Pro-forma-Ausschreibung: 6 verräterische Anzeichen

Fakes und Fälschungen gibt es leider auch bei der Jobsuche, sogenannte Pro-forma-Ausschreibungen sorgen regelmäßig für Frust bei den Bewerbern: Vergebliche Bewerbungsbemühungen auf eine Stelle, bei der nie eine wirkliche Chance bestand. Der Grund: Hinter manch verlockenden Ausschreibungen stecken Jobangebote, die nur pro forma veröffentlicht werden. Dabei geht es gar nicht darum, wirklich einen Kandidaten für diese Positionen zu finden. Fast immer werden solche Stellen an eigene Mitarbeiter vergeben, die längst feststehen. Außenstehenden Bewerbern wird dann nur selten die Chance geboten, sich vorzustellen. Also viel Aufwand und Stress, den man als Kandidat vermeiden kann. Die Gründe für solche Stellenanzeigen und wie Sie Pro-forma-Ausschreibungen frühzeitig erkennen…

Pro-forma-Ausschreibung: 6 verräterische Anzeichen

Was ist eine Pro-forma-Ausschreibung?

Pro-forma-Ausschreibung Pseudo-AusschreibungDas Kind hat viele Namen:

  • Pseudo-Ausschreibung,
  • Scheinausschreibung,
  • Fake-Stellenanzeige oder eben
  • Pro-forma-Ausschreibung

Der Begriff pro forma stammt aus dem Lateinischen und bedeutet für die Form. Die geläufigere Bedeutung ist jedoch eher um die Form zu wahren oder der Form halber. Wenn also etwas pro forma gemacht wird, dient es meist einem völlig anderen Zweck, als dem sichtbaren.

Genauso verhält es sich bei der Pro-forma-Ausschreibung einer offenen Stelle: Sie ist häufig nur deshalb in Jobbörsen zu finden, weil die Stelle erst offiziell ausgeschrieben werden muss, bevor sie besetzt werden kann. Der passende Kandidat dazu ist aber schon längst gefunden.

Die meisten Pro-forma-Ausschreibungen finden sich im Bereich des öffentlichen Dienstes, beispielsweise in Behörden oder an Universitäten. In der Wirtschaft sind sie aber auch keine Ausnahme. Leider bekommen Kandidaten, die sich darauf bewerben, häufig nicht mal eine Absage. Mühe und Hoffnungen gemacht haben die sich aber trotzdem…

Warum gibt es Pro-forma-Ausschreibungen?

Wenn der Kandidat ohnehin zuvor feststeht, stellt sich die Frage, wieso es dennoch Pro-forma-Ausschreibungen gibt? Es sind im Wesentlichen fünf Gründe:

  • Gesetzliche Verpflichtung

    Der offensichtlichste Grund ist, dass der Arbeitgeber dazu verpflichtet ist. Das betrifft vor allem den öffentlichen Dienst. (Mehr dazu siehe Kasten.)

  • Subtile Andeutung

    In manchen Fällen versuchen Arbeitgeber mit einer Pro-forma-Ausschreibung ihre Mitarbeiter unter Druck zu setzen. Motto: Wer nicht spurt, wird ganz schnell aussortiert.

  • Getesteter Marktwert

    Aus Unternehmenssicht ist es immer wertvoll zu wissen, wo man steht: Wie attraktiv ist man eigentlich für Bewerber? Gibt es Bewerbungen und wenn ja, in welcher Menge? Geringer Rücklauf ist ein Indiz dafür, dass die Außendarstellung überarbeitet werden sollte.

  • Schnelles Marketinginstrument

    Eine Anzeige in einer Jobbörse ist deutlich günstiger als eine aufwendig gestaltete Medienkampagne. Nicht zu unterschätzen ist beispielsweise die Mundpropaganda durch Bewerber. Und der Konkurrenz wird signalisiert, dass alles zum Besten steht. Kommt es ans Tageslicht, dass es sich bei den Anzeigen allerdings um Pro-forma-Ausschreibungen handelt, dürfte die Mundpropaganda eher negativen Effekt auf die Reputation haben.

  • Illegaler Datenhandel

    Bei Stellenausschreibungen im öffentlichen Dienst haben Sie nichts zu befürchten. Es soll allerdings vorkommen, dass Briefkastenfirmen mit Pro-forma-Ausschreibungen arbeiten. Hier geht es einzig und allein darum, die Daten der Bewerber zu erhalten und weiterzuverkaufen. In jüngster Vergangenheit von Datenhändlern betroffen war die Jobbörse der Arbeitsagentur, in der nach Recherchen von Journalisten 100.000 Fake-Jobangebote gelöscht wurden.

Öffentlicher Dienst: Müssen Stellen ausgeschrieben werden?

Warum gibt es Pro-forma-Ausschreibungen?Ein klares: kommt darauf an. Nach § 8 des Bundesbeamtengesetzes müssen Beamtenstellen im öffentlichen Dienst öffentlich ausgeschrieben werden, um sicherzugehen, dass öffentliche Ämter allen Bürgern und Bürgerinnen realisierbar zugänglich sind.

Ob diese Verpflichtung für für Arbeitnehmer im Angestelltenverhältnis im öffentlichen Dienst besteht, ist zumindest umstritten. Die Befürworter argumentieren auf Grundlage des Artikels 33 Abs. 2 des Grundgesetzes (GG), dass eine Pflicht besteht. Kritiker halten dagegen, dass es keine allgemeine Pflicht gebe, aber aus einschlägigen Gesetzen sowie den Verwaltungsvorschriften eine Verpflichtung abgeleitet werden könne – so der Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 14.01.2010, Az. 6 P 10/09.

Denkbar ist außerdem eine Ausschreibungspflicht nach § 6 des Bundesgleichstellungsgesetzes, wenn in einem bestimmten Bereich Frauen oder Männer unterrepräsentiert sind. Damit möchte der Gesetzgeber erreichen, dass die Zahl der Bewerber oder der Bewerberinnen steigt.

Welche Verpflichtungen bestehen in der Privatwirtschaft?

Anders verhält es sich in der Privatwirtschaft. Es besteht keine generelle Verpflichtung des Arbeitgebers, Stellen öffentlich oder intern auszuschreiben. Das erklärt auch, warum es einen verdeckten Stellenmarkt gibt:

Jobboerse Job Finden Verdeckter Stellenmarkt Grafik

Viele Stellen werden gar nicht erst ausgeschrieben, weil sich die offene Stelle beispielsweise erst kurzfristig ergeben hat. Und nicht zuletzt sind Stellenanzeigen mit großem Aufwand für Unternehmen verbunden:

Es muss nicht nur eine passende Annonce aufgegeben werden, die Kräfte der zuständigen Personen (nicht jedes Unternehmen hat gleich einen eigenen Personaler oder eine Human Resources Abteilung) sind gebunden und stehen für anderes nicht zur Verfügung. Und dann wäre da noch der Kostenfaktor durch das publizierende Medium und die Zeitinvestition für ungeeignete Bewerber.

So kann also so manche Initiativbewerbung zum gewünschten Ergebnis führen, obwohl dem äußeren Anschein nach gar kein Bedarf existierte.

Eine Ausnahme gibt es allerdings dennoch: Größere Unternehmen verfügen über einen Betriebsrat und der muss in einigen Belangen angehört werden oder hat sogar Mitspracherecht.

Nach § 93 des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) kann der Betriebsrat eine innerbetriebliche Stellenausschreibung verlangen, wenn Arbeitsplätze allgemein oder für bestimmte Tätigkeiten besetzt werden sollen.

6 Anzeichen für eine Pro-forma-Ausschreibung

Für externe Bewerber sind Pro-forma-Ausschreibungen ein Ärgernis. Das ist so, als würde man zu einer Party eingeladen, sich herausputzt – um dann am Türsteher zu scheitern. Reine Zeitverschwendung also. Damit Ihnen das nicht passiert, haben wir drei Anzeichen gesammelt, an denen Sie eine solche Pro-forma-Ausschreibung rechtzeitig erkennen können.

Eine Garantie, dass es sich dabei jedes Mal um eine Fake-Stellenanzeige handelt, gibt es natürlich nicht. Manche Stellenangebote sind auch einfach nur schlecht formuliert. Je mehr dieser Indizien allerdings zutreffen, desto eher sollten Sie abwägen, ob Sie bereit sind, das Risiko und den Aufwand einzugehen…

  1. Detailliertes Stellenangebot

    Beim Lesen einiger Ausschreibungen sollten Sie darauf achten, wie detailliert die Stelle beschrieben wird. Manchmal erscheint es so, als ob sie auf eine ganz konkrete Person zugeschnitten ist. Dies ist ein deutliches Indiz dafür, dass für die Stelle schon ein interner Mitarbeiter vorgesehen ist, der eben zu 100 Prozent auf diese Beschreibung passt – und damit automatisch zur Idealbesetzung wird.

  2. Spezielle Anforderungen

    Nicht selten sind in diesen Stellenanzeigen Fähigkeiten und Erfahrungen beschrieben, die kaum so zu finden sind. Es werden spezielle Praktika oder Aufgaben vorausgesetzt, die der zukünftige Arbeitnehmer schon gemacht haben soll. Klar, auch hier passt die Beschreibung eigentlich nur auf einen Lebenslauf, den das Unternehmen natürlich schon kennt.

  3. Neuartige Jobtitel

    Jobtitel, von denen Sie noch nie gehört haben, wirken im ersten Moment sehr interessant: Suggeriert es doch ein junges, aufstrebendes Unternehmen mit spannenden Aufgaben. Im zweiten Moment sollten Sie allerdings stutzig werden. Denn es kann gut sein, dass interne Umstrukturierungen ablaufen und die Stelle so gar nicht mehr existiert, weil kurzfristig anders entschieden wurde.

  4. Umfangreiche Erfahrungen

    Die beschriebenen Erfahrungen erwecken den Eindruck, dass der Bewerber gefühlte 60 sein muss, um sie alle mitzubringen. Im Grunde sagt eine solche Stellenofferte: Keine Chance, versuch es erst gar nicht!

  5. Befristetes Angebot

    Wird in einer Stellenanzeige auf einen befristeten Arbeitsvertrag hingewiesen, ist das nicht per se ein Zeichen für eine Pro-forma-Ausschreibung. Allerdings kennen Unternehmen die Tricks, mit denen man potenzielle Bewerber abschrecken kann – und ein auf sechs Monate befristetes Arbeitsverhältnis wirkt auf viele nicht gerade attraktiv. Dass dahinter in Wirklichkeit eine Festanstellung steht, muss ja keiner wissen.

  6. Wiederkehrende Anzeige

    Auch wenn eine Anzeige mit ein- und derselben Stelle alle paar Monate wieder auftaucht, handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Pro-forma-Ausschreibung. Ist die Stellenausschreibung tatsächlich dennoch ernst gemeint, gibt es zwei bedenkenswerte Punkte:

    • Die Personalverantwortlichen sollten ihre Kriterien zur Bewerberauswahl überprüfen.
    • Offenbar liegt hier eine hohe Fluktuationsrate vor. Als Bewerber sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie für dieses Unternehmen arbeiten wollen.
[Bildnachweis: Stokkete by Shutterstock.com]

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6. September 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Taralej widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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