Zwangsexmatrikulation: Was nun?

Es kann diverse Gründe haben, aber eins steht eigentlich fest: Überraschend kommt eine Zwangsexmatrikulation nie. Doch auch wenn alle Warnzeichen ignoriert wurden, sind die meisten Studierenden erst einmal sehr geschockt, wenn sie das entsprechende Schreiben in den Händen halten. Was kommt als nächstes? Worauf muss geachtet werden? Ist die akademische Laufbahn jetzt zwangsläufig vorbei? Antworten auf die wichtigsten Fragen nach einer Zwangsexmatrikulation…

Zwangsexmatrikulation: Was nun?

Zwangsexmatrikulation: Wie kann es dazu kommen?

Der Begriff drückt es bereits recht drastisch aus: Eine Zwangsexmatrikulation passiert unfreiwillig und bezeichnet die außerplanmäßige Streichung aus der Liste der Studierenden einer Hochschule.

Folgende Gründe können zu einer Zwangsexmatrikulation führen:

  • Androhung von Gewalt gegenüber Kommilitonen
  • Behinderung universitärer Veranstaltungen
  • Ausstehende Studienbeiträge oder andere offene Rechnungen gegenüber der Hochschule
  • Ausstehende Gebühren bei der Krankenversicherung (länger als ein halbes Jahr)
  • Gefälschte Zeugnisse, auf deren Grundlage der Studienplatz zugeteilt wurde

Zusätzlich gibt es auch noch die leistungsbedingte Zwangsexmatrikulation: Wer innerhalb einer gewissen Zeit keine Prüfungen ablegt oder in Teilabschnitten des Studienganges wiederholt patzt, muss sich früher oder später von seinem Fach verabschieden.

Laut einer Studie der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) geben elf Prozent aller Studienabbrecher nicht bestandene Prüfungen als Grund für ihre Exmatrikulation an.

Konsequenzen einer Zwangsexmatrikulation

Konsequenzen Zwangsexmatrikulation Bafög KrankenversicherungIn allen diesen Fällen gilt, dass der Studierende unangenehme Post bekommt. Üblicherweise wird jeder Student so eine zwangsweise Exmatrikulation versuchen zu vermeiden, denn ohne als ordentlicher Studierender eingeschrieben zu sein, gehen einige Vorteile und Vergünstigungen verloren.

An den Studentenstatus geknüpft sind:

  • Bafög

    Der Erhalt einer Studienförderung wie beispielsweise Bafög, Stipendium oder Studienkredit ist verbunden mit dem Studentenstatus. Diese Fördermittel werden umgehend eingefroren, wenn Sie zwangsexmatrikuliert werden. Da hilft es auch nicht, die Zwangsexmatrikulation einfach zu verschweigen – irgendwann kommt es heraus und dann müssen Sie zu viel gezahlte Gelder wieder zurückzahlen.

  • Wohnheim

    Preiswerter Wohnraum ist gerade in Universitätsstädten absolute Mangelware. Die Studentenwerke bieten daher oft attraktive Gesamtpakete – etwa zentrales Wohnen inklusive Kinderbetreuung und Telefon-, Internet- und Kabelanschluss für vergleichsweise wenig Geld. Genau diese Vergünstigungen fallen allerdings bei einer Zwangsexmatrikulation weg. Wer ohnehin schon Schulden angehäuft hat, wird sich noch schwerer tun, eine bezahlbare Unterkunft binnen kürzester Zeit zu finden.

  • Krankenversicherung

    Für Studierende in der Regelstudienzeit gilt ein vergünstigter Versicherungsbeitrag. Im Falle einer Zwangsexmatrikulation können sich Ex-Studenten im Alter von bis zu 23 Jahren über ihre Eltern mitversichern, wenn sie kein eigenes Einkommen haben. Altere Ex-Studenten ab 25 müssen sich selbst versichern und meist einen höheren Beitrag stemmen.

  • Zugang

    Als Nichtstudierender dürfen Sie sich nicht in den Universitätsgebäuden und Instituten aufhalten, da der Aufenthalt durch einen Studierendenausweis legitimiert wird. Ihnen wird die Teilnahme an Veranstaltungen und der Zugang zu Bibliotheken, Semesterapparaten und anderen hochschulinternen Systemen verwehrt.

  • Semesterticket

    Das Semesterticket wird nach erfolgreicher Überweisung des Semesterbeitrags zugeschickt. Trifft einer der oben genannten Gründe für eine Zwangsexmatrikulation auf Sie zu, gilt das Semesterticket maximal noch bis zum Ende des jeweiligen Semesters. Danach fällt nicht nur die kostenlose Beförderung durch Bus und Bahn weg, sondern auch andere Vergünstigungen wie etwa vergünstigter Eintritt in Zoo und Kino und andere Studentenrabatte.

Was tun bei ungewollter Exmatrikulation?

Vorweg eine Sache: Eine Zwangsexmatrikulation sieht nie besonders gut aus. Steht eine Streichung von der Liste der Studierenden unweigerlich an, weil Sie beispielsweise die Gebühren nicht zahlen konnten oder durch die Klausuren gefallen sind, ist es immer noch besser, wenn Sie sich eigenständig exmatrikulieren.

Denn eine Zwangsexmatrikulation kann auch eine zukünftige Sperrung der Hochschule für Sie bedeuten – wer hingegen sich selbst austrägt, hält sich für später mehrere Optionen offen. Aber soweit muss es nicht kommen, abhängig vom Grund sind mehrere Vorgehensweisen denkbar.

  • Zwangsexmatrikulation aus finanziellen Gründen

    Immerhin 19 Prozent aller Studierenden brechen ihr Studium laut HIS-Studie aus finanziellen Gründen ab. Die gute Nachricht für alle Nichtzahler: Die meisten Hochschulen nehmen die Exmatrikulation gegen Zahlung des Semesterbeitrags und einer Bearbeitungsgebühr wieder zurück. Darauf ankommen lassen, sollten Sie’s aber nicht!

  • Zwangsexmatrikulation bei verhaltensbedingten Gründen

    Sind die durch gewalttätiges Verhalten gegenüber Kommilitonen oder Lehrpersonal aufgefallen, empfiehlt sich die Beratung durch einen Anwalt. Hier hängt das weitere Vorgehen vom jeweiligen Fall ab. Wer sich einsichtig zeigt, seine Hilfe und Unterstützung bei sozialen Projekten anbietet, kann unter Umständen mit anwaltlicher Unterstützung eine Zwangsexmatrikulation abwenden.

  • Zwangsexmatrikulation bei nicht erbrachter Leistung

    Neben finanziellen Schwierigkeiten sind nicht bestandene Klausuren ein Problem. Hier sollten Sie Ihre Möglichkeiten ausloten. Warum haben Sie die Prüfungsleistung nicht erbringen können? In manchen Fällen gibt es „mildernde Umstände“, sogenannte Härtefallregelungen.

    Die gelten beispielsweise, wenn Sie am Prüfungstag krank waren und infolgedessen nicht die geforderte Leistung abrufen konnten. Der übliche Weg wäre, sich im Vorfeld krankschreiben zu lassen. Konnten Sie aber beispielsweise erst gar nicht erscheinen, weil Sie mit Lebensmittelvergiftung im Krankenhaus lagen, wird Ihnen ein Attest dies bestätigen können, so dass die Prüfung nicht automatisch als „nicht bestanden“ gilt.

    Ebenso wird ein plötzlicher Todesfall in der Familie oder ein traumatisches Erlebnis wohlwollend für Sie ausgelegt werden, wenn Sie im Zuge dessen sich nicht konzentrieren konnten. Wichtig ist, dass Sie entsprechende Nachweise erbringen.

Erste Anlaufstellen: Arbeitsamt und Studienberatung

Liegt der Bescheid über das Zwangs-Aus im Briefkasten, gilt es zu handeln. Vor allem Bezieher von Studienkrediten oder BAföG sollten schnell aus der Schockstarre erwachen. Denn diese Leistungen fließen bald nicht mehr aufs Konto.

Doch keine Sorge! Es gibt Anlaufstellen, die helfen. In diesem Fall die Bundesagentur für Arbeit: So genannte Leistungen zur „Unterstützung der Sicherung des Grundbedarfs“ stehen zwangsexmatrikulierten Studierenden zu, bis sie eine neue Lösung gefunden haben.

Wer seinen Lebensunterhalt durch Studentenjobs bestreitet, hat erstmal nichts außer höheren Steuer- und Sozialversicherungsbeiträgen wegen des Wegfalls des Studentenstatus zu befürchten.

Auch Bewohner von Studentenwohnheimen sollten in die Puschen kommen, wenn sie vorhaben, der Uniwelt endgültig den Rücken zu kehren. Denn grundsätzlich ist der Aufenthalt in einem Studentenwohnheim an ein ordnungsgemäßes Studium gekoppelt. In der Regel wird die Exmatrikulation erst zum Ende des Semesters wirksam.

Es verbleibt zwar ein gewisser Zeitpuffer, sich neu zu orientieren. Aber bei der aktuellen Wohnsituation in Studentenstädten zählt jede Stunde bei der Wohnungssuche.

Es ist nur allzu verständlich, dass die Betroffenen zunächst verunsichert sind. Daher empfiehlt sich, unbedingt das Beratungs- und Hilfsangebot der Studentenwerke und der zentralen Studienberatung in Anspruch zu nehmen. Sie sind für Sozialfragen, inhaltliche Studienorientierung und Hilfe bei psychischen Problemen oder Stress mit den Eltern zuständig.

Übrigens nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist – besser wäre, sich im Vorfeld zu überlegen, ob man am Prüfungstag (oder in den Wochen zuvor bereits) studierfähig ist.

Gemeinsam mit den Beratern der Studentenwerke oder der zentralen Studienberatung lässt sich in jedem Fall eine Standortbestimmung durchführen und Antworten auf wichtige Fragen finden:

  • War die eingeschlagene Fachrichtung vielleicht nicht die richtige?
  • Ist ein Studium überhaupt der richtige Weg?
  • Welche Ausbildung entspräche den persönlichen Interessen und Neigungen?
  • Was sind die nächsten Schritte?

Sind psychische oder gesundheitliche Gründe ausschlaggebend für die Zwangsexmatrikulation gewesen, wäre eine Möglichkeit, ein Urlaubssemester einzulegen. In dieser Zeit werden keine Studienleistungen erbracht, so dass Sie Zeit gewinnen, sich über Ihre Situation klarzuwerden.

Bevor Sie sich dazu entscheiden, sollten Sie allerdings Ihre finanzielle Situation absichern, denn im Falle eines Urlaubssemesters werden Bafög-Zahlungen vorübergehend eingefroren.

Ist Weiterstudieren trotz Exmatrikulation möglich?

Eine leistungsbedingte Zwangsexmatrikulation bedeutet prinzipiell nicht das Ende der universitären Laufbahn, denn der Ausschluss gilt erstmal nur für den ursprünglichen Studiengang.

Ein Fachwechsel ist also möglich. Oft liegt es nahe, eine verwandte Richtung einzuschlagen. Der Vorteil dabei: Nicht alle Bemühungen waren umsonst, da der eine oder andere Leistungsnachweis anerkannt werden kann.

Auch kann das Studium im eigenen Fach unter bestimmten Bedingungen möglich sein, denn teilweise gibt es von Universität zu Universität unterschiedliche Studien- beziehungsweise Prüfungsordnungen.

Die einen sehen zwei, die anderen drei Prüfungsversuche vor. Sie sollten unbedingt Ihre Prüfungsordnung daraufhin durchsehen, unter welchen Bedingungen genau ein Weiterstudieren nicht möglich ist – eng ausgelegte Bestimmungen Ihrer Hochschule könnten immer noch ein Studium nebst dritten Prüfungsversuch an einer anderen Hochschule ermöglichen.

Allerdings ist ein Hochschulwechsel mit allerhand organisatorischem Aufwand verbunden und es besteht die Gefahr, dass bestimmte Leistungsnachweise nicht anerkannt werden, Sie also frühere Module ergänzen/nachholen müssen.

Auch können Sie das gleiche Fach an einer anderen Uni nur noch bei bestehendem Prüfungsanspruch weiterstudieren. Wer seinen Prüfungsanspruch endgültig verloren hat, verliert diesen leider auch an einer anderen Hochschule im selben Studiengang, bundesweit.

In den jeweiligen Landeshochschulgesetzen finden sich entsprechende Regelungen wie zum Beispiel der § 60 Abs. 2 Nr. 2 LHG B-W:

(2) Die Immatrikulation nach Absatz 1 Sätze 1 bis 5 ist zu versagen, wenn […] eine nach der Prüfungsordnung erforderliche Prüfung im gleichen Studiengang endgültig nicht bestanden wurde oder der Prüfungsanspruch aus sonstigen Gründen nicht mehr besteht; durch Satzung der Hochschule kann bestimmt werden, dass dies auch für verwandte Studiengänge mit im Wesentlichen gleichem Inhalt gilt; für Studienabschnitte vor der Vor- oder Zwischenprüfung genügt eine entsprechende Vergleichbarkeit der Studiengänge in diesem Abschnitt.

Es gibt allerdings zwei Hintertürchen:

  • Inwiefern es sich um den „gleichen“ Studiengang handelt, liegt in der Entscheidung der Hochschulen und bedarf unter anderem eines Abgleichs der Studieninhalte.
  • Zudem bleibt Betroffenen die Möglichkeit, auf eine Universität im Ausland auszuweichen.

Studienabbruch: Was nun?

Tatsächlich entscheidet sich der eine oder andere nach dem Rauswurf aus dem Fach komplett dagegen, weiterhin die Unibank zu drücken. Auch in diesem Fall ist die Bundesagentur für Arbeit die erste Anlaufstelle.

Hier gibt es spezielle Beratungsangebote für Studenten nach einem Studienabbruch. Entscheidet man sich für eine Ausbildung, die mit dem einstigen Studium artverwandt ist, lässt sich diese eventuell abkürzen.

Natürlich gibt es immer auch die Möglichkeit, sich juristisch zu wehren. Entweder gegen die Prüfung an sich, oder gegen die Exmatrikulation. Hier kommt es vor allem darauf an, welche Gründe zum Nichtbestehen geführt haben.

  • Gab es persönliche Probleme?
  • Eine schwere Erkrankung?
  • Eine Trennung?
  • Ein Trauerfall in der Familie?

Dann bestehen Chancen, gegen die Exmatrikulation vorzugehen. In der Zwischenzeit ist die Exmatrikulation nicht wirksam. Der Studierende kann also weiterstudieren. Geht der Rechtsstreit jedoch zugunsten der Hochschule aus, ist endgültig Schluss.

Wie wirkt sich der Abbruch auf die Karriere aus?

Was die Karriere angeht, ist ein Studienabbruch nicht unbedingt ein Beinbruch. Bill Gates, Herbert Grönemeyer, Mick Jagger, Wolfgang Joop, Steven Spielberg – die Liste berühmter Studienabbrecher ist lang.

Wichtig ist nur, das Studienaus in der Bewerbung angemessen zu verkaufen.

  • Der Fokus im Lebenslauf sollte auf das Studium, nicht auf den Abbruch gelegt werden
  • Wissen und Fähigkeiten, die während des Studiums erworben wurden, sollten herausgestellt werden

Die Gründe, die zum Abbruch führten, können auf einer extra Seite erläutert werden. Hier ist natürlich auch ein bisschen Selbstmarketing gefragt.

Das Wort Zwangsexmatrikulation sollte hier nicht auftauchen, stattdessen besser der „Wunsch, sich neuen und praxisnahen Herausforderungen zu stellen“.

[Bildnachweis: WAYHOME studio by shutterstock.com]
26. Juni 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Taralej widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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