen überlassen, ob und wann Sie Ihren Arbeitgeber von Ihrer Schwangerschaft unterrichten. Gerade in den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft mag manche Frau damit nicht an die Öffentlichkeit gehen, da die Gefahr einer Fehlgeburt noch vergleichsweise hoch ist.

Auf der anderen Seite verzichten Sie in diesem Fall auf den besonderen Mutterschutz zu Beginn Ihrer Schwangerschaft. Denn Ihr Arbeitgeber ist verpflichtet, sämtliche notwendigen Maßnahmen bezüglich Ihres Arbeitsplatzes zu ergreifen, um Ihren Schutz und den des ungeborenen Kindes sicherzustellen. Das geht aber natürlich nur nach Kenntnis der Lage.

Dafür kann er ein ärztliches Attest verlangen, allerdings muss er in diesem Fall die Kosten dafür übernehmen. Außerdem muss er der zuständigen Aufsichtsbehörde Ihre Schwangerschaft melden.

Haben Sie als schwangere Arbeitnehmerin demnächst ein Vorstellungsgespräch, sind Sie nicht verpflichtet, den potenziellen Arbeitgeber über Ihre Schwangerschaft zu unterrichten. Im Gegenteil: Sollte von Unternehmensseite aus die Frage nach einer Schwangerschaft an Sie gestellt werden, dürfen Sie lügen. Auch in Ihren Bewerbungsunterlagen ist kein Hinweis erforderlich.

Finanzielle Absicherung während des Mutterschutzes

Werdende Mütter sind durch die gesetzliche Krankenversicherung finanziell abgesichert. 13 Euro pro Kalendertag – das entspricht einem monatlichen Nettolohn von 390 Euro – werden als Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse während der Mutterschutzfristen gezahlt. Die Differenz zu Ihrem Gehalt trägt der Arbeitgeber.

Mutterschaftsgeld und Arbeitgeberzuschuss sind ein fast vollständiger Ersatz für das wegfallende Gehalt. Kann die schwangere Arbeitnehmerin aufgrund eines individuellen Beschäftigungsverbots bereits außerhalb der Mutterschutzfrist nicht mehr arbeiten, kann Sie den Mutterschutzlohn beziehen.

Dieser liegt beim durchschnittlichen Verdienst der letzten 13 Wochen vor Schwangerschaftsbeginn.

In den ersten 12 Monaten haben stillende Arbeitnehmerinnen das Recht auf bezahlte Freistellung von der Arbeit, wenn sie das Kind stillen wollen. Das gilt für mindestens zweimal 30 Minuten oder eine ganze Stunde am Tag und kann auf 90 Minuten ausgedehnt werden, sofern in der Nähe des Arbeitsplatzes kein geeigneter Ort zum Stillen ist.

Arbeitnehmerinnen müssen die Freistellung mündlich oder schriftlich verlangen. Diese Zeit darf weder auf Ihre Ruhepausen angerechnet werden, noch darf Ihr Arbeitgeber Ihnen dafür das Gehalt kürzen.

Nach der Mutterschutzfrist können Arbeitnehmerinnen Elterngeld bekommen und Elternzeit nehmen.

[Bildnachweis: Rapeepat Pornsipak by Shutterstock.com]
7. Oktober 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Taralej widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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