Rache: Warum sich Rachsucht rächt

Rachegedanken sind allzu menschlich. Wir wollen es anderen heimzahlen und Unrecht (zumindest nach eigenem Empfinden) ausgleichen. Rache ist der Stoff zahlreicher Dramen. Ein erster Hinweis für den schädlichen Charakter der Rache, da Dramen selten für alle Beteiligten ein gutes Ende nehmen. Widerstehen können viele trotzdem nicht. Rache ist bekanntlich süß und die Aussicht auf Genugtuung zu verlockend. Das mag nachvollziehbar sein, klug ist es hingegen nicht. Denn Rachsucht rächt sich – vor allem an uns selbst…

Rache: Warum sich Rachsucht rächt

Ursachen und Gründe: Warum rächen wir uns überhaupt?

Wer verärgert ist, sinnt auf Rache. Das lässt sich an vielen Stellen beobachten. Kinder ärgern Spielkameraden zurück, Kollegen rächen sich für fiese Kommentare anderer Mitarbeiter, Partner bestrafen Fehlverhalten mit Liebesentzug und Ablehnung. Bleibt die Frage: Warum haben wir ein Bedürfnis nach Rache?

Ein häufiger Grund für Rache ist die reine Wut, die uns packt. Fühlen wir uns ungerecht und schlecht behandelt, wächst Ärger und kann sogar zu blankem Hass werden. Daraus resultiert der Wunsch, es dem anderen mit gleicher Münze heimzuzahlen und ihm zu schaden.

Ursache für Rache kann auch das Gerechtigkeitsempfinden sein. Es fällt schwer, ein Unrecht zu ignorieren. Gerade wenn das eigene Ego angekratzt ist. Mit dem Bedürfnis nach Gerechtigkeit fühlt man sich besser, der Respekt vor der eigenen Person steigt und wir machen (uns selbst und anderen) deutlich, dass wir uns nicht alles gefallen lassen.

Rache kann außerdem als Demonstration von Macht genutzt werden. Menschen rächen sich, um dem anderen zu zeigen: Ich kann dir noch viel Schlimmeres antun, als du mir. Dahinter steckt meist eine tiefe emotionale Kränkung.

Zu guter Letzt gilt: Rache ist süß – zumindest aus neurologischer Sicht. Wissenschaftler der Universität Zürich zeigten, dass bei Rachegelüsten das Belohnungszentrum im Gehirn aktiv ist.

Rachegelüste verraten eine narzisstische Kränkung

Rache Psychologie Tipps BeispieleDoch Rache ist gefährlich. Sie ist nicht nur eine Reaktion auf bemerkte Ungerechtigkeit, sondern oft nichts weiter als eine narzisstische Beschädigung und damit ein sicheres Indiz für verletzte Eitelkeit und ein geschwollenes Ego.

Manche Betroffene neigen im Anschluss gar zu wutschnaubenden Vendettas. Fatal!

Wesentlich häufiger aber bedient sich die Rache im Job passiver Formen. Das sprichwörtliche Messer im Rücken ist (zum Glück) eine seltene Ausnahme. Dafür sterben Racheopfer umso häufiger den Tod von Tausend Nadelstichen: Sie werden ignoriert, übergangen, desinformiert und ihr Ruf Stück um Stück dekonstruiert.

Sicher, in der externen Wirkung ist diese Taktik für die Selbstjustiziare besser, denn direkte Rache wirkt immer kleinlich und schwach. Letztlich will keiner den Eindruck erwecken, ihn würde wirklich tangieren, was der andere ihm angetan hat. Mit der Helden-Attitüde wäre es dann vorbei. Wer will, dass andere ihm folgen, braucht stets eine Aura der Stärke und der Unverwundbarkeit. Auch wenn jeder halbwegs Vernunftbegabte insgeheim weiß, dass es eben nur das ist: eine Aura. Künstlich noch dazu.

Rache schadet: Nachteile von Rachegelüsten

Mit der Rache wollen Sie einem anderen schaden. Im extremen Fall körperlich, meist richten sich die Angriffe jedoch nicht auf das körperliche, sondern das psychische Wohlbefinden. Was nicht bedacht wird: Rache schadet vor allem Ihnen selbst, wie die folgenden Nachteile zeigen:

  • Ihre Karriere leidet

    Auf Ungerechtigkeit im Job mit Rache reagieren? Keine gute Idee! Wer im Arbeitsverhältnis zu Rachegefühlen oder gar Sabotage neigt, schadet sich nur selbst. Eine Studie zeigte: Wer darauf sinnt, es anderen heimzuzahlen, schadet seiner Motivation und Laufbahn. Die Betroffenen sind irgendwann so von ihrer Wut zerfressen, dass sie selber (innerlich) kündigen oder gar gekündigt werden. Die Leistung sinkt, Betroffenen strengen sich weniger an, kommen öfter zu spät, machen mehr Fehler. Das fällt anderen auf und irgendwann auch dem Chef.

    Effekt: Die Reputation verschlechtert sich, Abmahnungen folgen – bis zur Kündigung. Interessant daran: Männer neigen eher zur Rache als Frauen.

  • Ihnen geht es langfristig schlechter

    Rache soll Genugtuung und Befriedigung bringen. Wir wollen uns gut fühlen, nachdem wir es dem anderen gezeigt haben. Im ersten Moment tritt ein solcher Effekt ein, Studien zeigen jedoch: Bereits nach kurzer Zeit führt Rache dazu, dass Sie unzufriedener als zuvor sind. Verschiedene Experimente konnten zeigen, dass Probanden, die sich gerächt haben, später zu mehr Wut und negativeren Gedanken neigten.

    Durch die Rachegedanken beschäftigen Sie sich viel länger mit negativen Dingen, ärgern sich weiterhin über den Auslöser und zweifeln sogar daran, ob die Rechnung wirklich beglichen ist. Sie können sich nicht von dem Thema lösen und leiden über einen längeren Zeitraum.

  • Sie bereuen es später

    Zwar wird Rache in den meisten Fällen geplant, doch handeln Sie in einer aufgeladenen Emotionslage. Verletzter Stolz und Wut lassen Sie möglicherweise Entscheidungen treffen, die Sie später bereuen werden. Sich am ungerechten Chef zu rächen, kann nicht nur den aktuellen Job kosten, sondern im schlimmsten Fall Folgen für die gesamte Karriere haben.

    Brücken, die aus Rache einmal abgerissen wurden, lassen sich nicht mehr aufbauen, wenn die Wogen sich geglättet haben. Dies gilt umso mehr für Beziehungen. Wer ein Fehlverhalten des Partners doppelt oder dreifach zurückzahlt, macht mehr kaputt, als er vielleicht möchte.

  • Sie starten einen Kreislauf

    Ihnen wurde Unrecht getan und revanchieren sich mit einem Racheakt. Der ursprüngliche Übeltäter lässt dies nicht auf sich sitzen und rächt sich seinerseits an Ihnen… Rache kann einen endlosen Kreislauf in Gang setzen, bis einer der Beteiligten die Größe aufbringt, diesen zu unterbrechen.

    Besonders problematisch: Mit jedem Racheakt steigt die Intensität. Jede neue Aktion muss die vorherige übertreffen, noch größeren Schaden anrichten. Eine Spirale, die schnell außer Kontrolle gerät.

Tipps: Gute Alternativen zur Rache

Jeder kennt Rachegefühle und den Wunsch, es anderen heimzuzahlen. Klüger ist indes die Haltung, die schon der englische Staatsmann und Philosoph Francis Bacon auf den Nenner brachte:

Wer Rache nimmt, ist nicht besser als sein Feind; verzichtet er aber darauf, dann ist er ihm überlegen.

Große Worte, die leider nicht leicht umzusetzen sind. Um Ihnen zu helfen, geben wir Ihnen einige Alternativen zur Rache an die Hand:

  • Werden Sie immun gegen Attacken

    Warum Rache nehmen, wenn die Attacken Ihnen egal sein könnten? Mit mehr Gelassenheit und einem größeren Selbstwertgefühl können Sie immun werden. Gelingt es anderen nicht, Sie wirklich zu verärgern und an Ihrem Selbstbild zu rütteln, ergibt sich für Sie kein Grund, an Rache zu denken.

  • Suchen Sie das offene Gespräche

    Sie fühlen sich angegriffen und verletzt? Dann planen Sie nicht Ihre Rache, sondern suchen Sie das Gespräch. Schildern Sie Ihre Gefühle, geben Sie Ihrem Gegenüber die Chance, sich zu erklären. So kann ein Problem gleich aus der Welt geschafft werden – oder Sie merken, dass es an der Zeit ist, dem anderen den Rücken zu kehren.

  • Ignorieren Sie Provokationen

    Sticheleien und Provokationen können gezielt eingesetzt werden, um eine Reaktion hervorzurufen. Anders ausgedrückt: Ihr Gegenüber will, dass Sie sich aufregen und an Rache denken. Gehen Sie auf ein solches Spiel nicht ein. Zeigen Sie keine Rachegelüste, sondern die kalte Schulter. Ignorieren Sie die Attacken und demonstrieren Sie, dass die Versuche des anderen Ihnen herzlich egal sind.

  • Suchen Sie sich ein anderes Ventil

    Rache kann ein Ventil sein, um Wut abzubauen. Denselben Effekt können Sie mit besseren Alternativen erzielen, die weniger Nachteile mitbringen. Der Klassiker ist Sport. Hier trainieren Sie Ihren Frust regelrecht weg. Möglich ist auch, dass Sie mit dem Partner oder guten Freunden herzhaft über den Verursacher des Ärgers lachen.

  • Haben Sie großen Erfolg

    Den Balsam der Vergeltung genießen wir auch dann, wenn wir nach erlittener Ungerechtigkeit wieder auf die Beine kommen und besser dastehen als zuvor. „Die beste Rache ist massiver Erfolg“, sinnierte einst Frank Sinatra. In der Vorstellung ist der Plan, uns eins auszuwischen, damit nachträglich gescheitert. Aus der ersten Niederlage wird ein später Sieg – jedoch nur, wenn wir sicher sind, dass der Missetäter auch mitbekommt, wie gut es uns geht.

  • Verzeihen Sie dem Angreifer

    Verzeihen ist die vielleicht beste Rache, die Sie nehmen können. So zeigen Sie wahre Größe und mentale Stärke. Sie lassen sich nicht auf das Niveau des anderen herab, sondern stehen über den Angriffen. Ohne einen Gegenangriff aus Rache können Sie zeigen, wer stärker aus dem Disput hervorgeht.

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
23. Mai 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Taralej. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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