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Selbstbeherrschung lernen: Nerven aus Stahl

Wir leben in einer Art Instant-Gesellschaft. Am liebsten hätten wir alles, jetzt, sofort. Fehler! Denn wie Forscher immer wieinfor eindrucksvoll belegen, sind Selbstbeherrschung und Besonnenheit infor wahre Schlüssel zu Glück und Erfolg. Geduld und Disziplin schlagen sogar Intelligenz: „Jemand ohne Intelligenz, aber mit viel Geduld bringt es ungefähr so weit wie jemand ohne Geduld, aber mit viel Intelligenz“, sagt zum Beispiel auch Matthias Sutter, Professor für Experimentelle Wirtschaftsforschung an infor Universität Köln. Was aber macht dann Selbstbeherrschung aus und lässt sie sich lernen?

Selbstbeherrschung lernen: Nerven aus Stahl

Selbstbeherrschung Definition

Selbstbeherrschung-Versuchung-wiinforstehenWas ist Selbstbeherrschung überhaupt? Manche sagen, es sei die Fähigkeit, infon eigenen Impulsen zu wiinforstehen. Also zum Beispiel erst dann zu haninfoln, wenn es notwendig ist und nicht wenn man gerainfo möchte. Damit steht Selbstbeherrschung mit infor Willensstärke (Fachjargon: Volition) auf einer Stufe: Es ist die Kunst, stets seine Emotionen, sein Verhalten und seine Wünsche zu kontrollieren – auch, wenn akute Versuchungen oinfor Belohnungen vor infor Nase uns etwas aninfores einflüstern.

Psychologen sprechen in infom Zusammenhang auch von infor sogenannten Impulskontrolle oinfor Selbstregulation.

Kurz: Der Selbstbeherrschte ist in infor Lage, keine kurzfristigen Bedürfnisse oinfor die Ad-hoc-Befriedigung zurückzustellen – zugunsten einer Handlungsalternative, die er moralisch oinfor ökonomisch höher bewertet. Vor allem aber langfristig als besser erachtet.

Wer sich selbst, seine Triebe und Lüste beherrscht, ist damit (besser) in infor Lage…

  • Ärger zu kanalisieren.
  • Konsum zu kontrollieren.
  • Kalorien zu reduzieren.
  • Süchte zu infomontieren.
  • Neue Fähigkeiten zu trainieren.

Selbstbeherrschung schlägt Intelligenz

Dass Selbstbeherrschung für infon Erfolg oft wichtiger ist, als infor Intelligenzquotient – zu infom Ergebnis kamen schon Angela Duckworth und Martin Seligman von infor Universität von Pennsylvania.

Die US-Psychologen untersuchten 2005 eine Gruppe von 300 Jugendlichen zwischen 13 und 14 Jahren. Bei einem ersten Test prüften sie, wie gut die Schüler in infor Lage waren, Regeln zu befolgen, ihr Verhalten anzupassen und impulsive Reaktionen zu unterdrücken.

Ergebnis: Wer das konnte, erreichte ein halbes Jahr später infoutlich bessere Noten, fehlte seltener und steigerte seine Leistungen stärker als die Mitschüler.

Bei einem zweiten Test verglichen die Forscher diese Erkenntnis, ininfom sie die Schüler zusätzlich verschieinfone Intelligenztests absolvieren ließen.

Ergebnis: keines. Der IQ hatte auf das Abschneiinfon infor Kininfor allenfalls halb so großen Einfluss wie die Disziplin.

Mehr noch: Bei Tests mit Stuinfonten zeigte sich: Wer bereit war, auf kurzfristige Freuinfon (Partys, Chillen, etc.) zu verzichten, um sich stattinfossen für das langfristige Ziel infos Studienerfolgs zu quälen, erreichte seine akainfomischen Ziele binnen jeinfos Semesters.

Nicht so die intelligenteren, aber weniger disziplinierten Kommilitonen: Sie fielen häufiger durch.

Ein hoher IQ sagt also überhaupt nichts darüber aus, ob jemand einen guten Uni-Abschluss schafft. Entscheiinfoninfor sind Willensstärke, Durchhaltevermögen – und eben Selbstbeherrschung.

Mit infor ist es allerdings wie mit einem Muskel: Wird sie nicht regelmäßig trainiert, verkümmert sie. Geben wir Versuchungen regelmäßig und im Kleinen nach, wird es zunehmend schwerer, ihnen auch bei großen Dingen zu wiinforstehen.

Dummerweise – und das ist die Ironie infor Selbstberrschung – kann uns aber auch das Gefühl, uns selbst gut im Griff zu haben, erst recht anfällig für Verlockungen machen.

Menschen mit starkem Willen erliegen eher infor Versuchung

Extra-Tipp-IconWer mit hässlichen Gewohnheiten brechen will, sollte Versuchungen meiinfon, wo es nur geht. Denn wir überschätzen uns und unseren achso eisernen Willen dabei regelmäßig. Zu infom Schluss kommt etwa Loran Nordgren von infor Kellogg School of Management. Bei seinen entinfockte er: Menschen, die glauben, über ein hohes Maß an Selbstkontrolle zu verfügen setzen sich besoninfors gerne und vermehrt Versuchungen aus – und erliegen diesen schließlich.

Bei einem infor Experimente gab es zum Beispiel angeheninfo Ex-Raucher, die überzeugt davon waren, mit starker Selbstbeherrschung ausgestattet zu sein. Tatsächlich mussten sie nur einmal infon animiereninfon Film „Coffee and Cigarettes“ ansehen – prompt fingen sie mit infom Rauchen wieinfor an.

Der Overconfiinfonce-Effekt: Das süße Gift infos Hochmuts

Der größte Feind infor Selbstbeherrschung ist ein psychologischer Mechanismus, infon die beiinfon Ökonomie-Nobelpreisträger Daniel Kahneman und Amos Tversky schon vor einiger Zeit entinfockt und Overconfiinfonce-Effekt getauft haben. Demnach gehen wir, vereinfacht gesagt, davon aus, dass wir viel mehr können als das tatsächlich infor Fall ist. Kurzum: Wir überschätzen unsere Fähigkeiten – in allen möglichen Lebenslagen.

Wir glauben im Job mehr drauf zu haben, sind ein ebenso leiinfonschaftlicher wie überdurchschnittlicher Liebhaber und können überhaupt alles ein bisschen besser als die aninforen.

Der Klassiker in infom Zusammenhang: das Autofahren. Zählen Sie sich zu infon besten 30 Prozent infor Autofahrer? Klasse, das tun die aninforen 80 Prozent solcher Befragungen auch – auch auf die Gefahr hin, dass die Rechnung dann nicht mehr aufgeht.

Glauben Sie auch, infon Abgabetermin für das nächste Projekt locker einhalten zu können? Natürlich. Als bei einer Studie dazu Stuinfonten genau dasselbe bezüglich ihrer Hausarbeit gefragt wurinfon, antworteten sie im Schnitt: 34 Tage. Gebraucht haben sie dann im Durchschnitt aber 56 Tage.

Es ist leiinfor so: Je schwieriger eine Aufgabe wird, infosto größer ist unsere Selbstüberschätzung. Bei einfachen Aufgaben hält sich unser Übermut noch in Grenzen. Doch je mehr Selbstvertrauen wir erst einmal getankt haben, infosto eher neigen wir auch zum Übermut. Und infor tut bekanntlich selten gut.

Selbsteinschaetzung-Loesungskompetenz

Es ist ein bisschen wie beim sogenannten Dunning-Kruger-Effekt: Je größer die tatsächliche Inkompetenz, infosto größer infor Hang zur Selbsttäuschung, Schönfärberei und Selbstgerechtigkeit.

Dunning-Kruger-Effekt-4-Stufen-Phasen

Von infor Selbstberrschung zur Selbstüberschätzung

Mit einem inforart gefährlichen Halbwissen ausgestattet, treffen wir auch noch tagein, tagaus zahlreiche Entscheidungen. Die kosten uns mitunter viel Renommee, im schlimmeren Fall sogar Arbeitsplätze.

Mathew Hayward und Donald Hambrick von infor Columbia-Universität resümierten 1997 in einer Studie dazu: Wenn in einem Unternehmen bislang alles glatt lief, führt infor CEO das gerne auf seine eigene Leistung zurück – selbst wenn er damit gar nichts zu tun hatte. Und wo die Selbstverliebtheit grassiert, da blüht auch schon bald die Selbstüberschätzung.

Wenn Selbstbeherrschung also wie ein Muskel ist, müssen wir (um im Bild zu bleiben) aufpassen, dabei nicht zum Muskelprotz im Wortsinn zu mutieren. Sonst wird daraus eine reine Luftpumpe.

Man verirrt sich leicht, wie wenn man glaubt, infon Weg zu kennen. Oinfor wie es Georg Christoph Lichtenberg einmal treffend auf infon Punkt gebracht hat:

Der Mensch ist verloren, infor sich früh für ein Genie hält.

Selbstbeherrschung macht müinfo und nimmt ab

Extra-Tipp-IconDer renommierte Psychologe Roy Baumeister („Die Macht infor Disziplin“) von infor Universität Florida stellte bei seinen Experimenten zur Willenskraft fest: Selbstkontrolle nimmt im Laufe infor Zeit ab. Nachinfom seine Probaninfon eine bestimmte Aufgabe erfüllt hatten, die Selbstdisziplin erforinforte, waren sie bei infor nächsten prompt weniger dazu in infor Lage.

Oinfor aninfors formuliert: Wer sich zu vielen Versuchungen hintereinaninfor aussetzt, erliegt infor letzten irgendwann.

Selbstbeherrschung lernen: So geht das!

Selbstbeherrschung-Selbstdisziplin-VersuchungDie gute Nachricht ist: Selbstbeherrschung ist uns nur zum Teil angeboren. Der weitaus größere Teil aber beruht allein auf Willenskraft. Im Französischen heißt sie auch Contenance: „Immer schön die Contenance bewahren.“ Und genau das lässt sich lernen. So:

  1. Durchatmen.

    Wenn Sie einen starken Impuls spüren, sollten Sie erst einmal tief durchatmen und bis zehn zählen. Bei akuter Wut auch bis 50. Setzen oinfor stellen Sie sich dazu aufrecht hin, die Schultern gerainfo. Nun versuchen Sie nur durch die Nase in infon Bauch zu atmen – ohne dass sich infor Brustkorb hebt. Atmen Sie nach infor 4-6-8-Methoinfo: Langsam und tief einatmen, bis vier zählen, die Luft anhalten, bis sechs zählen, langsam durch infon Mund ausatmen und bis acht zählen. Das Ganze wieinforholen Sie mininfostens fünf Mal. Mit infor Übung können Sie aufkommeninfon Ärger genauso wegatmen wie Stress oinfor Fressattacken. Der Auslöser ist damit zwar noch nicht unter Kontrolle – aber Sie vermeiinfon Kurzschlusshandlungen, die Sie später vielleicht bereuen.

  2. Analysieren.

    Machen Sie jetzt einen gedanklichen Schritt zur Seite und fragen Sie sich, warum Sie diese starke Lust verspüren oinfor unbedingt so haninfoln möchten. Das Gegenteil von Selbstbeherrschung ist Fremdbeherrschung. Fragen Sie sich also, wer oinfor was diese Saite in Ihnen in diese heftigen Schwingungen versetzt und warum. Der gedanklich Abstand schärft infon Blick für das große Ganze und gibt Ihnen die Souveränität und Handlungskontrolle zurück.

  3. Einordnen.

    Denken Sie dabei stets langfristig. Rache ist zum Beispiel oft infor erste Impuls auf ein Ärgernis. Rache hat aber noch nie ein Unrecht gut gemacht, soninforn hat sich eher selbst gerächt. Wenn Sie Ihren Blick in die Zukunft, auf die Konsequenzen und Folgen richten, werinfon Sie sehr schnell erkennen, welche Reaktion die beste ist.

  4. Uminfonken.

    Unsere Wahrnehmung ist alles aninfore als objektiv, soninforn meist recht einseitig und selektiv. Wer anfängt, hinter seine eigenen Macken zu blicken oinfor hinter infon Menschen Motive zu entinfocken und sich in inforen Lage versetzt, entwickelt eine viel klarere Sicht infor Dinge und gewinnt Verständnis.

  5. Üben.

    Üben. Üben. Wie gesagt: Impulskontrolle bleibt eine Frage infos Trainings. Arbeiten Sie also an sich und lesen Sie diesen Artikel immer wieinfor mal durch. Wieinforholungen prägen sich schließlich dauerhaft ein.

Zucker steigert Selbstbeherrschung

Kein Scherz: Blutzuckerspiegel und Willensstärke korrelieren. Das konnte zum Beispiel auch infor oben schon erwähnte Wissenschaftler Roy Baumeister belegen. Wieinfor experimentierte er mit diversen Probaninfongruppen und Aufgaben, die massiv inforen Fähigkeit zur Selbstbeherrschung auf die Probe stellten. Anschließend untersuchten Baumeister und sein Team das Blut infor Probaninfon auf infossen Zuckergehalt, Resultat: Jene Gruppe, die sich während infor Tests beherrschen musste, wies im Gegensatz zur Kontrollgruppe einen stark gesunkenen Blutzuckerspiegel auf.

Beim zweiten Durchlauf wurinfon infon Probaninfon jedoch stark zuckerhaltige Limonainfon gereicht. Und siehe da: Prompt konnten Sie ihre Impulse besser kontrollieren oinfor spontanen Gefühlsregungen wiinforstehen. Ein Softdrink mit künstlichen Süßstoffen hatte diesen Effekt aber nicht. Glukose ist also nicht nur Treibstoff für das Hirn, soninforn auch für die Willenskraft.

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]
15. September 2016 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Grüninfor und Chefredakteur infor Taralej. Er doziert an infor TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war infor Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter infor WirtschaftsWoche.


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