Telefoninterview: Tipps und typische Fragen

Wir telefonieren täglich – ob beruflich oder privat. Das schmälert die Nervosität vor einem Telefoninterview nur selten. Der Druck ist groß: Überzeugen Sie am Telefon den Personaler, sind Sie dem Job einen großen Schritt näher. Sagen Sie das Falsche, wird Ihre Bewerbung aussortiert. Immer mehr Unternehmen nutzen das Telefoninterview in der Personalauswahl. Bewerber müssen vor der persönlichen Einladung mit einem telefonischen Vorstellungsgespräch rechnen – nur wenige sind darauf vorbereitet. Um Ihre Chancen für das Telefoninterview zu steigern, beantworten wir die wichtigsten Fragen, geben Ihnen zahlreiche Tipps an die Hand und zeigen typische Fragen, die Ihnen im Telefoninterview begegnen können…

Telefoninterview: Tipps und typische Fragen

Gründe: Warum nutzen Unternehmen ein Telefoninterview?

Das Telefoninterview erfreut sich im Bewerbungsprozess wachsender Beliebtheit. Waren es lange Zeit vor allem große Konzerne, die Bewerber zum Telefongespräch gebeten haben, nutzt heute ein Großteil der Unternehmen die zusätzliche Instanz.

Gründe dafür sind zum einen wirtschaftlich und organisatorisch: Telefoninterviews sparen Geld und Zeit. Für Personaler ist es kaum möglich, persönliche Vorstellungsgespräche mit allen interessanten Kandidaten zu führen, die sich aus den Bewerbungsunterlagen ergeben. Dies würde viel zu lange dauern und durch die Anreise große Kosten verursachen.

Zusätzlich haben Arbeitgeber weitere gute Gründe, um ein Telefoninterview durchzuführen:

  • Eignung wird überprüft

    Gemeint sind hier zum einen wichtige Qualifikationen und Fähigkeiten, die für die Position benötigt werden. Möchte ein Personaler hier noch einmal nachfühlen, kann das Telefoninterview ein geeigneter Weg sein. Zum anderen geht es auch um eine persönlichere Einschätzung, ob ein Bewerber zum Unternehmen und zum Team passt.

  • Offene Fragen werden beantwortet

    Ihre Bewerbungsunterlagen sollten alle wichtigen Informationen liefern, einige Fragen bleiben trotzdem meist offen. In einem Telefoninterview können diese vorab beantwortet werden. Dazu zählen beispielsweise:

    • Haben Sie womöglich Lücken im Lebenslauf, die erklärungsbedürftig sind?
    • Waren Sie längere Zeit im Ausland und keiner weiß so richtig, warum?
    • Sind Sie schon eine längere Zeit arbeitsuchend oder hangeln sich mit Praktika durch?
  • Auswahl wird eingegrenzt

    Bei 50, 100 oder mehr Bewerbungen wird die richtige Wahl immer schwieriger. Selbst nach der Vorauswahl sind zu viele Kandidaten übrig. Um falsche Entscheidungen zu verhindern, wird das Telefoninterview als zusätzlicher Schritt genutzt, um den Bewerberkreis gezielt auszusortieren. Oft werden deshalb Kriterien festgelegt, auf die im Telefoninterview besonders geachtet wird.

Ablauf: Das erwartet Sie im Telefoninterview

Ein Telefoninterview ist dem persönlichen Vorstellungsgespräch von Angesicht zu Angesicht sehr ähnlich. Der Ablauf kann sich individuell je nach Unternehmen und Personaler unterscheiden, grundsätzlich orientiert sich ein telefonisches Bewerbungsgespräch dennoch meist an einem roten Faden.

  • Begrüßung und Selbstpräsentation

    Zu Beginn des Telefoninterviews steht eine kurze Begrüßung, bei denen sich Ihr Gesprächspartner vorstellt. Anschließend sind Sie an der Reihe, stellen sich kurz vor und werden vom Personaler aufgefordert, einen Überblick über Ihren bisherigen Werdegang zu geben. Orientieren Sie sich dabei an Ihrem Lebenslauf und konzentrieren sich dabei auf die Stellen, die für die angestrebte Position besonders wichtig sind.

    Rechnen Sie mit Rückfragen zu einzelnen Punkten, wenn der Personaler zusätzliche Details wissen möchte.

  • Erwartungen und Anforderungen

    Das Telefoninterview soll zeigen, ob Sie zur Position und zum Unternehmen passen. Oft fragt der Gesprächspartner deshalb nach Ihren Vorstellungen und Erwartungen, die Sie mitbringen. Andersherum können auch Anforderungen genannt werden, um Ihnen auf den Zahn zu fühlen.

  • Fragen und Informationen

    Wie im persönlichen Vorstellungsgespräch sind Fragen auch im Telefoninterview ein zentraler Aspekt. Personaler nutzen das Gespräch, um mehr über Sie zu erfahren, benötigte Informationen abzufragen oder hinter die Fassade der Bewerbungsunterlagen zu blicken. Eine umfangreiche Liste mit typischen Fragen im Telefoninterview finden Sie am Ende des Artikels.

  • Bedingungen und Organisatorisches

    Im Telefoninterview werden gerne noch einmal die Rahmenbedingungen und organisatorische Punkte geklärt. Dazu zählen beispielsweise ein mögliches Einstiegsdatum oder in einigen Fällen Ihre Gehaltsvorstellungen.

  • Rückfragen und Verabschiedung

    Zum Ende des Gesprächs haben Sie die Möglichkeit, ebenfalls Fragen zu stellen. Eine gute Gelegenheit, um wichtige Informationen in Erfahrung zu bringen oder die eigene Entscheidung zu festigen. Mit der Verabschiedung folgt meist der Hinweis auf das weitere Vorgehen, wann Sie etwa mit einer weiteren Rückmeldung rechnen dürfen.

Wann findet das Telefoninterview statt?

Telefoninterview Vorbereitung Tipps BegrüßungUnternehmen versenden in der Regel per E-Mail eine schriftliche Ankündigung für das Telefoninterview. In diesem Schreiben wird ein Termin vorgeschlagen, den Sie mit einer kurzen Antwort bestätigen sollten. Gibt es gute Gründe, weshalb Sie den vorgeschlagenen Termin nicht wahrnehmen können, dürfen Sie Ihrerseits alternative Termine vorschlagen.

Vereinzelt setzen Personaler auf ein Überraschungsmoment und rufen ohne vorherige Terminankündigung bei Bewerbern an. In dieser Situation liegt es an Ihnen: Sind Sie bereits gut gerüstet, fühlen sich der Herausforderung gewappnet und genügend Zeit für ein spontanes Telefoninterview? Wer dazu bereit und in der Lage ist, kann seine Kompetenz und Selbstsicherheit unter Beweis stellen.

Sie können ein solches Überfall-Interview aber auch ablehnen. Hier brauchen Sie keine großen Rechtfertigungen. Entschuldigen Sie sich einfach, dass Sie gerade keine Zeit oder einen anderen Termin haben. Schlagen Sie gleichzeitig vor, zeitnah einen neuen Termin für das Telefoninterview zu vereinbaren.

Fragen Sie zudem nach, wie lange das Gespräch voraussichtlich dauern wird. So können Sie sich ausreichend Zeit dafür reservieren und die Dauer verrät Ihnen etwas darüber, wie das Gespräch ablaufen wird:

  • Bei einem 20-minütigen Telefoninterview geht es meist nur um ein paar Basisinformationen zu Ihrer Person, ein paar Rückfragen zum Lebenslauf, eventuelle Lücken, die geklärt werden sollen.
  • Dauert das Gespräch eine Stunde sollten Sie mit tiefergehenden Fragen rechnen und sich wie auf ein umfassendes Vorstellungsgespräch vorbereiten – mit Fragen zu Ihrer Persönlichkeit, zu Ihren Plänen und Zielen, eigenen Rückfragen.

Tipps: So wird das Telefoninterview zum Erfolg

Der wichtigste Tipp zuerst: Ein Telefoninterview sollten Sie ebenso ernst nehmen, wie ein Vorstellungsgespräch, bei dem der Personaler Ihnen am Tisch gegenüber sitzt. Mit der richtigen Einstellung überzeugen Sie Personaler und zeigen schon im Telefoninterview ein professionelles und kompetentes Auftreten.

Beachten Sie zusätzlich einige Regeln und Tipps, nehmen Sie die Hürde ohne Probleme. Damit Sie ein erfolgreiches Telefoninterview führen, haben wir zahlreiche Tipps für Sie zusammengestellt – aufgeteilt in die Vorbereitung und Durchführung Ihres Telefoninterviews:

Vorbereitung für das Telefoninterview

  • Gespräch üben

    Telefoninterviews sind keine leichte Aufgabe. Nutzen Sie die Vorbereitung, um das Gespräch mit Freunden oder Ihrem Partner zu üben. Je häufiger Sie die Situation nachgestellt haben, desto sicherer sind Sie beim tatsächlichen Telefoninterview.

  • Informationen sammeln

    Besuchen Sie vorab die Unternehmenshomepage und sammeln Sie so viele Infos wie möglich zu dem Arbeitgeber, zu dessen Größe und Branche, den Produkten, Plänen und Top-Personalien. So können Sie später besser eigene Rückfragen stellen.

  • Stellenanzeige erneut lesen

    Vor dem Telefoninterview sollten Sie einen erneuten Blick in die Stellenanzeige werfen. Rufen Sie sich in Erinnerung, welche Qualifikationen besonders wichtig sind und welche Eigenschaften von Bewerbern erwartet werden. So können Sie diese gezielt hervorheben und Pluspunkte sammeln.

  • Standardfragen kennen

    Einige Fragen (beispielsweise nach Stärken und Schwächen) sind Teil jedes Bewerbungsgesprächs. Die 100 typischen Vorstellungsfragen haben wir schon für Sie gesammelt. Am Anfang stehen meist Fragen zu Lebenslauf und Berufslaufbahn – bereiten Sie dazu knackige Antworten vor.

  • Rückfragen überlegen

    Neben möglichen Antworten sollten Sie selbst einige Fragen vorbereiten, die Sie dem Personaler stellen können. Das dokumentiert Ihr Interesse und zeigt, dass Sie sich weitere Gedanken zum Job und Arbeitgeber gemacht haben.

  • Lebenslauf lernen

    Ihren beruflichen Werdegang müssen Sie perfekt beherrschen und zu jeder Station, jedem Punkt etwas sagen können. Halten Sie also die Bewerbung samt Lebenslauf zur Sicherheit griffbereit.

  • Gesprächspartner recherchieren

    Wenn Sie den Namen Ihres Gesprächspartners vorab kennen: Informieren Sie sich bei Xing oder Linkedin über ihn. So nehmen Sie ihm den Schleier des Unbekannten, wissen, wer am anderen Ende der Leitung sitzt und finden vielleicht weitere wichtige Informationen.

  • Überraschungsanruf erwarten

    Nicht alle Unternehmen geben Ihnen sofort einen festen Termin. Achtung: Stresstest! In der Bewerbungsphase gilt daher: Immer mit vollem Namen melden, Mitbewohner informieren, Anrufbeantworter-Ansage checken und unbedingt professionellen Text aufsprechen.

  • Telefon checken

    Benutzen Sie am besten ein richtiges Telefon, kein Smartphone. Oder aber Sie stellen sicher, dass der Akku aufgeladen und die Verbindung standfest ist. Indem Sie für eine gute Verbindung (im doppelten Wortsinn) und eine sichere Leitung sorgen, unterstreichen Sie Ihre Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt. Nichts ist unangenehmer, als eine plötzlich tote Leitung im Telefoninterview.

  • Offiziell anziehen

    Zugegeben, der Tipp klingt zunächst skurril. Schließlich geht es um ein Telefoninterview, kein Videointerview (siehe unten). Tatsächlich aber färben Körperhaltung und die Wahl unserer Kleidung unbewusst auf unser Verhalten ab. Aus demselben Grund empfehlen Experten Schuhe, Krawatte und Hemd im Heimbüro anzuziehen – und nicht bloß einen Bademantel. Kleiden Sie sich also so, als würden Sie zu einem richtigen Vorstellungsgespräch gehen. Kann sein, dass dies das Lampenfieber kurzfristig erhöht, aber das Adrenalin macht Sie auch aufmerksamer und verbessert Ihre Wirkung. Man hört am Telefon weit mehr als man meint.

Durchführung des Telefoninterviews

  • Hintergrundlärm vermeiden

    Der Personaler möchte Ihre Antworten hören: spielende Kinder, fahrende Autos und bellende Hunde gehören nicht dazu. Radio, TV, Musik im Hintergrund sind ebenso tabu. Das Schlimme daran ist die subtile Aussage, die damit verbunden ist: Meine Priorität gehört dem, was im Hintergrund passiert. Du (und der Job) bist nur zweite Wahl. Nicht gerade das, was man unter einem hochmotivierten Bewerber versteht.

    Bonustipp für Frauen: Große Ohrringe können am Hörer klappern – besser abnehmen.

  • Atmosphäre schaffen

    Eine kurze Frage nach der Laune des Gesprächspartners schafft eine sympathische Stimmung von Beginn an. Eventuell ist sogar kurzer Smalltalk angebracht. Ganz wichtig: Immer viel lächeln – das hört man.

  • Stimme beachten

    Achten Sie auf eine deutliche und selbstbewusste Sprechweise. Atmung, Lautstärke und vor allem Tempo regulieren – die meisten Menschen sprechen bei Nervosität zu schnell. Was immer hilft: aufstehen und einen festen Stand einnehmen. Tief mit dem Bauch atmen, Brustatmung allein ist zu flach.

  • Sätze beenden

    Im Telefoninterview reden sich Bewerber manchmal um Kopf und Kragen. Es wird geredet und geredet, ohne wirklich Wichtiges zu sagen. Besser ist es, Ihre Sätze kurz und knapp auf den Punkt zu bringen. Sie sind verständlicherweise nervös, lassen Sie sich davon aber bitte nicht in einen Redefluss stürzen.

  • Eigeninitiative zeigen

    Auf der anderen Seite gilt: Telefoninterviews sind Gespräche – Dialoge, an denen beide Seiten teilnehmen. Es sollte nicht zu einem Verhör werden, das nur aus Fragen vom Personaler und Ihren Antworten besteht. Zeigen Sie Eigeninitiative und führen Sie ein wirkliches Gespräch.

  • Ausdrucksweise bedenken

    Manche Menschen verfallen am Telefon in umgangssprachlichen Jargon oder Mundart – beim Bewerbungsgespräch ist das eher unangebracht. Studien zeigen, solche Menschen wirken auf andere weniger intelligent. Auch „äh“, „öhm“ und andere Füllwörter sollten Sie möglichst vermeiden.

  • Ablenkung verhindern

    Eigentlich selbstverständlich: Während des Telefonats nichts essen, nicht rauchen, nicht am Laptop tippen und nicht fernsehen. (Zweit)Handy ausschalten nicht vergessen.

  • Wasser bereitstellen

    Vor Nervosität kann Ihnen der Hals austrocknen; halten Sie daher stets ein Glas stilles Wasser bereit. Keinen Sprudel – Sie wollen schließlich nicht aufstoßen müssen.

  • Englisch erwarten

    Bei internationalen Konzernen wechselt der Interviewer schon mal ins Englische. Er wird Sie in der Regel vorher darauf hinweisen, sodass Sie umdenken können – ruhig bleiben!

  • Pausen akzeptieren

    Wie beim Smalltalk gilt: Kurze Pausen im Gespräch gehören dazu. Nutzen Sie die Sekunden, um Ihre Gedanken zu sammeln und Gesagtes zu bedenken. Bloß nicht versuchen, stille Zeit zuzutexten.

  • Rückfragen stellen

    Sie können nicht jeden Satz beim ersten Mal verstehen – wenn Sie eine Frage nicht verstanden haben, bitten Sie um Wiederholung. Bloß keine falsche Scham. Was ist schlimmer: nachfragen oder eine dumme Antwort? Eben.

  • Vortritt lassen

    Und fallen Sie dem Interviewer bitte nie ins Wort und lassen Sie ihn ausreden – schließlich ist er in der Regel derjenige, der das Gespräch führt.

  • Persönlich verabschieden

    Merken Sie sich den Namen des Interviewers und sprechen Sie ihn damit an. Das gilt besonders für den Abschied: „Herr/Frau …, danke für das nette Gespräch!“

Telefoninterview Tipps Regeln Leitfaden Grafik

Typische Fragen im Telefoninterview

Im Telefoninterview fürchten sich Kandidaten vor allem vor möglichen Fragen des Personalers. Die allgemeine Angst: Was soll ich tun, wenn ich keine Antwort weiß? Zunächst einmal sollten Sie keine Panik haben, sollte Ihnen keine Antwort einfallen, dürfen Sie eine kurze Bedenkzeit nehmen. Fehlen weiterhin die Worte, können Sie offen und charmant erklären, dass Sie nervös sind und gerade keine Antwort haben.

Die meisten Fragen im Telefoninterview lassen sich hingegen sehr gut vorbereiten, da es meist typische Fragen sind, die in den meisten telefonischen Bewerbungsgesprächen gestellt werden. Dazu zählen…

  • Fragen zu Stationen aus dem Lebenslauf
  • Fragen zur Motivation des Bewerbers
  • Fragen zur Qualifikation für den Job
  • Fragen zur Kündigung beim ehemaligen Arbeitgeber

Neben den Standardfragen gibt es am Telefon noch die bereits angesprochenen Fragen zu den Lücken im Lebenslauf oder besonders raffinierte, latente Fangfragen.

Die Art und Weise wie Sie als Kandidat darauf reagieren, verrät dem Interviewer viel über…

  • Ihre Ziele
  • Ihre Werte
  • Ihre Motivation
  • Ihre Arbeitsweise

Grundsätzlich gilt: Versuchen Sie nie etwas zu vertuschen. Wenn Sie sich doch verraten oder in Widersprüche verstricken, ist das Vertrauen dahin und die Jobchancen bei Null Prozent.

Besser: Erklären Sie, was Sie selbst aus Niederlagen – Jobverlust, Studienabbruch – oder Fehlern gelernt haben und künftig besser machen werden. Aber nicht rechtfertigen – stehen Sie dazu, und blicken Sie nach vorn. Je aufrichtiger und gründlicher Sie solche Situationen analysieren, desto überzeugender wirkt das.

Brüche im Lebenslauf sind heute keine Schande mehr, im Gegenteil: Es zeichnet echte Persönlichkeiten aus!

Zu Kategorie der schwierigen Fragen gehören vor allem die folgenden, auf die Sie sich ebenfalls vorbereiten können.

Was mochten Sie an Ihrem bisherigen Job am wenigsten?

Die offene Frage klärt auf unaufdringliche Art und Weise, wie der Bewerber mit negativen Situationen und Frustrationen umgeht. Lästern ist hier nicht angebracht. Reden Sie bei der Beantwortung nicht schlecht über ehemalige Kollegen oder Vorgesetzte.

Was interessiert Sie an diesem Job vor allem?

Die Frage hat nicht nur den Vorteil, dass sie offen ist – sie zwingt den Bewerber auch zu einer ebenso konkreten wie differenzierten Aussage, bei der er viel über seine Interessen, seine Karriereziele und seine letzte Beschäftigung zu erkennen gibt. Stellen Sie heraus, welche Aspekte Ihnen besonders wichtig sind und was diesen Job und Arbeitgeber von anderen unterscheidet.

Wenn Sie Ihre vergangenen zwei bis drei Positionen vergleichen: Waren Sie eher Anführer oder Ausführer? Begründen Sie bitte Ihre Antwort.

Eine weitere offene Frage, die ebenfalls zu Bekenntnissen zwingt. Auch wenn die meisten glauben, mit „Anführer“ antworten zu müssen, kommen Sie nicht umhin, Ihre Qualitäten diesbezüglich zu konkretisieren. Bleiben Sie deshalb ehrlich und werden Sie möglichst konkret. Beispiele aus der Berufspraxis sind hier von Vorteil.

Erzählen Sie mir etwas von sich, das nicht in Ihrem Lebenslauf steht.

Ja, die Frage ist aggressiv und provokant – aber genau darum geht es doch in einer Bewerbung: Werbung machen für sich, besser sein, sich abheben, in Erinnerung bleiben. Warum also nicht den Prozess abkürzen und gleich zur Sache kommen?>

Wie geht es Ihnen gerade?

Banal? Mitnichten! Immer wieder wird die Macht des ersten Eindrucks betont. Was aber wenn jemand auf eine solch simple Offerte zur Charmeoffensive nicht überzeugend parlieren kann? Wie soll so einer vom ersten Tag an ins Unternehmen passen, geschweige denn bei Kunden und Kollegen ankommen? Zeigen Sie Offenheit und Höflichkeit im Umgang mit anderen.

Was wissen Sie über unser Unternehmen?

Das Schöne an der Frage ist, dass sie nicht nur Fachwissen oder gar Klischees abklopft, sie zeigt auch, wie intensiv sich der Bewerber mit seinem künftigen Job auseinander gesetzt hat, wie gründlich er oder sie recherchiert hat. Eine offenere Variante der Frage lautet: Erzählen Sie mir etwas über unser Unternehmen. Bei der Antwort können Sie dazu überleiten, was Ihnen am Unternehmen besonders gefällt und zu Ihrer Entscheidung geführt hat, dort arbeiten zu wollen.

Wenn Sie Ihren perfekten Job selbst gestalten könnten – wie sähe er aus?

Die Frage löst in der Regel zunächst ein Lächeln aus – dann Schweißperlen auf der Stirn. Denn hier zeigt sich, wie reflektiert jemand mit seinem Beruf umgeht, welche Pläne er hat und ob er Treiber seiner Karriere ist oder sich vielmehr treiben lässt. Sie können Aspekte des Jobs, auf den Sie sich bewerben, in Ihre Antwort einfließen lassen – nur die genaue Jobbeschreibung wiederzugeben, wäre hingegen zu einfach.

Was werden Ihre neuen Kollegen von Ihnen lernen?

Die Frage zielt letztlich auch auf den Mehrwert, den der oder die „Neue“ zum Unternehmen beisteuert. Aber sie holt den sonst eher monetären Aspekt (Leistung gegen Geld) auf eine soziale Ebene. Die Antwort offenbart zugleich wie kollaborativ der Kandidat ist. Für Sie ist es eine gute Gelegenheit, Ihre Stärken und Ihr Engagement zu betonen.

Wenn ich zwei Ihrer Ex-Kollegen zu Ihnen befragen würde – einen Freund und einen, der das eher nicht ist: In welchen Punkten würden dennoch beide übereinstimmen?

Eine raffinierte Frage, weil sie herausarbeitet, wie empathisch jemand ist und wie gut er mit anderen Menschen umgehen, sich in sie hineinfühlen und zugleich über sich selbst reflektieren kann. Eine Fähigkeit, die im Berufsleben immer wichtiger wird. Sollten Sie spontan keine gute Antwort haben, können Sie sich mit einer Stärke und einer Schwäche behelfen, die Sie von sich kennen.

Wenn wir Sie jetzt einstellen: Was werden Sie in den nächsten 90 Tagen als erstes unternehmen?

Hier geht es ans Eingemachte: Die Frage zwingt den Bewerber dazu, den neuen Job schon zu imaginieren und konkrete Handlungen zu verbalisieren. Das liefert gute Indizien, ob er oder sie sich bereits mit dem Job befasst hat und Ziele oder Vorhaben mitbringt. Überlegen Sie sich deshalb im Vorfeld, was Sie im neuen Job erreichen wollen und wo Sie gerade zu Beginn den Schwerpunkt legen.

Was erwarten Sie von einem Unternehmen, in das Sie Ihr Talent und Ihre Zeit investieren wollen?

Auch diese Frage stellt die übliche Bewerbungsperspektive auf den Kopf. Normalerweise überlegen Kandidaten, was das Unternehmen sucht und versuchen genau diese Punkte zu treffen und als Leistungspaket zu verkaufen. Ein Vorstellungsgespräch (insbesondere die Probezeit) ist aber immer auch dazu gedacht, herauszufinden, ob beide (!) Seiten zu einander passen. Genau dabei hilft diese Frage. Zudem können Personaler so klären, wie stabil die spätere Beziehung sein wird. Obendrein erleichtert sie Gehaltsverhandlungen. Hier gilt erneut: Nutzen Sie Aspekte, die Sie vom Unternehmen kennen und ergänzen Sie diese mit eigenen Ansichten und Vorstellungen.

Was ist Ihre größte Sorge – diesen Job betreffend?

Nicht nur, dass man so herausfindet, wie gut sich der Kandidat auf das Jobinterview vorbereitet, wie intensiv er sich mit der Stelle und dem Unternehmen beschäftigt hat – es zeigt sich ebenso, welche Herausforderungen derjenige erwartet und wie er gedenkt, damit umzugehen. Nebenbei findet man natürlich auch heraus, wie offen der Bewerber tatsächlich ist. Vorsicht bei der offensichtlichen Antwort Ich habe Sorgen, den Job nicht zu bekommen… Das zeigt, dass Sie unsicher sind und sich selbst nicht überzeugend finden.

Ganz am Ende des Jobinterviews: Wie würden Sie Ihr aktuelles Interesse für diesen Job auf einer Skala von 1 bis 10 (10 = Maximum) einordnen?

Klar, die meisten werden wohl spontan mit 10 antworten, um ihre Jobchancen nicht zu schmälern. Personaler bohren dann gerne nach, worin das maximale Interesse begründet ist. In allen anderen Fällen fragen sie nach, was das Interesse verringert hat. Bevor Sie antworten, sollten Sie sich deshalb bereits eine Begründung zurechtlegen, um die zweite Frage parieren zu können.

[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock.com]

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6. Mai 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Taralej. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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